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	<title>Wigbert Benz</title>
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	<description>Beiträge zur Zeitgeschichte und Politik</description>
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		<title>Wigbert Benz</title>
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		<title>Der Hungerplan im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Apr 2011 15:33:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nationalsozialismus/Zweiter Weltkrieg, insbesondere Russlandfeldzug bzw. "Unternehmen Barbarossa" 1941]]></category>

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		<description><![CDATA[Wigbert Benz: Der Hungerplan im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941. Wissenschaftlicher Verlag Berlin wvb. Berlin 2011. ISBN 978-3-86573-613-0 Buchinformation mit Inhaltsverzeichnis beim wvb Presse/Rezensionen: 1. Süddeutsche Zeitung, 11. Juli 2011 (Dr. Alex J. Kay) 2. Badische Neueste Nachrichten, 22. Juni 2011 (Dr. Klaus Gaßner) 3. bildung und wissenschaft 11/2011, 18. November 2011 (Siegfried Frech) 4. TRIBÜNE. Zeitschrift [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=333&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wigbert Benz: Der Hungerplan im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941. Wissenschaftlicher Verlag Berlin wvb. Berlin 2011. ISBN 978-3-86573-613-0</strong></p>
<p><a href="http://www.wvberlin.com/programm/shop/einzelansicht/?tt_products%5BbackPID%5D=36&amp;tt_products%5Bproduct%5D=483&amp;cHash=9d4bf356b40e3b6b5187c581ba89961b">Buchinformation mit Inhaltsverzeichnis beim wvb</a></p>
<p><strong>Presse/Rezensionen:</strong> </p>
<p>1. <strong>Süddeutsche Zeitung</strong>, 11. Juli 2011 (Dr. Alex J. Kay)<br />
2. <strong>Badische Neueste Nachrichten</strong>, 22. Juni 2011 (Dr. Klaus Gaßner)<br />
3. <strong>bildung und wissenschaft </strong>11/2011, 18. November 2011 (Siegfried Frech)<br />
4. <strong>TRIBÜNE. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums</strong>, 50. Jg. 2011, Heft 200 (Anja Schader)<br />
5. <strong><a href="http://www.disskursiv.de/2011/06/19/rezension-der-hungerplan-im-%E2%80%9Eunternehmen-barbarossa%E2%80%9C-1941/">DISSKursiv.de 19.6./Vorwaerts.de 9.6.2011</a></strong> (Anton Maegerle)<br />
6. <a href="http://www.aventinus-online.de/no_cache/persistent/artikel/9084/"><strong>aventinus recensio Nr. 28, 30.9. 2011 </a></strong> (Matthias Krämer, M.A.)<br />
7. <a href="http://www.bglv-ev.de/index.php?pid=12&amp;sub=1&amp;id=80&amp;ret_url=http%3A%2F%2Fwww.bglv-ev.de%2Findex.php%3Fpid%3D5%26sub%3D1" title="Bayerischer Geschichtslehrerverband, 5.11.2011"><strong>Bayerischer Geschichtslehrerverband, 5.11.2011 </strong></a>(OStD Willi Eisele)</p>
<p><strong>Süddeutsche Zeitung</strong>, 11. Juli 2011:</p>
<p><strong>Der Hungerplan</strong><br />
Pünktlich zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion hat der Karlsruher Historiker Wigbert Benz die deutsche Hungerpolitik beschrieben. Von den etwa 27 Millionen Sowjetbürgern, die getötet wurden, waren rund die Hälfte Zivilisten – darunter vier bis sieben Millionen Menschen, die in den Kriegsgefangenenlagern und in den Großstädten gezielt zu Tode gebracht wurden. Der im Vorfeld des Angriffs ausgearbeitete Hungerplan konnte jedoch wegen des fehlgeschlagenen Verlaufs des Feldzuges und des daraus resultierenden Fehlens des erforderlichen Personals nicht im gewünschten Umfang verwirklicht werden. Der Plan visierte dreißig Millionen Hungertote in den besetzten sowjetischen Gebieten an. Mit diesem Buch wird für ein breites Leserpublikum das Wesentliche des Themas in einer auf dem aktuellen Forschungsstand beruhenden Basislektüre überzeugend dargestellt. </p>
<p><span id="more-333"></span><br />
Alex J. Kay</p>
<p>WIGBERT BENZ: Der Hungerplan im „Unternehmen Barbarossa“ 1941. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin, 2011. 84 Seiten, 16 Euro</p>
<p>Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 157 vom 11. Juli 2011, Das politische Buch, S. 16</p>
<p>_________</p>
<p><strong>Badische Neueste Nachrichten</strong>, 22.6.2011</p>
<p><strong>&#8222;Unnütze Esser“</strong></p>
<p>Wigbert Benz über den Hungerplan im Russlandfeldzug</p>
<p>Der Karlsruher Historiker Wigbert Benz hat in einer Studie den „Hungerplan“ als treibendes Element der Nationalsozialisten für den Russlandfeldzug herausgearbeitet. Danach fußte das militärische „Unternehmen Barbarossa“ zum Gewinn von „Lebensraum im Osten“ auch auf der dezidierten Überlegung, Millionen Menschen aus Hunger sterben zu lassen, um dafür die Versorgung des Reichs mit Lebensmitteln sicherzustellen. Benz schätzt, dass rund vier bis sieben Millionen der insgesamt 27 Millionen im „Unternehmen Barbarossa“ getöteten Sowjetbürger an geplanter Unterernährung gestorben sind.</p>
<p>Konzentriert findet sich die Strategie in einem Papier des Chefs des Wirtschafts- und Rüstungsamtes im Oberkommando der Wehrmacht, General Georg Thomas. Dort heißt es: „Der Krieg ist nut weiterzuführen, wenn die gesamte Wehrmacht im dritten Kriegsjahr aus Russland ernährt wird. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande geholt wird.“</p>
<p>Die Idee ist im Rassenwahn der Nationalsozialisten angelegt: „Minderwertige Völker“ wurden so als „unnütze Esser“ angesehen. Dem sowjetischen Territorium war nach dem militärischen Sieg zugedacht, bei niedrigstem Lebensstandard billige Nahrungssmittel und Rohstoffe zu produzieren. Die sollten dann vom Deutschen Reich teuer in die westeuropäischen Länder verkauft werden, um die Kriegsschulden abzudecken. Damit, so der perfide Plan, sollten die enormen Kriegslasten den Steuerzahler nicht zu sehr treffen.												aß</p>
<p>Wigbert Benz: Der Hungerplan im Unternehmen Barbarossa, Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2011, 16 Euro.<br />
Internet: wigbertbenz.wordpress com</p>
<p>Quelle: Badische Neueste Nachrichten, 22.6.2011, S. 4. Rezensent: Dr. Klaus Gaßner, Redaktionsleiter</p>
<p>___________</p>
<p><strong>bildung und wissenschaft </strong>11/2011:</p>
<p><strong>Der Hungerkrieg 1941</strong><br />
<strong>Wigbert Benz:<br />
Der Hungerplan im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941</strong>. wvb-Verlag, Berlin 2011, 84 Seiten, 16,00 Euro.</p>
<p>&#8222;Armut, Hunger und Genügsamkeit erträgt der russische Mensch schon seit Jahrhunderten. Sein Magen ist dehnbar, daher kein falsches Mitleid.&#8220;<br />
Dieser an Menschenverachtung nicht zu überbietende Satz von Herbert Backe, Leiter der Geschäftsgruppe Ernährung in Görings Vierjahresplan, enthüllt das rassenideologischc Leitbild der nationalsozialistischen Kriegführung, das in Verbindung mit kriegswirtschaftlichem Kalkül die treibende Kraft des Vernichtungskrieges gegen<br />
Russland war. Die Idee des Hungerplans ist im Rassenwahn der Nazis angelegt: &#8222;Minderwertige Völker&#8220; wurden mit &#8222;unnützen Essern&#8220; gleichgesetzt, deren Hungertod billigend in Kauf genommen und akribisch geplant wurde. Der deutsche Überfall auf die UdSSR, das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220;, wurde im Kern als Vernichtungs- und Ernährungskrieg geplant. Millionen Menschen sollten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion verhungern, um Nahrungsmittel für die Wehrmacht und die deutsche Bevölkerung zu gewinnen. Rund vier bis sieben Millionen der insgesamt 27 Millionen im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; getöteten Sowjetbürger sind an geplanter Unterernährung gestorben.<br />
Der Karlsruher Historiker und Lehrer Wigbert Benz hat – zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 – das oben genannte Buch vorgelegt. Benz<br />
analysiert die dem verbrecherischen Plan zugrundeliegenden Dokumente, benennt die verantwortlichen Akteure, beleuchtet die Zustimmung Hitlers, Görings, Rosenberg und Himmlers und stellt abschließend die Auswirkungen des &#8222;Hungerplans&#8220; dar. Im Anschluss an die Vorbemerkungen werden im zweiten Kapitel (S. 11-28) der Forschungsstand, Kriegführung und Besatzungspraxis sowie die historische Verortung prägnant erörtert.<br />
Das dritte Kapitel (S. 29-48) zitiert grundlegende Dokumente (Aktennotizen, Protokolle, Richtlinien), in denen das Zusammenwirken der ideologischen Vorgaben mit den kriegswirtschaftlichen Nützlichkeitserwägungen anhand konkreter Texte aus dem Jahr<br />
1941 aufgezeigt wird. Die Lektüre der amtlichen Papiere offenbart die planvolle Vernichtungspolitik und hebt das perfide Kalkül des &#8222;Hungerplans&#8220; hervor. Im vierten Kapitel (S. 49-62) beschreibt Benz die entscheidenden Akteure. So billigte Göring den &#8222;Hungerplan&#8220; persönlich und wurde dafür im Nürnberger Prozess verurteilt. Im abschließenden Kapitel (S. 63-76) gibt Wigbert Benz eine Übersicht über die Auswirkungen des Hungerplans: Geschildert werden die Hungersnöte in russischen Großstädten –  so in<br />
Leningrad, das 900 Tage (Herbst 1941 bis Anfang 1944) belagert wurde –  sowie das  massenhafte Verhungern von sowjetischen Kriegsgefangenen.<br />
Das Buch bietet einen fundierten Überblick und eignet sich für ein breites, historisch interessiertes Lesepublikum.<br />
Da im Geschichtsunterricht und in Schulbüchern das Thema &#8222;Hungerplan&#8220; weitgehend ausgeblendet wird, sei abschließend auf den online verfügbaren Unterrichtsentwurf von Wigbert Benz für die Sekundarstufe I hingewiesen, der die Vernichtungs-  und<br />
Hungerpolitik im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; thematisiert.<br />
URL: http://www.friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/<br />
zweiter_weltkrieg/das_unternehmen_barbarossa_1941__1 </p>
<p>Quelle: bildung und wissenschaft. Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 11/2011 vom 18. November 2011. Beilage Die Unterrichtspraxis 8/2011, S. 64. Rezensent: Dipl.-Päd. Siegfried Frech, Referent der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.</p>
<p>______________________</p>
<p><strong>TRIBÜNE. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums</strong>, 50. Jg. 2011, Heft 200</p>
<p><strong>Quellen und Forschung kompakt</strong></p>
<p>Wigbert Benz: Der Hungerplan im „Unternehmen Barbarossa“ 1941. wvb, Berlin 2011, 84 S., 16 Euro</p>
<p>Das „Unternehmen Barbarossa“, der Überfall Nazi-Deutschlands auf die UdSSR, war weit mehr als „nur“ eine militärische Operation: Beim Kampf gegen den „jüdischen Bolschewismus“ verschmolzen NS-Rassenideologie, wirtschaftliche und militärische Überlegungen. Resultat war ein Vernichtungskrieg im Osten, dem nach aktuellem Kenntnisstand insgesamt rund 27 Millionen Russen zum Opfer fielen. Wie perfide die Planer kalkulierten,  macht eine Aktennotiz vom 2. Mai 1941 deutlich: „l.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wird. 2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“</p>
<p>Zu diesen Planungen, die russische Bevölkerung zugunsten der deutschen verhungern zu lassen, ist nun ein schmaler Band von Wigbert Benz erschienen, der historische Quellen und wissenschaftliche Forschung gleichermaßen zugänglich macht. Nach einer knappen Orientierung über den Stand der Forschung zum „Unternehmen Barbarossa“ allgemein wendet sich Benz den Dokumenten der Hungerplanung zu. In ausführlichen Zitaten präsentiert und analysiert er die Texte und scheut sich dabei nicht, Historikerkollegen zu widersprechen, die die tragende Funktion der Hungerplanung in der deutschen Strategie nicht oder nur ungenügend berücksichtigen. Es folgt die Frage, inwieweit die NS-Führungsspitze (Hitler, Göring, Rosenberg, Himmler) über die Pläne informiert oder daran beteiligt war. Wie beim Holocaust gibt es auch hier keine dezidierten Befehle Hitlers, so dass Benz unter anderem Äußerungen heranzieht, aus denen die Untergebenen des „Führers“ dessen „Erwartungshaltung“ ableiten und darauf zuarbeiten konnten. Welche Auswirkungen die Ausbeutung der Nahrungsmittelressourcen der UdSSR für russische Kriegsgefangene und die russische Zivilbevölkerung hatte, ist der letzte Punkt in Benz’ Betrachtung. „Eine genaue numerische Bilanzierung der unter deutscher Besatzung verhungerten Menschen ist nicht möglich, konstatiert der Autor und verweist auf Schätzungen, die von vier bis sieben Millionen Hungertoten ausgehen. Kaum vorstellbar, wie viele noch hätten sterben müssen, wenn die deutschen Truppen den erwarteten „Blitzkrieg“ gewonnen und die Hungerpläne vollständig umgesetzt hätten.<br />
ANJA SCHADER</p>
<p>Quelle: TRIBÜNE. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums. 50. Jg. Heft 200. 4.Quartal 2011, S. 213.</p>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 09:57:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nationalsozialismus/Zweiter Weltkrieg, insbesondere Russlandfeldzug bzw. "Unternehmen Barbarossa" 1941]]></category>

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		<description><![CDATA[I. Veröffentlichungen 1986-2011 bzw. Nr. 1-49 von Wigbert Benz in Büchern, Sammelbänden u. Zeitschriften II. Artikel/Rezensionen in der Süddeutschen Zeitung 1. Übersicht der SZ-Artikel von 2007-2011 2. SZ-Artikel Nr. 1-12 von 2007-2011 im Einzelnen ____________________________________________________ I. Veröffentlichungen 1986-2011 bzw. Nr.1-49 von Wigbert Benz in Büchern, Sammelbänden u. Zeitschriften: 1. Der Russlandfeldzug des Dritten Reiches: Ursachen, [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=250&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>I. Veröffentlichungen 1986-2011 bzw. Nr. 1-49 von Wigbert Benz in Büchern, Sammelbänden u. Zeitschriften</strong><br />
<strong>II. Artikel/Rezensionen in der Süddeutschen Zeitung<br />
1. Übersicht der SZ-Artikel von 2007-2011<br />
2. SZ-Artikel Nr. 1-12 von 2007-2011 im Einzelnen</strong><br />
____________________________________________________<br />
<span id="more-250"></span></p>
<p><strong>I. Veröffentlichungen 1986-2011 bzw. Nr.1-49 von Wigbert Benz in Büchern, Sammelbänden u. Zeitschriften:</strong></p>
<p>1. Der Russlandfeldzug des Dritten Reiches: Ursachen, Ziele, Wirkungen. Zur Bewältigung eines Völkermords unter Berücksichtigung des Geschichtsunterrichts. Frankfurt a.M.: Haag + Herchen Verlag 1986, 2. Auflage 1988;<br />
2. NS-Völkermord in der UdSSR und Friedenserziehung im Geschichtsunterricht. In: karlsruher pädagogische beiträge. Zeitschrift der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Jg. 7 (1986), H. 13/14, S. 57-69;<br />
3. NS-Vernichtungskrieg in der UdSSR &#8211; Quellen für den Geschichtsunterricht. In Geschichtsdidaktik (Patmos-Schwann Verlag) Jg. 12 (1987), H. 4, S. 395-400;<br />
4. Präventiver Völkermord? Zur Kontroverse um den Charakter des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion. In: Blätter für deutsche und internationale Politik Jg. 33 (1988), H. 10, S. 1215-1227;<br />
5. Zur Rezeption des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8220; in Geschichtsbüchern: Fakten und Tendenzen. In: Internationale Schulbuchforschung. Zeitschrift des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung Jg. 10 (1988), H. 4, S. 379-391;<br />
6. (K)eine Reise in die Vergangenheit wert? Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941 1945 in Schulbuchdarstellungen. In: Lehrerzeitung Baden-Württemberg Jg. 43 (1989), H. 11, S. 226-229;<br />
7. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa“ und der Vatikan. In: Blätter für deutsche und internationale Politik Jg. 34 (1989), H. 8, S. 981-991;<br />
8. Ursachen und Charakter des Zweiten Weltkrieges. Basisbeitrag. In: Praxis Geschichte (Westermann Schulbuchverlag) 5/1990, S. 6-13;<br />
9. Der andere Holocaust. Der deutsche Vernichtungskrieg in der Sowjetunion. In: Praxis Geschichte 5/1990, S. 26-31;<br />
10. &#8222;Untermenschen“ &#8211; Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam 1941-1945. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage der Lehrerzeitung Baden-Württemberg. H. 3-4/1991, S. 17-19;<br />
11. &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; &#8211; Der andere Holocaust. In: Verein für Friedenspädagogik Tübingen (Hg.): Rundbrief 2/1991; S.2-7;<br />
12. Unterrichtsmaterialien zur Planung des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8217; 1941 als Vernichtungskrieg. In: Verein für Friedenspädagogik Tübingen (Hg.): Rundbrief 2/1991; S.8-17;<br />
13. 22.Juni 1941: Krieg als Völkermord. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer (Wochenschau Verlag) 41/1991, S.51-55;<br />
14. Die Haltung des Vatikans zum &#8222;Unternehmen Barbarossa“. In: Schafranek, Hans / Streibel, Robert (Hg.): 22.Juni 1941. Der Überfall auf die Sowjetunion. Wien: Picus Verlag 1991, S.87-97;<br />
15. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion in Schulgeschichtsbüchern. In: Schafranek, Hans / Streibel, Robert (Hg.): 22.Juni 1941. Der Überfall auf die Sowjetunion. Wien: Picus Verlag 1991, S. 167-184;<br />
16. &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941: Bericht über das internationale Wiener Symposium zum 50.Jahrestag des deutschen Überfalls. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 42/1991, S. 57-64;<br />
17. Stalingrad &#8211; Gehorsam bis zur letzten Patrone? In: Spurensuche Geschichte. Anregungen für einen kreativen Geschichtsunterricht. Bd.4. Von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Hrsg. v. Peter Knoch. Stuttgart: Klett Schulbuchverlag 1992, S. 110- 113;<br />
18. Stalingrad im deutschen Schulbuch und Unterricht. In: Stalingrad. Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht. Hrsg. v. Wolfram Wette u. Gerd R. Ueberschär. Frankfurt a.M. 1992, 4. Aufl. 2003 : Fischer Taschenbuchverlag, S. 240-246;<br />
19. Zustimmung und Widerstand im Nationalsozialismus. Basisbeitrag. In: Praxis Geschichte 3/1994, S.4-11;<br />
20. Bischof Graf von Galen &#8211; Euthanasiegegner und Kriegsbefürworter. In: Praxis Geschichte 3/1994, S. 18-22;<br />
21. Die thematische Behandlung des Zweiten Weltkriegs im Unterricht. In: Oldenbourg Geschichte für Gymnasien 13. Hrsg. v. Manfred Treml. München: Oldenbourg Verlag 1994, S.38-40;<br />
22. Die Vernichtung des jüdischen Bolschewismus&#8220;. Russlandfeldzug und Judenvernichtung. In: Praxis Geschichte 6/1995, S.28-32;<br />
23. Zur These vom deutschen Präventivkrieg 1941. In: Mitteilungen Nr. 125 (1996), hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, S.8f.;<br />
24. Die Lüge vom deutschen Präventivkrieg 1941. In: Geschichte lernen (Friedrich Verlag in Zusammenarbeit mit Klett). H. 52 (1996): Legenden &#8211; Mythen &#8211; Lügen, S.54-59;<br />
25. Der 22.Juni 1941 und seine Vorgeschichte im Geschichtsunterricht der Bundesrepublik Deutschland. In: Gerd R. Ueberschär / Lev A. Bezymenskij (Hg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese. Darmstadt: Wissenschaftlichen Buchgesellschaft / Primus Verlag 1998, S.70-74;<br />
26. Wehrmacht und Vernichtungskrieg. Basisbeitrag. In: Praxis Geschichte 2/1999, S.4-11;<br />
27. Die 6.Armee und 90 Kinder in Bjelaja Zerkow. Die Wehrmacht vor Stalingrad. In: Praxis Geschichte 2/1999, S.28-31;<br />
28. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8217; 1941 &#8211; Vernichtungskrieg und historisch-politische Bildung. Schwerpunktthema. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 60/2000, S.5-33;<br />
29. 22.Juni 1941 &#8211; Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; als Vernichtungskrieg. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage zu &#8222;bildung und wissenschaft&#8220; der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 4 v. 16.5.2001, S.25-29;<br />
30. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa“ 1941. Wissenschaftliches Online-Forum. In: Arbeitskreis Militärgeschichte e.V. (Hg.): Newsletter Nr. 16 v. Januar 2002, S. 28f.;<br />
31. Stalingrad in deutschen Schulgeschichtsbüchern. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 66/2003, S.56-65 (russisch in: Nina Vashkau (Hg.):Stalingrad; chemu russkie i nemcy nauchilis’ za 60 let, Volgograd 2003, ISBN 5-85534-760-5);<br />
32. Die Nürnberger Dokumente NG 2424 und NG 2260. Zur Rolle von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell beim Judenmord in Ungarn 1944. In: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung. Hrsg. v. Werner Röhr. H. 22 (2004), S. 82-95;<br />
33. Paul Carell alias Paul Karl Schmidt. Kriegs- und Holocaustpropagandist. Wirken und Karriere des Pressechefs im NS-Außenministerium vor und nach 1945. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 67/2004, S. 60-71;<br />
34. Feuersturm Dresden. Fakten und Legenden um die Bombardierung der Großstadt Dresden 1945. In: Praxis Geschichte 4/2004, S.18-23;<br />
35. Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd sprechen“. Paul (Karl) Schmidt-Carells Holocaust PR 1944. In: Praxis Geschichte 4/2004, S.44-47;<br />
36. Paul Carell – ein NS-Propagandist. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage zu „bildung und wissenschaft“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 2 v. 21.3.2005, S. 9-14;<br />
37. Die Kontinuität des Journalisten: Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. In: Auseinandersetzungen mit den Diktaturen. Russische und deutsche Erfahrungen. Hrsg. v. Hans Heinrich Nolte. Gleichen &#8211; Zürich 2005, S. 135-143;<br />
38. Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2005;<br />
39. Der Kriegspropagandist Paul Carell. Vom „Präventivkrieg“ der Wehrmacht zum „Ernstfall“ der Bundeswehr. In: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung. Hrsg. v. Werner Röhr. H. 28 / 2006, S.60-77;<br />
40. Kameraden. Reichstagsbrand: NS-Pressechef schreibt SPIEGEL-Geschichte. In: FREITAG. Die Ost-West-Wochenzeitung. Nr. 4/2007 v. 26.1.2007, S. 18;<br />
41. Der Reichstagsbrand. Neue Untersuchungen zur Täterschaft – weiterhin offene Fragen. In: Praxis Geschichte 1/2008, S. 50;<br />
42. Holocaust und Nachkriegskarriere. Das Fallbeispiel des NS-Pressechefs Paul (Karl) Schmidt alias Paul Carell. In: Ludwig-Marum-Stiftung (Hg.) 1998-2008. Rückblick – Überblick – Dokumentation. Pfinztal 2008, S. 152-155;<br />
43. Reichstagsbrand &#8211; noch Fragen? In: Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft. Heft 2/2010, S. 61-63;<br />
44. Kalkül und Ideologie. Das Hungervorhaben im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941. In: Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Klaus Kremb. Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 2010, S. 18-37;<br />
45. „Einsatznah ausbilden“ mit Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, Pressechef im Nazi-Außenministerium. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter oder Quellengeber offizieller Ausbildungsmaterialien der Bundeswehr. In: Forum Pazifismus. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gewaltfreiheit. 2. Quartal 2010. Nr. 26, S. 13-15;<br />
46. &#8222;Einsatznah ausbilden&#8220; mit NS-Pressechef. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter von Bundeswehr-Ausbildungsmaterial. In: ZivilCourage. Nr. 3 &#8211; August 2010, S. 15.<br />
47. Der Hungerplan im „Unternehmen Barbarossa“ 1941. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2011<br />
48. Vergessener Vernichtungskrieg. Das „Unternehmen Barbarossa“. In: TRIBÜNE – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums. 50. Jg. Heft 198. 2. Quartal 2011, S. 60-64<br />
49. Der BMW-Chef, der bei der Gestapo war.<br />
Heinrich Richter-Brohm amtierte Ende der 50er Jahre als Vorstand des Münchner Autokonzerns. 1933 fiel er in einer anderen Rolle auf. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 113 v. 17. Mai 2011, S. 24. Auch online unter:</p>
<p>http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/automobilhersteller-der-bmw-chef-der-bei-der-gestapo-war-1.1098402</p>
<p>______________________________________________________</p>
<p><strong><em>I. Übersicht der SZ-Artikel von 2007-2011</em></strong><br />
<strong><em>II. SZ-Artikel Nr. 1-12 von 2007-2011 im Einzelnen</em></strong></p>
<p><strong>I. Übersicht der SZ-Artikel Nr. 1-12 von 2007-2011</strong></p>
<p><strong>1. SZ v. 16.4.2007, S. 33: Mysteriöser Reichstagsbrand. Lange Zeit galt Marinus van der Lubbe als Einzeltäter, doch inzwischen wird dies eher für unwahrscheinlich gehalten.</strong> &#8211; Zu dem Buch: Dieter Deiseroth (Hg.): Der Reichstagsbrand und der Prozess vor dem Reichsgericht. Verlagsgesellschaft Tischler. Berlin 2006</p>
<p><strong>2. SZ v. 22.10.2007, S. 8: Zutiefst rückwärtsgewandt. Das seltsame Geschichtsverständnis der „Jungen Freiheit“. </strong>- Zu dem Buch: Stephan Braun / Ute Vogt (Hg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007</p>
<p><strong>3. SZ v. 8.4.2008, S. 19: Alternativen zum Krieg. Ein Plädoyer für den unterschätzten Widerstand.</strong> &#8211; Zu dem Buch: Werkstatt für gewaltfreie Aktion, Baden (Hg.): Gewaltfrei gegen Hitler? Gewaltloser Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute. Verlag Gewaltfrei Leben Lernen. Karlsruhe 2007</p>
<p><strong>4. SZ v. 28.10.2008, S. 10: Mörderische Diplomaten. Das Reichsaußenministerium war aktiv am Holocaust beteiligt.</strong> &#8211; Zu dem Buch: Sebastian Weitkamp: Braune Diplomaten. Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der Endlösung. Verlag J.H.W. Dietz. Bonn 2008</p>
<p><strong>5. SZ v. 2.2.2009, S. 16: Erschlagen und verbrannt. Eine umfassende Darstellung des Holocaust in der UdSSR.</strong> – Zu dem Buch: Ilja Altman: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941-1945. Mit einem Vorwort von Hans-Heinrich Nolte. Muster-Schmidt-Verlag. Gleichen-Zürich 2008</p>
<p><strong>6. SZ v. 2.3.2009, S. 16: Atombombe im Rucksack. Die aberwitzigen nuklearen Pläne der Bundeswehr in den 60er Jahren.</strong> – Zu dem Buch: Detlef Bald: Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt. Das Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Berlin, Aufbau Verlag 2008</p>
<p><strong>7. SZ v. 3.8.2009, S. 16: Militärische Illusionen. Die problematischen Auslandseinsätze der Bundeswehr.</strong> – Zu dem Buch: Eric Chauvistre´: Wir Gutkrieger. Warum die Bundeswehr im Ausland scheitern wird. Frankfurt-New York, Campus Verlag 2009</p>
<p><strong>8. SZ v. 17.8.2009, S. 13: Ein bisschen Folter. Das weltweite Verbot darf nicht relativiert werden.</strong> – Zu dem Buch: Alexander Bahar: Folter im 21. Jahrhundert. Auf dem Weg in ein neues Mittelalter? München, dtv Verlag 2009</p>
<p><strong>9. SZ v. 2.11.2009, S. 16: Weltweiter Egoismus. Das 20. Jahrhundert verstärkt die Hierarchien der Staaten. </strong> – Zu dem Buch: Hans-Heinrich Nolte: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wien/Köln/Weimar , Böhlau Verlag 2009</p>
<p><strong>10. SZ v. 29.3.2010, S. 16: Der Propagandist. Christian Plöger schildert die erstaunliche Karriere des Nazis und Bestsellerautors Paul Carell</strong> &#8211; Zu dem Buch: Christian Plöger: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Marburg, Tectum-Verlag 2009</p>
<p><strong>11. SZ v. 4.4.2011, S. 16: Mord nach Quote. Wie pflichtbewusste Funktionäre im Machbarkeitswahn sich unter Stalin beliebt zu machen suchten.</strong>  – Zu den beiden Büchern: Rolf Binner, Bernd Bonwetsch, Marc Junge (Hrsg.): Massenmord und Lagerhaft. Die andere Geschichte des Großen Terrors. Und: Stalinismus in der sowjetischen Provinz 1937-1938. Akademie Verlag, Berlin 2009 und 2010</p>
<p><strong>12. SZ v. 17.5.2011, S. 24: Der BMW-Chef, der bei der Gestapo war.<br />
Heinrich Richter-Brohm amtierte Ende der 50er Jahre als Vorstand des Münchner Autokonzerns. 1933 fiel er in einer anderen Rolle auf.</strong><br />
Auch online unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/automobilhersteller-der-bmw-chef-der-bei-der-gestapo-war-1.1098402</p>
<p><strong>II. Die SZ-Artikel Nr. 1-11 von 2007-2011 im Einzelnen</strong></p>
<p>1. Süddeutsche Zeitung Nr. 87 vom 16.April 2007, S. 33: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Mysteriöser Reichstagsbrand<br />
Lange Zeit galt Marinus van der Lubbe als Einzeltäter, doch inzwischen wird dies eher für unwahrscheinlich gehalten</p>
<p>Der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 gehört zu den bedeutendsten politischen Kriminalfällen der Zeitgeschichte. Für das NS-Regime bot dieses angebliche Fanal eines kommunistischen Aufstandes einen willkommener Vorwand, Tausende seiner Gegner verhaften zu lassen. Die schon am nächsten Tag in Kraft getretene ,,Verordnung zum Schutz von Volk und Staat&#8220; setzte die Grundrechte außer Kraft und galt bis zum Zusammenbruch Hitler-Deutschlands. Als Täter verurteilte das Leipziger Reichsgericht noch 1933 den holländischen Anarcho-Sozialisten Marinus van der Lubbe zum Tode. Er war am Tatort verhaftet worden und hatte behauptet, mit ein paar einfachen Kohleanzündern und ohne Brandbeschleuniger den Plenarsaal in wenigen Minuten erfolgreich in Flammen gesetzt zu haben. Das Gericht suchte Mittäter und Drahtzieher der Brandstiftung ausschließlich im „kommunistischen Lager“, konnte aber keinerlei Beweise in diese Richtung finden.</p>
<p>In dem von Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht, herausgegebenen Sammelband wird das Urteil des Reichsgerichts erstmals in vollem Wortlaut publiziert. Die Möglichkeit einer Nazi-Täterschaft hatten die Richter von vornherein ausgeschlossen, weil laut Urteilstext „die Männer, denen das deutsche Volk seine Errettung vor dem bolschewistischen Chaos verdankt, einer solchen verbrecherischen Gesinnung, wie sie die Tat verrät, niemals fähig waren“. Deiseroth und der Strafrechtsprofessor Ingo Müller &#8211; schon 1987 durch sein Buch ,,Furchtbare Juristen&#8220; bekannt geworden – weisen in ihren Beiträgen nach, dass das Reichsgericht rechtsstaatliche Standards missachtete.</p>
<p>Der Herausgeber nennt fünf konkrete Beispiele, die auf Täter im NS-Bereich hindeuteten, denen aber nicht näher nachgegangen wurde. Er führt aus, dass bis Ende der 50er Jahre in Wissenschaft und Öffentlichkeit die These von der Nazi-Täterschaft vorherrschte. Dies änderte sich, als der Verfassungsschutzbeamte Fritz Tobias in einer SPIEGEL-Serie 1959/60 die Alleintäterschaft van der Lubbes behauptete und dazu 1962 ein Buch vorlegte. Dabei stützte sich Tobias wesentlich auf Aussagen des 1933 ermittelnden Kriminalkommissars Walter Zirpins. Der Historiker Hans Mommsen erklärte 1964 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte, Tobias habe seine These wissenschaftlich überzeugend nachgewiesen, nachdem er dessen Buch in einer Rezension für die Stuttgarter Zeitung 1962 noch heftig kritisiert hatte.<br />
Die in Deiseroths Band vorgelegten Forschungsergebnisse des Historikers Alexander Bahar und des Publizisten Hersch Fischler erschüttern die These vom Alleintäter van der Lubbe schwer. Dieser verfügte weder über den zeitlichen Rahmen noch die Mittel für eine erfolgreiche Brandlegung. Fischler erörtert zudem die Unterdrückung der Publikation einer ursprünglich vom Institut für Zeitgeschichte in Auftrag gegebenen Untersuchung des Historikers Hans Schneider, der nachweisen konnte, dass Tobias Quellen passgenau für seine Beweisführung manipuliert hat, etwa durch nicht kenntlich gemachte Auslassungen, die seinen Auffassungen widersprachen.<br />
Mommsen hatte seinerzeit per Aktenvermerk dokumentiert, die Veröffentlichung von Schneiders Kritik sei ,,aus allgemeinpolitischen Gründen unerwünscht&#8220;, eine Praxis, von der sich das Institut inzwischen ausdrücklich distanziert hat. Des weiteren weist Fischler nach, dass Tobias&#8217; Kronzeuge Walter Zirpins ein elementares Interesse an der Durchsetzung der Alleintäterthese als historische Wahrheit hatte. So konnte er die eigene Person vor drohenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum ,,Justizmord&#8220; an van der Lubbe schützen.</p>
<p>Bahar analysiert darüber hinaus den Kontext der SPIEGEL-Serie zum Reichstagsbrand. Unter der redaktionellen Verantwortung der ehemaligen SS-Offiziere Horst Mahnke und Georg Wolff bearbeitete der später als Bestsellerautor „Paul Carell“ bekannt gewordene ehemalige Pressechef des NS-Außenministeriums Paul Karl Schmidt nicht nur das Serien-Manuskript von Fritz Tobias, sondern nahm in einem eigenen SPIEGEL-Artikel schon am 16. Januar 1957 wesentliche Argumente von Tobias für die Behauptung vom Alleintäter van der Lubbe vorweg, indem er z.B. die Person des Ermittlers Walter Zirpins als besonders glaubwürdig herausstellte und die angeblich fast schon übertriebene Rechtstaatlichkeit des Reichstagsbrandprozesse im Unterschied zum behaupteten Unrechtscharakter der Nürnberger Prozesse nach 1945 betonte.</p>
<p>Bahar legt eine Reihe von Indizien vor, nach denen der Reichstagsbrand bereits einige Zeit vor dem 27. Februar 1933 auf Initiative Goebbels’ geplant worden sei. Van der Lubbe gelangte nach dieser Darstellung am Tatabend in einen bereits von SA-Leuten mit selbstentzündlichen Flüssigkeiten präparierten Plenarsaal.</p>
<p>Ein wichtiges und konstruktives Korrektiv des Bandes ist der Beitrag des langjährigen Historikers am Institut für Zeitgeschichte, Hermann Graml. Er hat sowohl an der These von der Alleintäterschaft van der Lubbes als auch an der Auffassung, die Nazis seien die Täter gewesen, erhebliche Zweifel; im letzteren Fall begründet er das mit konträren Eintragungen in Goebbels’ Tagebüchern. Bahar und Fischler attestiert er aber ausdrücklich, die Forschungen zum Reichstagsbrand durch gründliche Untersuchungen erst seit Anfang der 90er Jahre zugänglicher originaler Akten von Reichsgericht und Politischer Polizei versachlicht und vorangebracht zu haben. Nach Graml stellt die auf diesen Dokumenten basierende Indizienkette keinen endgültigen Beweis für die NS-Täterschaft dar, ,,auch wenn konstatiert werden kann, dass alte Verdachtsmomente, die auf NS-Täterschaft spekulieren ließen, aufgefrischt und außerdem zusätzliche Verdachtsmomente entdeckt wurden&#8220;. WIGBERT BENZ</p>
<p>DIETER DEISEROTH (Hrsg.): Der Reichstagsbrand und der Prozess vor dem Reichsgericht. Verlagsgesellschaft Tischler, Berlin 2006. 380 Seiten, 24,00 Euro<br />
_____________________________________</p>
<p>2. Süddeutsche Zeitung Nr. 243 vom 22.Oktober 2007, S. 8: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Zutiefst rückwärtsgewandt<br />
Das seltsame Geschichtsverständnis der „Jungen Freiheit“</p>
<p>Im Internet präsentiert sich die Junge Freiheit (JF) als Wochenzeitung, welche „die große kulturelle und geistige Tradition der deutschen Nation in Ehren hält”. Ihre Beiträge werden gerne von rechtsextremistischen Blättern wie Nationalzeitung oder Nation und Europa zitiert. Jahrelang war das Blatt in Verfassungsschutzberichten als tendenziell rechtsextremistisch geführt worden. Dagegen klagte die Junge Freiheit, und 2005 errichtete das Bundesverfassungsgericht im Interesse der Pressefreiheit höhere Hürden vor einer Veröffentlichung in den Berichten. „Bloße Kritik an Verfassungswerten” reiche dazu nicht aus. In der Tat gilt die Pressefreiheit eben auch für potentielle Feinde der Freiheit.<br />
Die baden-württembergische SPD- Landesvorsitzende Ute Vogt und ihr Landtagskollege Stephan Braun legen einen Sammelband vor, der die Diskussion über dieses Thema mit Fakten und Analysen zu Programmatik, Inhalten und Autoren der Zeitung befördern will. Die Herausgeber und 15 weitere Autoren analysieren die Positionierung des Blatts im Grenzraum der Verfassung und beleuchten dessen Akteure, Kunden und Kampagnen, bevor sie im Schlussabschnitt Vorschläge für den öffentlichen Diskurs sowie die außerschulische und schulische Bildungsarbeit unterbreiten.</p>
<p>Erfreulicherweise sind die Beiträge durchweg sehr sachlich gehalten. Nüchtern wird die Frage gestellt, ob denn die Junge Freiheit, auch wenn sie sich in 30 Jahren vom alle zwei Monate erscheinenden Acht-Seiten-Blatt zur Berliner Wochenzeitung mit „demokratischem Outfit” und – nach eigenen Angaben – einer Druckauflage von 25 000 Exemplaren entwickelt hat, über eine entsprechende Reichweite bei den Lesern verfügt. Doch nicht zuletzt ihre Vernetzung mit einer Vielzahl rechtsextremer Blätter, ihre durchaus erfolgreichen Internetkampagnen und ihr Erfolg bei der Gewinnung prominenter Interviewpartner verschaffen ihr eine beachtliche Akzeptanz.</p>
<p>Durch eine Fülle von Belegen wird nachgewiesen, dass die Junge Freiheit das wichtigste Publikationsorgan der neuen Rechten darstellt, deren Vertreter in der Tradition der sogenannten konservativen Revolution stehen, die als starke antidemokratische Bewegung die Weimarer Republik untergrub und dem Erstarken des Nationalsozialismus Vorschub leistete. Als überragender geistiger Vordenker, der geradezu heroisch überhöht wird, gilt der Zeitung der „Kronjurist” der Nationalsozialisten, Carl Schmitt, der den autoritären Staat mit klarem Feindbild forderte und die im Grundgesetz geschützten Menschenrechte als „unveräußerliche Eselsrechte” verspottete.</p>
<p>Zahlreiche Artikel der Jungen Freiheit vermitteln ein zutiefst rückwärtsgewandtes Geschichtsverständnis, das eine offene Flanke zum Geschichtsrevisionismus aufweist. (&#8230;; der Satz wurde wegen irrtümlicher Namenszuordnung ausgelassen, W.B.) Am Pranger stehen für den Chefredakteur und viele Autoren der JF die „68er”, deren linke Vertreter die Parteien und Redaktionsstuben beherrschten. Die Gedankenpolizei der Political Correctness belege Begriffe wie Nation, Nationalstolz, Patriotismus ebenso wie Elite oder Ausländerkriminalität gegen Deutsche mit Verboten und stelle sie unter Faschismusverdacht. Nun gelte es, diese Werte von den herrschenden Denkverboten zu befreien und so das ideelle Fundament einer selbstbewussten Nation zu schaffen. Nur so könnten die weltpolitischen Herausforderungen der deutschen Nation gemeistert werden, einer Nation, die, so JF-Chefredakteur Dieter Stein, „geopolitisch schon Kraft seiner Existenz Hegemonie ausübt”. Widerpart seien die USA, und diesen könnte nicht die bestehende EU, sondern ein Europa der Nationalstaaten mit Deutschland als Kernstaat Paroli bieten. Es ist das Verdienst dieses Sammelbandes, dass er Selbstverständnis und inhaltliche Programmatik der Jungen Freiheit nicht nur offenlegt, sondern mit Hunderten stichhaltiger Nachweise zudem gut – teilweise sogar spannend – lesbar der öffentlichen Diskussion zugänglich macht. WIGBERT BENZ</p>
<p>STEPHAN BRAUN/UTE VOGT (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit”. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007. 362 Seiten, 39,90 Euro</p>
<p>________________________________</p>
<p>3. Süddeutsche Zeitung Nr. 82 vom 8.4.2008, S. 19: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Alternativen zum Krieg<br />
Ein Plädoyer für den unterschätzten zivilen Widerstand</p>
<p>Bis heute wird die Terrorherrschaft des NS-Staates und der militärische Sieg über diesen zur moralischen Rechtfertigung von Kriegen instrumentalisiert. Die Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak werden entsprechend als waffengestützte humanitäre Befreiungsaktionen gewertet. Abgesehen davon, dass durch solche Gleichsetzungen der Holocaust verharmlost wird, gerät die Fragwürdigkeit von Kriegen zum Herbeibomben von Demokratie und Menschenrechten aus dem Blick. Und völlig außen vor bleibt die Frage, ob der militärische Widerstand gegen Hitler tatsächlich alternativlos gewesen ist.</p>
<p>An solchen Grundüberzeugungen rütteln die in diesem Sammelband vorliegenden Beiträge. Zunächst beschreibt aus der Sicht eines betroffenen Juden György Konrad, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 1991, am Beispiel der Judenverfolgungen in Ungarn 1944, dass Mitgefühl und Zivilcourage oft die effektivste Hilfe für die Betroffenen darstellten.</p>
<p>Im Anschluss an Gandhis 1940 publizierten Aufsatz &#8222;How to combat Hitlerism?&#8220; erörtert der Politikwissenschaftler Theodor Ebert anhand der theologisch-politischen Auseinandersetzung von Bonhoeffer mit Gandhi die ungenügende Rezeption gewaltfreier Handlungsoptionen beim Widerstand gegen Hitler. Dabei wird klar, dass Gandhis Aussage &#8222;Der Hitlerismus wird niemals besiegt werden durch einen ihn übertrumpfenden Gegenhitlerismus&#8220; angesichts der 55 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges und der nachfolgenden Perpetuierung militärischer Gewaltmuster nicht zum Belächeln taugt, sondern ernsthaftes Nachdenken abverlangt.</p>
<p>Andreas Buro, wie Ebert Politikprofessor, und Arno Klönne, Hochschullehrer für Sozialwissenschaften, arbeiten dezidiert heraus, dass die Kriegsziele der Alliierten mehr an der Durchsetzung machtpolitischer und ökonomischer Interessen denn an menschenrechtlichen Erwägungen orientiert waren. Zivile Konfliktlösungsmuster wurden kaum und eine pazifistische Politik zur Verhinderung oder Eindämmung des Faschismus gar nicht entwickelt.</p>
<p>Dass es im Wesentlichen spontan, vereinzelt und insgesamt unkoordiniert zivilen Widerstand gegen das NS-Regime und seine genozidale Politik gab, zeigen die Beiträge von Christoph Besemer, Dietmar Böhm, Thomas Seiterich und Renate Wanie. Dieser zivile Widerstand gegen die NS-Gewaltherrschaft war sogar sehr erfolgreich. Die Autoren beleuchten folgende Beispiele:<br />
Die norwegische Bevölkerung wehrte sich gegen die Gleichschaltung durch die Besatzer, indem sich 90 Prozent der 14 000 Lehrer weigerten, der Pflicht zum Beitritt in den NS-Lehrerverband nachzukommen. Auch die Inhaftierung von 1000 Lehrern konnte den Widerstand nicht brechen, und das NS-Marionettenregime in Norwegen musste nachgeben.</p>
<p>Die Solidarität der dänischen Bevölkerung rettete ihren 7000 jüdischen Mitbürgern das Leben. Praktisch sah dies so aus, dass die Deportationsbefehle durch Verstecken von Juden und Evakuierung auf Fischerbooten nach Schweden undurchführbar wurden.<br />
Ähnliches gilt für die Rettung bulgarischer Juden durch das entschlossene gewaltfreie Handeln der überwiegenden Mehrheit der bulgarischen Bevölkerung. Dabei wurde der Protest gegen das Tragen des gelben Sterns 1942 massenhaft öffentlich artikuliert.</p>
<p>Und mitten im Herzen des NS-Staates, in der Berliner Rosenstraße, demonstrierten im März 1943 Frauen gegen die Inhaftierung ihrer in &#8222;Mischehe&#8220; mit ihnen lebenden jüdischen Männer und erreichten deren Freilassung.<br />
Diese und andere Fakten bestätigen die These der Philosophin Hannah Arendt, die schon 1964 in ihrer Studie über Adolf Eichmann feststellte: &#8222;Gerade bei den Leuten in Gestapo und SS paarte sich Rücksichtslosigkeit keineswegs mit Härte; auch die Rücksichtslosesten unter ihnen zeigten eine erstaunliche Neigung, umzufallen, sobald sie mit entschlossenem Widerstand konfrontiert waren.&#8220; Unter &#8222;entschlossenem Widerstand&#8220; verstand Hannah Arendt zivilen, gewaltfreien und offenen Widerstand.</p>
<p>Das Dogma von der Aussichtslosigkeit gewaltfreien Widerstandes, so weisen die Beiträge eindrucksvoll nach, ist ein in Unkenntnis historischer Sachverhalte begründetes Fehlurteil. Tatsächlich wurden auf diese Weise viele tausend Menschenleben gerettet, zum anderen Potentiale am Leben erhalten, die helfen können, die waffenstarrende Welt dem friedlichen statt einer immer wieder militärischen Austragung von Konflikten näher zu bringen. WIGBERT BENZ</p>
<p>WERKSTATT FÜR GEWALTFREIE AKTION, BADEN (Hrsg.): Gewaltfrei gegen Hitler? Gewaltloser Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute. Gewaltfrei Leben Lernen, Karlsruhe 2007. 117 S., 9 Euro.</p>
<p>___________________________________</p>
<p>4. Süddeutsche Zeitung Nr.251 vom 28. Oktober 2008 , Seite 10: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Mörderische Diplomaten<br />
Das Auswärtige Amt war aktiv am Holocaust beteiligt</p>
<p>“Nach meiner Auffassung wird sich schwerlich ein lebender Mensch finden lassen, der so viele Menschen vor einem entsetzlichen Schicksal bewahrt hat, wie ich es getan habe oder es zumindest versucht habe&#8220;, schrieb Horst Wagner am 22. Oktober 1953 an den Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers. Der Diplomat und SS-Standartenführer Wagner war Verbindungsmann von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop zum Reichsführer SS, Heinrich Himmler. Er befürchtete, in ein Land abgeschoben zu werden, aus dem er die Deportationen der Juden unterstützt hatte. Ein Gerichtsverfahren in Osteuropa hätte wohl eine lange Haftstrafe oder ein Todesurteil bedeutet.</p>
<p>Christopher Browning hat in seiner Studie &#8222;The Final Solution and the German Foreign Office&#8220; 1978 den Anteil des Auswärtigen Amtes (AA) und insbesondere dessen Deutschland-Abteilung unter Leitung des Unterstaatssekretärs Martin Luther an der &#8222;Endlösung&#8220; untersucht und ein reibungsloses Zusammenwirken mit der SS festgestellt. Im Fokus der quellenfundierten und gut lesbaren Dissertation Sebastian Weitkamps steht nun die Nachfolgeinstitution der Deutschland-Abteilung. Die Gruppe Inland II unter Führung Wagners sowie seines Stellvertreters und Judenreferenten des AA, Eberhard von Thadden, übernahm nach der fehlgeschlagenen Intrige Luthers gegen Ribbentrop im Frühjahr 1943 die &#8222;Verbindung zum Reichsführer SS&#8220; sowie die Behandlung der &#8222;Judenfragen&#8220;. Dazu gehörte die &#8222;Gesamtabschirmung der deutschen Judenmaßnahmen gegenüber Einsprüchen und Interventionen ausländischer Staaten&#8220;.</p>
<p>Fälle einer milden Behandlung einzelner Juden gab es nur, um von der geplanten &#8222;Endlösung&#8220; abzulenken. Rettungsbemühungen ausländischer Regierungen wurden meist als feindliche Gräuelpropaganda denunziert. Als der Schweizer Gesandte Peter Anton Feldscher im Auftrag der britischen Regierung im Mai 1943 die Ausreise von 5000 Juden, vorwiegend Kindern, nach Palästina erbat, interessierte Wagner und Thadden nicht deren Schicksal, sondern die propagandistische Zurückweisung der Forderung. 1944 organisierte die Abteilung Inland II im AA die Deportation Hunderttausender Juden aus Ungarn. Wagner und Himmler besprachen bei mindestens 16 Treffen dieses Thema. Thadden fuhr im Mai 1944 nach Budapest, um sich mit dem Judenreferenten des Reichssicherheitshauptamtes, Adolf Eichmann, zu verständigen.</p>
<p>Thadden war ein Jurist, der im Februar 1933 in die NSDAP eingetreten war und in seiner Dissertation die &#8222;Judenfrage&#8220; aufgegriffen hatte. Sein Vorgesetzter Horst Wagner agierte ohne abgeschlossenes Studium auf der Basis der Protektion Ribbentrops als Karrierist &#8211; zwei unterschiedliche Tätertypen, die als Funktionäre der &#8222;Endlösung&#8220; höchst effektiv zusammenfanden. Wagner war der Initiator der Krummhübler Tagung im April 1944, die der Kooperation von AA und SS bei der propagandistischen Absicherung der Judenmorde galt. Zwei Wochen nach der Besetzung Ungarns am 19. März referierte Thadden über &#8222;den Stand der antijüdischen Exekutiv-Maßnahmen&#8220; und Franz Alfred Six, vormals Amtschef im Reichssicherheitshauptamt und jetzt Leiter der kulturpolitischen Abteilung des AA, sprach direkt von der &#8222;physischen Beseitigung des Ostjudentums&#8220;.</p>
<p>Alle Ermittlungsverfahren gegen Thadden und Wagner verliefen nach dem Krieg im Sande. Traten beide noch im Nürnberger &#8222;Wilhelmstraßen-Prozess&#8220; als Zeugen der Anklage auf, so drohte ihnen bald aufgrund der erdrückenden Aktenlage selbst eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord. Wagner flüchtete nach Südamerika. Nach seiner Rückkehr behauptete er, er habe niemandem geschadet, sondern viele Menschenleben gerettet. Als der Prozess wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 300 000 Menschen in Essen 1972 endlich eröffnet wurde, hielt Wagner das Gericht weitere fünf Jahre hin, bis er 1977 starb. Thadden, der nach dem Krieg als Geschäftsmann reüssierte, wurde 1964 durch einen tödlichen Autounfall aus seiner geglückten Nachkriegskarriere gerissen. Er habe zwar von den Deportationen<br />
gewusst, hatte er gegenüber den Ermittlern eingeräumt, diese aber als kriegswichtige Maßnahme, als Internierung potentieller Feinde, angesehen. Keinesfalls habe er Kenntnis von einer systematischen physischen Vernichtung der Juden gehabt. WIGBERT BENZ</p>
<p>SEBASTIAN WEITKAMP: Braune Diplomaten. Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der Endlösung. Verlag J.H.W. Dietz, Bonn 2008. 491 Seiten, 48 Euro.<br />
____________________________________</p>
<p>5. Süddeutsche Zeitung Nr.26 vom 2. Februar 2009 , Seite 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Erschlagen und verbrannt<br />
Eine umfassende Darstellung des Holocaust in der UdSSR</p>
<p>Mehr als zwanzig Millionen Sowjetbürger starben während des deutschen Russlandfeldzuges 1941-1945; die Hälfte waren Zivilisten und Kriegsgefangene. &#8222;Zig Millionen Menschen werden verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird&#8220;, wurde am 2. Mai 1941, sechs Wochen vor dem Überfall, in der Aktennotiz einer Besprechung der Staatssekretäre der kriegswichtigen Ressorts mit Wehrwirtschaftsgeneral Georg Thomas festgehalten. Ökonomisches Kalkül zur Eroberung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen sowie ideologische Ressentiments gegen den &#8222;jüdischen Bolschewismus&#8220; und die laut NS-Propaganda &#8222;slawischen Untermenschen&#8220; im Osten führten zu einem monströsen Vernichtungskrieg. Dass nicht noch mehr verhungerten, lag am Scheitern des Feldzuges. In die Tat umgesetzt aber wurde der Holocaust auf dem Gebiet der UdSSR, bildeten die Juden doch die verhasste, angeblich biologische Grundlage der bolschewistischen Herrschaft. Von den 2,9 Millionen den Besatzern in die Hände gefallenen sowjetischen Juden überlebten nur etwa 100 000.</p>
<p>Der russische Historiker Ilja Altman, Vizepräsident des Moskauer Holocaust-Zentrums für Forschung und Bildung, legt eine auf beeindruckende Materialdichte gründende und auf eine umfassende Auswertung russischer Archive gestützte Gesamtdarstellung des Judenmords in der ehemaligen UdSSR vor. Dabei belegt er nicht nur, dass die sowjetischen Juden die ersten Opfer der Massenvernichtung in Europa waren, sondern diese Praxis des Völkermords dann auf andere Länder und weitere Menschen ausgeweitet wurde. Außer den Juden teilten auch Millionen &#8222;minderwertige Slawen&#8220; ihr Schicksal.</p>
<p>6000 von den Besatzern geförderte antisemitische Propagandaschriften konnte Altman ermitteln, mehr als 800 Ghettos zählte er auf dem besetzten Gebiet. Nach der Ausgrenzung steht die physische Vernichtung der Juden im Fokus seiner Untersuchung. Die Ermordung von 2,8 Millionen jüdischen Menschen erfolgte nicht in &#8222;Vernichtungs-KZs&#8220; wie Auschwitz, Majdanek, Sobibor oder Treblinka, sondern durch Massenerschießungen und eher atavistische Methoden wie Erschlagen und Verbrennen oder aktiv herbeigeführten Hungertod. Altman legt eine präzise Opferstatistik vor. Die Hälfte der auf sowjetischem Gebiet ermordeten Juden starb in der Ukraine, 800 000 verloren in Weißrussland ihr Leben. Jeder vierte Einwohner wurde dort von den Besatzern getötet, jeder dritte Ermordete war ein Jude.</p>
<p>Die Unterstützung der Besatzer durch einheimische Kollaborateure war insbesondere in der Ukraine und den baltischen Ländern erheblich. Den jüdischen Widerstand kann Altman deutlich stärker zeigen als bisher üblich. In den Archiven fand er zahlreiche Belege für &#8211; zuweilen sogar gelungene &#8211; Versuche, den Henkern ihre Waffen zu entreißen, sich mit Messer, Axt oder Schaufel, ja sogar den bloßen Händen zu wehren. Die Teilnahme an der Partisanenbewegung war bedeutend und oft die einzige Überlebenschance für Juden.</p>
<p>Die &#8211; vielleicht einzige &#8211; Schwäche des Buches ist das Ausklammern der erschossenen jüdischen Kriegsgefangenen in der detaillierten Opferstatistik. Damit nähert sich Altman, sicher ungewollt, der Tabuisierung dieses Themas in der sowjetischen Historiographie und Publizistik. Erhellend hingegen seine Erörterung des Umgangs der sowjetischen Politik und Gesellschaft mit dem Holocaust. Im Krieg vermied die sowjetische Führung Aufrufe zur Rettung der Juden und gab keine konkreten Informationen über den Judenmord. Dieser wurde unter getöteten &#8222;friedlichen Sowjetbürgern&#8220; subsummiert und nicht eigens thematisiert.</p>
<p>Nach dem Krieg kam es zu einem regelrechten Verbot des öffentlichen Erinnerns an den Holocaust. Die Publikation eines &#8222;Schwarzbuches&#8220; zu den jüdischen Opfern wurde verhindert. Viele Todes- und Gulag-Urteile, die 1949 bis 1952 im Prozess gegen das jüdische antifaschistische Komitee der UdSSR gefällt wurden, erwähnen die Beteiligung am Projekt &#8222;Schwarzbuch&#8220; und qualifizieren diese als Beispiel für verachtenswerten &#8222;bürgerlichen Nationalismus&#8220;. Denkmälern wurde die Genehmigung verweigert und die Erörterung des Genozids an den Juden in Publizistik und Wissenschaft unterbunden. Zu groß war die Sorge Stalins und seiner Epigonen, der Mythos des &#8222;Großen Vaterländischen Krieges&#8220; könne durch ein gesondertes Gedenken an die am stärksten der Vernichtung ausgelieferte Menschengruppe an gesellschaftlicher Integrationskraft und damit herrschaftsstabilisierender Wirkung verlieren. WIGBERT BENZ</p>
<p>ILJA ALTMAN: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941-1945. Mit einem Vorwort von Hans-Heinrich Nolte. Muster-Schmidt Verlag, Gleichen/Zürich 2008. 588 Seiten, 58 Euro.<br />
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<p>6. Süddeutsche Zeitung Nr.50 vom 2. März 2009 , Seite 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Atombombe im Rucksack<br />
Die aberwitzigen nuklearen Pläne der Bundeswehr in den 60er Jahren</p>
<p>Atomwaffen seien lediglich die Weiterentwicklung der Artillerie. Diese verharmlosende Charakterisierung durch Konrad Adenauer ist bekannt. Und auch die scheinbare Sensationsmeldung des Nachrichtenmagazins Focus, der Historiker Detlef Bald habe herausgefunden, dass in der Bundesrepublik &#8222;ab Mitte der 60er Jahre Atombomben lagerten&#8220;, ist so neu nicht. Bei Bundeswehrsoldaten galt damals ein Atomminengürtel an der &#8222;Zonengrenze&#8220; als offenes Geheimnis. Die Pläne des ersten Generalinspekteurs der Bundeswehr, Heinz Trettner, der 1964 auf einer Nato-Tagung in Paris einen Sperrgürtel von &#8222;Atomic Demolition Munition&#8220; (ADM) in &#8222;geringer Entfernung von der Zonengrenze&#8220; gefordert hat, seien allerdings nach Protesten der betroffenen Bundesländer vom Tisch gewesen, so Der Spiegel noch 20 Jahre später, am 27. August 1984.</p>
<p>Das Neue und Spannende an Balds Studie ist nun der Nachweis, dass der Minengürtel keinesfalls nur ein Phänomen des Jahres 1964 war. Bald belegt dies durch Zeitzeugenbefragungen und erstmals einsehbare, aber nur teilweise zitierbare Akten im &#8222;Bundesarchiv-Militärarchiv&#8220;. Der Einsatz von ADM-Waffen war Kernbestandteil der Bundeswehr-Planungen bis in die 70er Jahre. Dabei ging es nicht in erster Linie um den medienwirksamen &#8222;Minengürtel&#8220;. ADM-Waffen sollten mit kleinen Fahrzeugen, Hubschraubern oder Personen zum Einsatzort transportiert werden. Sie entsprachen der erwünschten multifunktionalen Mobilität, kaum 40 Kilogramm schwer, konnten sie sogar von einem Soldaten im Rucksack transportiert werden.</p>
<p>Am Kartentisch von Hitler</p>
<p>Unter den christdemokratischen Kanzlern Adenauer, Erhard und Kiesinger hatte die Bundeswehr das Recht, im Ernstfall taktische Atomwaffen direkt beim europäischen Nato-Hauptquartier anzufordern und einzusetzen. Zudem war eine entsprechende Dislozierung atomarer Landminen an der &#8222;Zonengrenze&#8220; bereits erfolgt. Dies war die Situation, die Helmut Schmidt beim Amtsantritt als Verteidigungsminister 1969 vorfand. Noch am 18. September 1968 hatten US-Präsident Johnson und Kiesinger ein entsprechendes Geheimabkommen unterschrieben. Der US-Präsident war befugt, an den Befehlshaber des Nato-Hauptquartiers die Kompetenz abzutreten, taktische Atomwaffen einzusetzen. Deutsche Korpskommandeure konnten die Freigabe der Atomwaffen anfordern, ohne dass die deutsche Regierung informiert werden musste. Die Initiative zu dieser Atomoption ging von ehemaligen Wehrmachtsgenerälen wie Hans Speidel, Heinz Trettner und Adolf Heusinger aus. Letzterer hatte schon den Ostfeldzug Hitlers als Chef der Operationsabteilung im Oberkommando des Heeres mit geplant. Eine niedere Schwelle zum Ersteinsatz taktischer Atomwaffen unter Inkaufnahme von Millionen Opfern auf deutschem Territorium sollte die Sowjetunion von einem Krieg abhalten. Helmut Schmidt brachte dieses Denken bei der Befragung durch den Autor auf die Formel, die Generale der Bundeswehr &#8222;standen am Kartentisch von Adolf Nazi, dem Führer&#8220;.</p>
<p>Als Verteidigungsminister verwarf Schmidt, unterstützt von Generalinspekteur Ulrich de Maizière, das Konzept der Bundeswehr, die politische Beratung auf die Zeit vor der Krise zu beschränken. Schmidt veranlasste eine Reform mit obligatorischem Universitätsstudium für Offiziere und versetzte eine Reihe von Generalen in den Ruhestand. In Kooperation mit US-Verteidigungsminister Melvin Laird erreichte er die Beseitigung der atomaren Landminen und sorgte in den Nato-Gremien dafür, dass kein Einsatz atomarer Waffen ohne Zustimmung der Regierungen erfolgen konnte.</p>
<p>&#8222;Jeder atomare Krieg&#8220;, betont Schmidt in seinem Vorwort, &#8222;hätte große Teile des deutschen Volkes ausgelöscht.&#8220; Am 23. Oktober 1973 wurden in den &#8222;Deutschen Einsatzbeschränkungen für ADM&#8220; die &#8222;Four German No&#8220;s&#8220; für die Nato verbindlich eingeführt und in einem vertraulichen Briefwechsel von Bundeskanzler Brandt mit US-Präsident Nixon im April 1974 bestätigt. Die Punkte waren: 1. Kein Atomminen-Gürtel an der Grenze; 2. Keine Vorab-Delegation der politischen Entscheidungsgewalt zum Atomwaffeneinsatz an eine militärische Kommandobehörde; 3. Keine militärischen Planungen ohne Schutz der Zivilbevölkerung; 4. Keine Vorbereitung von Sprengkammern oder -schächten in Friedenszeiten. Wie wichtig diese Festlegungen waren, zeigt, dass noch 1970 bei einer neuen Rheinbrücke in Düsseldorf, der &#8222;Kniebrücke&#8220;, Kammern für nukleare Sprengladungen angebracht werden sollten. In Düsseldorf entstand dann, so de Maizière, &#8222;die erste Rheinbrücke ohne Sprengkammern&#8220;. WIGBERT BENZ</p>
<p>DETLEF BALD: Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt. Das Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Berlin, Aufbau Verlag 2008. 288 Seiten, 22,95 Euro.<br />
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<p>7. Süddeutsche Zeitung Nr.176 vom 3. August 2009 , Seite 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Militärische Illusionen<br />
Die problematischen Auslandseinsätze der Bundeswehr</p>
<p>Noch Anfang der 90er Jahre war klar: Deutsche Soldaten gehören in die Kasernen und dienen der Landesverteidigung. 1992 wurden erstmals ein paar Sanitäter nach Kambodscha entsandt. Es folgte eine kleine Truppe in Somalia. Die Einsätze waren ohne großes Risiko. Präsentiert wurde die Bundeswehr als Truppe leicht bewaffneter Rotkreuzhelfer in Uniform. Heute agieren etwa 7300 Bundeswehrsoldaten auf drei Kontinenten, davon 2140 im Kosovo und 4150 in Afghanistan. Künftig sind noch stärkere Beteiligungen an Interventionen in allen Teilen der Welt geplant. Im &#8222;Weißbuch&#8220; des Verteidigungsministeriums alarmiert ein eindrucksvoller Bedrohungskatalog: Pandemien, Seuchen, Waffenhandel, Migration, Globalisierung, zerfallende Staaten, Proliferation, Terrorismus, Energieversorgung, Ressourcenverknappung &#8211; alles bedroht die Sicherheit und kann Auslandseinsätze erforderlich machen.</p>
<p>Der Autor, ein zum Thema Nuklearrüstung und militärische Interventionen promovierter Politologe, der heute als freier Journalist arbeitet, problematisiert nicht nur die Fragwürdigkeit moralisch aufgeladener Rechtfertigungen für Auslandseinsätze und einen überzogenen Sicherheitsbegriff. Er analysiert die Illusionen, ja auch Unehrlichkeiten, welche die deutsche Militärpolitik inzwischen prägen, und plädiert für eine öffentliche Debatte. Er macht es weder Befürwortern noch Gegnern von Militäreinsätzen leicht. Während er bei den Politikern die überzogene Erwartung kritisiert, eine Art weltweite Kontrollfähigkeit durch den Einsatz militärischer Macht erlangen zu können, unterliegen seiner Ansicht nach auch Gegner der Militäreinsätze dieser Machbarkeitsillusion. Indem sie bei jedem Einsatz vor imperialen Ansprüchen einer vermeintlichen Großmacht Deutschland warnen, tragen sie ebenso zu einer maßlosen Überschätzung der Bundeswehr bei und verkennen, dass selbst die Militärmacht USA eine neue Politik zur Schadensbegrenzung ihrer wenig erfolgreichen Interventionen in Betracht zieht.</p>
<p>Illusionen und Unehrlichkeiten untersucht Chauvistré vor allem an den beiden größten Militärmissionen der Bundeswehr, im Kosovo und in Afghanistan. Beim ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr im Kosovokrieg wurde das erklärte Ziel, die ethnischen Säuberungen zu beenden, notfalls die Beachtung von Menschenrechten herbeizubomben und dann mit massiver Militärpräsenz eine demokratische, multiethnische Gesellschaft zu erzwingen, verfehlt. Die Bundeswehr und ihre Verbündeten konnten nicht verhindern, dass viele tausend Serben und Roma vertrieben wurden. Das friedliche Zusammenleben von Albanern und Serben scheint vorläufig nicht realisierbar. Mit der Dämonisierung des Gegners &#8211; der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer nannte den jugoslawischen Ministerpräsidenten Milosevic einen neuen Hitler und verglich die Verbrechen im Kosovo mit Auschwitz &#8211; wurde 1999 ein Krieg als moralisch gut erklärt, der in eine nun zehn Jahre andauernde Militärpräsenz mündete, ohne dass ein Erreichen der Ziele in Sicht wäre.</p>
<p>Noch weitaus problematischer ist der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Sie beteiligt sich dort seit Anfang 2002 an der vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen International Security Assistance Force (Isaf). Ihr ursprünglich bescheidener Auftrag sah vor, Gebäude und Personal der UN, internationaler Hilfsorganisationen und der afghanischen Regierung in Kabul zu schützen. Dieser Einsatz wurde inzwischen viele Male verlängert, personell verdreifacht, räumlich ausgedehnt und der ursprüngliche Auftrag uminterpretiert. Nun gilt es, der afghanischen Regierung die Kontrolle über das ganze Land zu erkämpfen.</p>
<p>Chauvistré recherchierte, wie dieser Einsatz in der Praxis aussieht: Die Bundeswehr schützt vor allem sich selbst, die Hälfte der Soldaten verlässt bei ihrem viermonatigen Aufenthalt das Lager nicht. Trainiert wird, wie man selbstgebaute Sprengkörper erkennt. Schafft es eine Handvoll Soldaten, heil von einem Lager zum anderen zu kommen, ist das ein Erfolg. Kontakt zur afghanischen Bevölkerung besteht kaum, humanitäre Hilfeleistungen sind entsprechend selten. Dass der Isaf-Einsatz organisatorisch und logistisch vielfach mit dem &#8222;Operation Enduring Freedom&#8220; (OEF) genannten Kriegseinsatz verwoben ist, thematisiert die Regierung ungern. Mit den menschlichen Kollateralschäden des Krieges, Tausenden getöteten afghanischen Zivilisten und drei Millionen Flüchtlingen, will die Bundeswehr nichts zu tun haben.</p>
<p>&#8222;Ohne die Bundeswehr im Ausland wird die Welt nicht zwangsläufig besser&#8220;, resümiert Chauvistré, &#8222;aber mit ihr eben auch nicht.&#8220; WIGBERT BENZ</p>
<p>ERIC CHAUVISTRÉ: Wir Gutkrieger. Warum die Bundeswehr im Ausland scheitern wird. Frankfurt/New York, Campus Verlag 2009. 188 S., 17,90 Euro.</p>
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<p>8. Süddeutsche Zeitung Nr.187 vom 17. August 2009 , Seite 13: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Ein bisschen Folter<br />
Das weltweite Verbot darf nicht relativiert werden</p>
<p>Die Folterkeller der Diktaturen blendet der Heilbronner Historiker Alexander Bahar aus. Seine Darstellung fokussiert die Degeneration der ältesten Demokratie zum Folterstaat. Sie beschreibt, wie die USA unter Bush, Cheney und Rumsfeld die Folterpraktiken in Bagram, Abu Ghraib, Guantanamo und vielen anderen global verteilten Geheimgefängnissen der CIA auslösten. Bilder von misshandelten Gefangenen, die weltweit Entsetzen auslösten und Verbrechen, für die bislang nur sieben Soldaten niederer Ränge bis maximal zum Oberfeldwebel verurteilt wurden, prägten die öffentliche Wahrnehmung der Bush-Regierung. Dessen Nachfolger Barack Obama tut sich schwer mit der Aufarbeitung der Verbrechen. Er will Guantanamo schließen, aber die rechtlich fragwürdigen Militärtribunale beibehalten. Er will aufklären, aber die Publikation von Folterfotos verhindern und den politisch und juristisch Verantwortlichen Straffreiheit zusichern.</p>
<p>In einer einführenden komprimierten kurzen Geschichte der Folter legt Bahar dar, dass deren Abschaffung eine Errungenschaft der Aufklärung war. Rückschläge und vor allem die verheerenden Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur rückten die Forderungen nach einem wirksamen Schutz der Menschenrechte wieder in den Mittelpunkt internationaler Bemühungen. Gegenwärtig ist Folter nicht nur in Konventionen geächtet, sondern in nahezu allen zur westlichen Kultur gehörenden Staaten unter Strafandrohung verboten. Die Würde des Menschen ist unantastbar, und wenn ein Verfassungsstaat Folter in eng umgrenzten Fällen zulässt, etwa um ein Attentat zu verhindern, wird er &#8222;bald auch Menschen foltern&#8220; &#8211; so die ehemalige Generalsekretärin von Amnesty International, Barbara Lochbihler, in ihrem Vorwort, &#8222;die ein Bombenattentat planen könnten oder die jemanden kennen, der ein Bombenattentat plant&#8220;.</p>
<p>Gefährdung der Demokratie</p>
<p>Demgegenüber lautete die Prämisse der Bush-Regierung nach dem 11. September 2001, dass der Zweck, den Terrorismus zu bekämpfen, die gewählten Mittel heilige. Unterlagen solche Mittel wie das &#8222;Waterboarding&#8220;, das simulierte Ertränken von Gefangenen, deren Fesselung in &#8222;Stress-Positionen&#8220; oder sexuelle Demütigungen einer rechtlichen Beschränkung, musste diese beseitigt werden. So verkündete die Bush-Regierung, gestützt auf die Rechtsgutachten ihrer Juristen, die &#8222;verschärften Verhörmethoden&#8220; seien Menschenrechtsmaßnahmen zum Schutz vor Unmenschen und ihrem Terror. Tatsächlich führten die propagandistische Verteufelung und Entmenschlichung des Gegners und die Abwertung der Errungenschaften der Aufklärung zu einem Verständnis der Menschenrechte, das diese tatsächlich nur noch als Mittel zum Zweck ansieht und so den Verlust moralischer Hemmungen befördert. Es ist eine Stärke von Bahars Studie, dass sie diesen Widersinn als Indikator für die Gefährdung der Demokratie im globalisierten Kapitalismus analysiert. Sie sieht den Versuch, durch grausame, erniedrigende Behandlung von Menschen Informationen zu erpressen, im Zusammenhang mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und dem zunehmenden Abbau von Menschen- und Bürgerrechten, wie er unter dem Vorwand des &#8222;Kampfes gegen den Terror&#8220; betrieben wird.</p>
<p>Den problematischen Umgang deutscher Politiker mit dem Folterverbot zeigt Bahar am Fall des von der CIA entführten und misshandelten Deutsch-Türken Murat Kurnaz, dessen Rückkehr nach Deutschland lange Zeit hintertrieben wurde, sowie an den anhaltenden Bemühungen von Politikern wie Bundesinnenminister Schäuble, unter Folter erzwungene Aussagen nutzen zu können. Die Verwertung von Aussagen, die wie in Guantanamo unter Folter zustande gekommen sind, unterläuft das Folterverbot der internationalen Menschenrechtskonventionen. Gleiches gilt für Bestrebungen deutscher Juristen, das Folterverbot aufzuweichen, indem die Menschenwürde nicht mehr zu den bedingungslos zu schützenden Rechtsgütern zählen, sondern mit anderen Rechtsgütern abgewogen werden soll. Bahar zitiert den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer: &#8222;Der Gefolterte ist nicht mehr als Person da, sondern als Bündel von Schmerzen. Die Menschenwürde ist so etwas wie das Grund-Grundrecht.&#8220; WIGBERT BENZ</p>
<p>ALEXANDER BAHAR: Folter im 21. Jahrhundert. Auf dem Weg in ein neues Mittelalter? München, dtv Verlag 2009. 300 Seiten, 16,90 Euro.<br />
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<p>9. Süddeutsche Zeitung Nr.252 vom 2. November 2009 , S. 16:  DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Weltweiter Egoismus<br />
Das 20. Jahrhundert verstärkte die Hierarchien der Staaten</p>
<p>Hans-Heinrich Nolte, Herausgeber der Zeitschrift für Weltgeschichte, gilt als Wegbereiter einer Betrachtung der Geschichte unter dem Aspekt globaler Prozesse und Abhängigkeiten. Nach seiner Studie zu den weltgeschichtlichen Zusammenhängen der Imperien, Religionen und Systeme des 15. bis 19. Jahrhunderts legt er nun eine Analyse der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts vor. Dieses beginnt mit der Unfähigkeit der europäischen Mächte, das Ende ihrer Expansionsmöglichkeiten zu akzeptieren. Als Folge der Aggressionen Deutschlands und Japans gegen ihre Nachbarn wird nach 1945 die politische und ökonomische Vorherrschaft der USA gefestigt.</p>
<p>Der Kalte Krieg zwischen den Staaten der Nato und des Warschauer Paktes verschlingt nicht nur unglaubliche Ressourcen, die für die Überwindung weltweiter Not und die globale Durchsetzung zivilgesellschaftlicher Standards fehlen, sondern gefährdet die gesamte Menschheit. Die Vorstellung, mit dem Sozialismus ein rationaleres und mehr Gleichheit verwirklichendes Gegenmodell zum Kapitalismus zu entwickeln, überwindet nie seinen Geburtsfehler als Diktatur einer Partei, für die der Zweck die Mittel heiligt, und bricht schließlich 1990 in sich zusammen. Wurde das 19. Jahrhundert durch Aufstieg und Expansion Europas bestimmt, prägen die Hegemonie der USA das 20. Jahrhundert, die allerdings an der Jahrtausendschwelle durch China, Indien, Japan und andere asiatische Gesellschaften in Frage gestellt wird.</p>
<p>Mit einer Fülle von Beispielen charakterisiert Nolte das 20. Jahrhundert als Prozess sich verschärfender Widersprüche. Auf der einen Seite beeindrucken vielfältige Emanzipationen, wissenschaftlich-technische Innovationen und eine rasante Globalisierung. Immer stärker sind selbst geographisch entfernte Gesellschaften durch Interaktionen verbunden. Es erschrecken aber wachsende Ungleichheit, Genozide und Vertreibungen, Terrorismus und eine hemmungslose Ausbeutung der Umwelt. Die Unterschiede nehmen zu &#8211; zwischen Kulturlandschaft und Versteppung, zwischen Zentren, Slumvierteln und Vorstädten, manchmal im selben Häuserblock zwischen Arm und Reich. Mauern und Wachpersonal sorgen für die Einhaltung der Distanzen. Luftverkehr, Internet und Forschung schaffen Aktionsfelder, die globale Subsysteme mit Auswirkungen bis in den Alltag bilden. Nolte nennt als Beispiel für die Widersprüche den Schlaganfallmediziner in Berlin, der zwar seinen Kollegen in Harvard kennt, nicht aber den Urologen seiner Klinik oder den Mieter der Etage über ihm.</p>
<p>Analytisch und methodisch knüpft Nolte an Immanuel Wallersteins Konzept des Weltsystems an. Dieses ist durch eine Hierarchie der Räume gekennzeichnet, die wachsende Ungleichheit befördert. Die hierarchischen Zentren bilden Europa, die USA und Japan, während große Teile Afrikas sowie Lateinamerika der Peripherie zugeordnet sind, China und Indien in die Halbperipherie aufsteigen. Dieses System ist durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Konkurrenz, Kompetenzakkumulation und Expansionen gekennzeichnet, die die Länder des Zentrums begünstigen. Es fehlt ein ausreichender Fundus gemeinsamer politischer, ökonomischer und ethischer Normen.</p>
<p>An verschiedenen Stellen seines Buches zeigt Nolte auf, wie diese Dynamik des Weltsystems trotz aller auch vorhandener Fortschritte im Kern zu immer größeren Gegensätzen zwischen den Staaten des Zentrums und der Peripherie führen. Lagen die Unterschiede des Durchschnittseinkommens zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern zu Beginn der Industrialisierung 1820 bei 3:1, so betrugen sie 1913 schon 11:1, wuchsen 1950 auf 35:1 und 1973 auf 44:1 &#8211; Tendenz steigend. Diesen Strukturproblemen des Weltsystems entspricht eine eklatante Schwäche der UN, die zwar einen wichtigen Schub zur Anerkennung universeller Menschenrechte gab, aber letztlich keine den Problemen der Weltbevölkerung angemessene Institution darstellt und in ihrer Entwicklung stagniert.</p>
<p>Nolte plädiert für eine den globalen Bedürfnissen angemessene Ethik der Staaten, die er nach wie vor als die wichtigsten Akteure des weltweiten Konkurrenzsystems ansieht. Diese achteten zwar auf die Moral ihrer Untertanen, verfolgten selbst aber ein als Staatsräson legitimiertes egoistisches Interesse, ohne die verheerenden weltweiten Folgen ihres Handelns zu bedenken. WIGBERT BENZ</p>
<p>HANS-HEINRICH NOLTE: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2009. 444 Seiten, 29,90 Euro.<br />
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<p>10. Süddeutsche Zeitung Nr. 73 vom 29. März 2010, S. 16:  DAS POLITISCHE BUCH </p>
<p>Der Propagandist<br />
Christian Plöger schildert die erstaunliche Karriere des Nazis und Bestsellerautors Paul Carell</p>
<p>Paul Karl Schmidt alias Paul Carell war ein Mann der zwei Karrieren. Mit knapp 29 Jahren avancierte der promovierte Psychologe 1940 als Pressechef des Auswärtigen Amtes zum jüngsten Ministerialdirigenten und Gesandten I. Klasse des NS-Regimes. Zur selben Zeit wurde er SS-Obersturmbannführer. Nach dem Krieg schrieb er geschichtspolitische Artikel, unter anderem in der Zeit, im Spiegel sowie in Springers Kristall und Welt, wobei es immer um den Nationalsozialismus und den Weltkrieg ging. Mit drei Millionen verkauften Büchern prägte der Bestsellerautor das Bild von der deutschen Kriegführung als sauberem, anständigem und heldenhaftem Kampf.</p>
<p>Der Journalist Christian Plöger legt mit seiner Dissertation die erste umfassende Biographie dieses NS-Karrieristen vor. Für den Zeitraum von 1931 bis 1945 hat Plöger rund 25 000 Dokumente ausgewertet. Seine Geschichte von Schmidts Werdegang vom Pressesprecher Ribbentrops bis zum Autor, Sicherheitschef und engen Berater Axel Springers ist spannend und gut geschrieben. Den Schwerpunkt seiner Darstellung legt der Autor auf die Zeit vor 1945.</p>
<p>In einfachen Verhältnissen aufgewachsen und schon als Schüler in die NSDAP eingetreten, amtierte Schmidt im Februar 1933 als Vorsitzender der Kieler Studentenschaft, wurde 1935 stellvertretender NS-Gaustudentenbundsführer und promovierte 1936 mit Bestnote im Fach Psychologie. In einem Bericht Schmidts über ein einwöchiges Schulungslager im Oktober 1933 unter Leitung des Philosophen Martin Heidegger akklamiert er Heideggers Definition des Nationalismus als eines &#8222;heldischen Führertums&#8220; und des Sozialismus als einer &#8222;auf unbedingte Gefolgschaft gegründeten Gemeinschaft eines Volkes&#8220;.</p>
<p>Bis zu seinem Wechsel 1937 von der Universität Kiel in die &#8222;Dienststelle Ribbentrop&#8220; hatte Schmidt als Uni-Assistent und Leiter der &#8222;Sektion Zeitungswissenschaft und Meinungsforschung&#8220; bereits Erfahrungen mit Pressearbeit gesammelt. Nachdem Ribbentrop das Außenministerium übernommen hatte, wurde er bald dessen Pressechef. Er leitete die täglichen Pressekonferenzen, gab Sprachregelungen für die Auslandsberichterstattung aus und wirkte mit Hilfe zahlreicher Zeitschriften als einer der führenden Auslandspropagandisten des Regimes. Schmidt nahm maßgeblichen Einfluss auf die in Millionenauflage erschienene Auslandsillustrierte Signal, die den Kreuzzug gegen den Bolschewismus propagierte und den Überfall Deutschlands auf die UdSSR als Präventivkrieg rechtfertigte &#8211; eine These, die Schmidt auch nach 1945 vertrat.</p>
<p>Freund von Präventivkriegen</p>
<p>In einem Schreiben an Unterstaatssekretär Luther im Dezember 1941 fordert Schmidt, &#8222;eine Judenwohnung zugeteilt zu bekommen&#8220;, konkret die &#8222;Zuweisung einer 9 bis 10 Zimmerwohnung&#8220;. Sein Antisemitismus und Karrierestreben gaben Schmidt im Mai 1944 die Idee ein, man möge zur Vorbereitung der Deportation der Budapester Juden diesen Menschen Sprengstoffe und Waffen unterschieben und dann umgehend eine Razzia durchführen, um die Opfer als kriminelle Täter präsentieren zu können.</p>
<p>Nach dem Krieg wurde Schmidt im Wilhelmstraßen-Prozess gegen das Auswärtige Amt kurioserweise zum Zeugen der Anklage. Schon 1949 verfasste er vom CIA finanzierte Propagandaschriften für den Marshallplan, ehe er als P. C. Holm für die Zeit 1954 die deutsche Verantwortung am Weltkrieg herunterspielen durfte. 1957 lancierte er im Spiegel die These vom Alleintäter van der Lubbe beim Reichstagsbrand. Ende der 50er Jahre verstärkte Schmidt sein publizistisches Engagement in der Zeitschrift Kristall, in der er in etlichen Serien den tapferen deutschen Soldaten huldigte.</p>
<p>Mit seinen Bestsellern über das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; stand er dann auf dem Zenit seines publizistischen Erfolgs und überstand auch unbeschadet ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Judenmord 1944. Springer diente er bis zu dessen Tod 1985 nicht nur als Autor, Berater und Redenschreiber, sondern auch als persönlicher Sicherheitschef. Beide verband ein bedingungsloser Antikommunismus. So fand Schmidt in der Welt ein publizistisches Forum. Kurz vor dem Nato-Doppelbeschluss vom Dezember 1979, der neue atomare Mittelstreckenraketen vorsah, propagierte er den notfalls präventiven Einsatz von Bundeswehr und Nato gegen die Rote Armee. Seine &#8222;Weltanschauung veränderte er in ihren Grundfesten nicht&#8220;, resümiert Plöger Schmidts Wirken nach dem Ende des Nationalsozialismus, &#8222;sondern variierte sie lediglich bei Bedarf&#8220;. WIGBERT BENZ</p>
<p>CHRISTIAN PLÖGER: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Tectum-Verlag, Marburg 2009. 475 Seiten, 34,90 Euro.</p>
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<p>11. Süddeutsche Zeitung Nr. 78 vom 4. April 2011, S. 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Mord nach QuoteWie pflichtbewusste Funktionäre im Machbarkeitswahn sich unter Stalin beliebt zu machen suchten<br />
Unser Bild vom Großen Terror der stalinistischen Sowjetunion ist geprägt von den Schauprozessen der dreißiger Jahre gegen die alten Bolschewiki und die neuen Eliten des Sowjetstaates. Weniger bekannt ist, dass 1937 und 1938 abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit rund 800.000 wenig prominente Sowjetbürger, meist einfache Leute, die aus der Bahn geworfen worden waren, verhaftet und zum Tod oder zu Lagerhaft verurteilt wurden.<br />
Das Deutsche Historische Institut Moskau beleuchtet nun erstmals in zwei Bänden mit Beiträgen russischer, ukrainischer und deutscher Autoren den Vorgang dieser Vernichtungsaktion. Deren Grundlage bildete der „Operative Befehl&#8220; Nummer 00447: „Über die Operation zur Verfolgung ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente&#8220;, der am 31. Juli 1937 vom sowjetischen Politbüro abgesegnet wurde. Die Herausgeber betonen, dass über „keine andere Verfolgungsmaßnahme dieser Größenordnung so viele dokumentarische Belege vorliegen&#8220;, auch deswegen, weil über jeden Verfolgten eine Einzelakte angelegt wurde. Vom Befehl selbst erfuhr Russland 1992, der Großteil der Dokumente liegt nun in deutscher Sprache vor. Dabei wird jedem einzelnen Kapitel des Quellenbandes eine ausführliche Einleitung und Kommentierung vorangestellt.<br />
Zu den Zielgruppen des im NKWD-Jargon „ Kulakenoperation&#8220; genannten Massenterrors zählten zum einen aus der Verbannung nach Fristablauf zurückgekehrte oder geflohene ehemalige Kulaken und Mitglieder früherer Aufstandsorganisationen, zum anderen „sozial schädliche Elemente&#8220;, die als Obdachlose, „Arbeitsscheue&#8220; oder „Verbrecher&#8220; (zumeist kleine Diebe) aufgefallen waren.<br />
Im ganzen Land wurden sogenannte Troikas gebildet, die ihre Urteile in Schnellverfahren fällten. Ihnen gehörten in der Regel der Leiter des NKWD, der Parteisekretär und der Staatsanwalt des jeweiligen Gebiets an. Für jede der territorialen Einheiten bestimmte der Befehl genaue Opferquoten. Danach sollten zunächst 75.950 Personen als Angehörige<br />
der besonders belasteten „Kategorie 1&#8243; erschossen und weitere 193.000 „Elemente&#8220; der weniger belasteten „Kategorie 2&#8243; zu einer mindestens achtjährigen Lagerhaft verurteilt werden. Es gehört zu den verstörendsten Befunden der Dokumentation, dass sich diese vorgesehene Opferzahl mehr als verdreifachte weil die lokalen Partei- und NKWD-Führer die Moskauer Zentrale immer wieder um die Erhöhung der Quoten ersuchten.<br />
Ursachen und Motive für den Beginn des Großen Terrors sehen die Herausgeber in der Stärkung der persönlichen Machtstellung Stalins, dem Bestreben, angesichts der bestehenden Kriegsgefahr eine potentielle fünfte Kolonne präventiv zu vernichten, und der schnell gefundenen Antwort auf die Frage, wie mit ehemaligen aus den Verbannungsgebieten zurückgekehrten „Kulaken&#8220; zu verfahren sei. Letztlich aber, schreiben sie,  sei die Anwendung hemmungsloser Gewalt zum Selbstzweck geworden. Zudem habe der Machbarkeitswahn, die Idee von einer gewaltsamen Befreiung der Gesellschaft von sozialen Problemen und Konflikten, eine wichtige Rolle gespielt.<br />
Dieses Konglomerat an, zur Vernichtung führenden ideologischen und sozialen Sprengsätzen zeigen die Autoren anhand der Akte des zum Tod durch Erschießen verurteilten Schmieds Pavel Ivanovic C. aus dem Ort Paniklja im Kaliningrader Gebiet, der in seiner Kolchose eine lasche Arbeitshaltung an den Tag legte und unter Alkoholeinfluss Drohungen gegen die Sowjetführung ausstieß.<br />
Zunächst machte ein Gutachten des Dorfsowjets den Schmied zum „Kulaken&#8220;, da er früher Land besessen und zeitweilig Lohnarbeiter beschäftigt habe. Fünf Zeugen sagten gegen ihn aus. Der erste, ein örtlich leitendes Parteimitglied, behauptete die Gegnerschaft des Beschuldigten zur Sowjetmacht bestehe seit 1918 und dauere an.<br />
Der zweite, der Kolchosvorsitzende des. Schmieds, wollte einen ungeliebten Mitarbeiter loswerden: C. habe die Arbeitsdisziplin verletzt sowie systematisch und öffentlich auf die Sowjetmacht geschimpft. Der dritte, ein Lagerarbeiter und Kollege, wusste, zu berichten, C. sei eigentlich schon 1918 als Rädelsführer eines Aufstandes zur Erschießung vorgesehen gewesen. Der vierte, ebenfalls ein Arbeitskollege, führte aus, der Schmied habe die Reparatur von Traktoren sabotiert und danach getrachtet, die Ernte zu verhindern. Und der letzte Zeuge, der Priester von Paniklja, gab an, der Beschuldigte habe geäußert, eigenhändig Stalin erschießen zu wollen.<br />
So kam es, dass Pavel Ivanovic C. selbst erschossen wurde. Erst nach mehr als fünfzig Jahren wurde er formal rehabilitiert. Die Staatsanwaltschaft erklärte lapidar, sie habe „keine rechtskonformen Verurteilungsgründe“ finden können.	 WIGBERT BENZ</p>
<p>ROLF BINNER, BERND BONWETSCH, MARC JUNGE (Hrsg.): Massenmord und Lagerhaft. Die andere Geschichte des Großen Terrors. 821 S., 39,80 Euro. Und: Stalinismus in der sowjetischen Provinz 1937-1938. 729 S., 39,80 Euro. Akademie Verlag, Berlin 2009 und 2010.</p>
<p>Wigbert Benz’ Buch „Der Hungerplan im Unternehmen Barbarossa 1941“ erscheint im Mai beim Verlag wvb.</p>
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		<title>Paul Carell als Quellengeber der Bundeswehr</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 15:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[NS- und Kriegspropagandist Paul Carell/Paul Karl Schmidt 1911-1997]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;- &#8222;Ein aufschlussreicher Beitrag zur Geschichte der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur.&#8220; So die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zu dem Buch: Wigbert Benz: Paul Carell. Wissenschaftlicher Verlag Berlin &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;- &#8222;Einsatznah ausbilden&#8220; mit Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, Pressechef im Nazi-Außenministerium. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter oder Quellengeber offizieller Ausbildungsmaterialien der Bundeswehr. Aus: Forum Pazifismus Nr. 26 (2010), S. 13-15 ________________________________________________________ [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=227&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
<em>&#8222;<strong>Ein aufschlussreicher Beitrag zur Geschichte der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur</strong>.&#8220;</em><br />
So die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zu dem Buch:<br />
<a href="http://wigbertbenz.wordpress.com/2010/03/25/paul-carell-buchveroffentlichung-mit-pressecho-beitrage-und-websites-von-wigbert-benz-zum-nachkriegsbestsellerautor-und-ns-pressechef-schmidt-carell/"><strong>Wigbert Benz: Paul Carell</strong></a>. <a href="http://www.wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm"><strong>Wissenschaftlicher Verlag Berlin</strong></a><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>
<p><strong>&#8222;Einsatznah ausbilden&#8220; mit Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, Pressechef im Nazi-Außenministerium.</strong><br />
 <em><strong>Führender NS-Propagandist als Ghostwriter oder Quellengeber offizieller Ausbildungsmaterialien der Bundeswehr.</strong></em> <em>Aus: Forum Pazifismus Nr. 26 (2010), S. 13-15</em><br />
________________________________________________________<br />
<span id="more-227"></span></p>
<p>Paul Karl Schmidt alias Paul Carell (1911-1997) hat mit seinen Bestsellern zum Zweiten Weltkrieg das Bild vom Krieg der Wehrmacht als sauberen, kameradschaftlichen und heldenhaften Kampf geprägt. Als politischer Journalist schrieb er u.a. in der „Zeit“ zu den Ursachen beider Weltkriege, im „Spiegel“ zur Reichstagsbrandkontroverse, er behauptete, Hitler sei mit dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 einem Angriff der Roten Armee nur zuvorgekommen, und forderte in den Springer-Medien die Bereitschaft der Bundeswehr zum Präventivkrieg, so dezidiert in der „Welt am Sonntag“ vom 21. Oktober 1979. Zuletzt schrieb er in seinem „Bild“-Artikel vom 5. Februar 1991 zum „Golfkrieg/Lehren aus dem 2. Weltkrieg“ und propagierte in seinem viel verkauften Stalingrad-Band 1992 die These vom Präventivkrieg im Osten 1941. Bis zum Tod des Verlegers Axel Springer 1985 fungierte er als dessen enger Berater, Redenschreiber und Sicherheitschef. Vor 1945 avancierte der schon als Oberprimaner 1931 in die NSDAP eingetretene überzeugte Nazi bereits mit 28 Jahren zum jüngsten Gesandten I. Klasse bzw. Ministerialdirigenten im NS-Regime und fungierte als SS-Obersturmbannführer. Schmidt leitete die Presseabteilung des NS-Außenministeriums und hatte wesentlichen Anteil an der Auslandspropaganda des Regimes. In diesem Zusammenhang machte er propagandistische Vorschläge zur Rechtfertigung der Deportation von Juden aus Budapest 1944. Konkret regte er am 27. Mai 1944 an, jüdischen Synagogen Sprengstoffe und Waffen unterzuschieben und dann umgehend eine Razzia durchzuführen, um die Opfer als kriminelle Täter präsentieren zu können.(1)</p>
<p>Das Internetportal „german-foreign-policy“ berichtet nun am 28. April 2010 (2), gestützt auf Analysen des renommierten Militärhistorikers und früheren Wissenschaftlichen Direktors für „Militär und Gesellschaft“ am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr, Detlef Bald (3), dass Auszüge aus Paul Carells Texten in den aktuellen Ausbildungsmaterialien „Einsatznah ausbilden. Hilfen für den Gefechtsdienst“(4)  für die Schulung von Bundeswehrsoldaten genutzt werden. Nach diesen „Hilfen“ dient Paul Carell als Quelle für die Zielsetzung „einsatznah ausbilden“ an drei Beispielen von Operationen der Wehrmacht: zwei in der Normandie 1944 zu den Ausbildungsthemen „Tarnen“(5)  und „24-Stunden-Kampftag“(6); eine beim Krieg gegen die Rote Armee Anfang März 1943 zum Thema „Kampf bei ungünstigem Wetter“.(7) </p>
<p>Die „Hilfen“(8) enthalten insgesamt 135 Quellen, aus denen zitiert wird. Sie sind folgenden Kategorien zugeteilt. Erstens: 44 Heeresdruckvorschriften, Merkblätter und Verfügungen – allesamt aus der Zeit vor 1945. Zweitens: 20 kriegsgeschichtliche Einzeldarstellungen – von Clausewitz bis zu Büchern von Historikern des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Drittens: 47 „Erlebnisberichte, Erfahrungsberichte, Einzelbeiträge“ – darunter als Quelle Nr. 68 Paul Carells „Sie kommen“ (1960) über die Invasion der Alliierten in der Normandie und als Quelle Nr. 69 „Verbrannte Erde“ (1966), die Fortsetzung seines Bestsellers „Unternehmen Barbarossa“ (1963). Viertens: 24 Quellen zur „Truppengeschichte“, worunter auch als letztgenannte Quelle Nr. 135 Franz-Josef Strauß’ „Friedens- und Kriegserlebnisse einer Generation“ (1960) verstanden wird.</p>
<p>Einleitend wird in den „Hilfen“ erklärt, dass „Auszüge aus Erlebnis- und Erfahrungsberichten des deutschen Heeres im 2. Weltkrieg (als) Bilder, die den Kriegsalltag begreifbar machen oder deutsche Ausbildungsmängel und Schwachstellen aufdecken“, der „Vorstellung von Kriegswirklichkeit“ und damit „eine(r) letztlich auch an den Erfordernissen des Krieges ausgerichtete(n) Ausbildung“ dienen.(9)  Paul Carells Texte werden als solche „Erlebnis- und Erfahrungsberichte“ für die Ausbildung genutzt. Methodisch gesehen steht dem jeweiligen Quellenauszug auf der linken geraden Seite die entsprechende Bewertung und Lehre der Ausbilder auf der rechten ungeraden Seite gegenüber. So wird Paul Carells Text zum Ausbildungsthema „Tarnen“, in dem er unter der Überschrift „Panzer auf Sicherung, Normandie 1944“ beschreibt, wie Panzer für den Feind getarnt werden, von den Autoren der „Hilfen“ wie folgt bewertet: „Diese Schilderung zeigt, was Tarnen heißt: Jeder Soldat muss seine Stellung mit den Augen des Feindes gesehen haben. Dann wird er auch an richtige Tarnung denken und seine Bewegungen in und hinter der Tarnung entsprechend einrichten. Lehre: Zügiges und sorgfältiges Tarnen fordern, bei der Ausbildung im Tarnen jedoch Zeit nehmen.“(10)  Carells Quellenauszug zum Ausbildungsthema „24-Stunden-Kampftag“, der ebenfalls die Panzersicherung in der Normandie beschreibt und ausführt, was es bedeutet, „13 Tage ohne einen Tropfen Waschwasser zusammengepfercht in einem stählernen Sarg“ zu überleben, wird als Fallbeispiel für eine Lage gewertet, die „es verbietet, einen bisher vom Feind nicht erkannten Panzer zu bewegen“. Als Lehre wird angegeben: „Alle Führungs- und Fürsorgemaßnahmen darauf abstellen, dass es nach 3 Tagen kein [fettgedruckt]) ‚Übungsende’ gibt.“(11)  Und Carells Quelle zum Ausbildungsthema „Kampf bei ungünstigem Wetter“, in der er wegen abwechselnd verschneiter und aufgetauter Straßen die gleichermaßen auf Schlitten und Räderfahrzeuge orientierte Rückzugsbewegung der Wehrmacht aus ihren Wolga-Stellungen vor Rschew betont, wird so bewertet: „Einsatznah ausbilden heißt hier, die Truppe dem maßgebenden, oft unberechenbaren und zufallsgesteuerten Einfluss des Wetters auszusetzen, damit sie Grunderfahrungen für ihren Einsatz, das Leben und Überleben gewinnen. Lehre: Im Laufe des Ausbildungsjahres stetig im 24-Stunden-Kampfftag-Rahmen üben.“(12) </p>
<p>Die Begeisterung der Autoren des Heeresamtes in ihrer Ausbildungsschrift für den aktuellen Gebrauchswert von Paul Carells Texten für die Schulung heutiger Bundeswehrsoldaten ist nicht zu überlesen. Ihre Lehre, die sie daraus ziehen: „stetig im 24-Stunden-Kampftag-Rahmen üben“.<br />
Auf meinen Vorschlag an die Redaktion der ARD-Sendung „Kontraste“, diesen Sachverhalt zu thematisieren, erklärte die zuständige Redakteurin, die Wehrmachtstraditionen der Bundeswehr seien bereits in dem Beitrag „Unselige Traditionen“ der „Kontraste“-Sendung vom 9. April 2009 thematisiert worden (13), auch die Nennung von Paul Carell als Quelle der Bundeswehrausbildung sei ursprünglich in dem Sendebeitrag vorgesehen gewesen, doch ausgerechnet „diese Passage“, so die Redakteurin, „mussten wir kürzen, weil der Beitrag schon Überlänge hatte“. Aber auch ohne den Hinweis auf Schmidt-Carell könne sie die erfreuliche Mitteilung machen: „Aufgrund unserer Berichterstattung wurden diese Ausbildungsbücher von der Bundeswehr im letzten Jahr aus dem Verkehr gezogen und werden nicht mehr benutzt.“(14)  In der Antwort der Bundesregierung auf eine der „Kontraste“-Sendung folgenden Kleinen Anfrage der Bundestags-Fraktion Die Linke mit dem Betreff „Wehrmachtsverherrlichung durch offizielle Ausbildungshandbücher“ wird zwar eingeräumt: „Seit 1985 wurden 67000 Exemplare der Ausbildungshilfe ‘Einsatznah ausbilden’ und 56500 Exemplare ‘Üben und Schießen’ gedruckt.“(15)  Doch dann führt die Bundesregierung in ihrer Antwort weiter aus: „Eine Überarbeitung der Ausbildungshilfen wurde bereits im Januar 2009 angewiesen. Zwischenzeitlich werden diese beiden Schriften in der vorliegenden Form nicht mehr für die praktische Ausbildung genutzt.“(16)  Wie weit die Überarbeitung der „Ausbildungshilfen“ mittlerweile gediehen ist, bleibt ebenso unklar wie die Einlassung, sie würden in der „vorliegenden Form“ nicht mehr genutzt, was nicht heißen muss, dass sie aus dem Verkehr gezogen wurden, sondern zum Beispiel in Auszügen, etwa als Kopien vermeintlich unbedenklich erscheinender Quellen Verwendung finden können. Weder in der „Kontraste“-Sendung vom 9. April 2009 noch in der darauf folgenden erwähnten Bundestags-Anfrage wurde ja explizit darauf Bezug genommen, dass es sich bei in den „Hilfen“ verwendeten Quellen des Bestsellerautors Paul Carell um den Pressechef im Auswärtigen Amt 1940-1945, Paul Karl Schmidt, handelte.</p>
<p>Militärhistoriker Detlef Bald bleibt skeptisch. Nach seiner Auskunft hat sein bis März 2010 andauernder Briefwechsel mit dem Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages lediglich ergeben, dass seine – Balds – Kritik im Zuge der Neuordnung der Ausbildung bei der beabsichtigten Verkürzung des Wehrdienstes berücksichtigt werde. Dies würde bedeuten, dass die Ausbildungsrichtlinien von 2006, welche die „Hilfen für den Gefechtsdienst“ mit Paul Carell als Quellengeber empfehlen, bis dato gelten. (17) </p>
<p>Mit Schreiben vom 17. Mai 2010 bat der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Rainer Arnold die Minister des Auswärtigen und der Verteidigung um „Klärung“ des von mir beschriebenen „Vorwurfs, die Bundeswehr würde nach wie vor Texte des SS-Obersturmbannführers und ehemaligen Pressechefs im NS-Außenministerium Paul Carell bei der Ausbildung verwenden.“(18)  Die Antwort des Bundesministeriums der Verteidigung vom 25. Mai 2010 an MdB Arnold lautet: „Texte des SS-Obersturmbannführers Paul Carell“ in den „angesprochenen ‚Hilfen für den Gefechtsdienst’ werden in der Bundeswehr nicht mehr genutzt. Die Inspekteure des Heeres und der Streitkräftebasis haben bereits im Mai und Juni 2009 ihre weitere Nutzung durch Ausbildungseinrichtungen und Truppenteile untersagt. Die Ausbildungshilfe ‚Einsatznah ausbilden’ wird derzeit vom Heeresamt im Zusammenwirken mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt und dem Streitkräfteamt für eine Neuausgabe überarbeitet.“(19)  </p>
<p>Bis 2009 dienten die Texte des NS-Pressechefs also auf jeden Fall der „einsatznahen Ausbildung“. Nach der Überarbeitung wird sich zeigen, wes Geistes Kind die künftigen „Hilfen für den Gefechtsdienst“ sind.</p>
<p><strong>Fußnoten</strong></p>
<p>(1) <a href="http://www.wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm">Wigbert Benz: Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945. Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2005</a><br />
(2) http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57797<br />
(3) Detlef Bald: Bedingt einsatzbereit. &#8222;Realistische Ausbildung&#8220; der Bundeswehr oder mit der Wehrmacht in den Hindukusch. In: Detlef Bald/Hans-Günter Fröhling/Jürgen Groß (Hg.): Bundeswehr im Krieg &#8211; wie kann die Innere Führung überleben? Hamburger Beiträge zur Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Nr. 153, Dezember 2009, S. 7-16, insbesondere S. 13<br />
(4) Einsatznah ausbilden. Hilfen für den Gefechtsdienst aller Truppen. Hrsg. v. Heeresamt – Abteilung II 3 -. Köln  (Nachdruck) 2001<br />
(5) Einsatznah ausbilden, S. 88<br />
(6) Ebenda, S. 136<br />
(7) Ebenda, S. 190<br />
(8) Ebenda, Quellenverzeichnis, S. 208-217<br />
(9) Ebenda, S. 2 f.<br />
(10) Ebenda, S. 88 (Carell), S. 89 (Kommentar)<br />
(11) Ebenda, S. 136 (Carell), S. 137 (Kommentar)<br />
(12) Ebenda, S. 190 (Carell), S. 191 (Kommentar); die angegebene Seitenzahl der Quelle aus Paul Carells Bestseller “Verbrannte Erde”, S. 259, ist falsch, richtig ist S. 241.<br />
(13) Unselige Traditionen. Wie viel Wehrmacht steckt in der Bundeswehr. KONTRASTE-Sendung vom 9. April 2009. Wortlaut: http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_9_4/unselige_traditionen.html<br />
(14) Nachricht der KONTRASTE-Redakteurin Caroline Walter an den Verfasser vom 3. Mai 2010<br />
(15) Deutscher Bundestag 16. Wahlperiode. Drucksache 16/13164 vom 27.5.2009. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevin Dagdelen, Dr. Hakki Keskin, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 16/12953 – Wehrmachtsverherrlichung durch offizielle Ausbildungshandbücher und Liedgut der Bundeswehr. Online unter:  http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/131/1613164.pdf<br />
(16) Ebenda<br />
(17) Nachricht Detlef Balds an den Verfasser vom 5. Mai 2010<br />
(18) Rainer Arnold, MdB und Sprecher der Arbeitsgruppe Sicherheits- und Verteidigungspolitik der SPD-Bundestagsfraktion am 17.5.2010 in einem Schreiben mit dem Betreff „NS-Vergangenheit“ an die Bundesminister des Auswärtigen und der Verteidigung<br />
(19) Antwortschreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 25.5.2010 an MdB Rainer Arnold</p>
<p>Quelle: <em>Forum Pazifismus. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gewaltfreiheit</em>. 7. Jahrgang | 2. Quartal 2010 | Nr. 26, S. 13-15 . -<br />
Weitere Beiträge von Wigbert Benz zu diesem Thema in den Zeitschriften <em>Ossietzky</em> 10/2010 und <em>ZivilCourage</em> 3/2010 sowie dem <em>Rundbrief der AG Rechtsextremismus/Antifaschismus</em> 3-4/2010.</p>
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		<title>Antisemitismus &#8211; der ewige Sündenbock Israel</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 19:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt. Edition Telok; Kopenhagen, Freiburg, Zürich, 3. überarb. Auflage 2010; 304 Seiten; 19,80 Euro Was hat der Freund des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler, der Großmufti von Jerusalem Hajj Muhammad Amin el-Husseini, mit dem heutigen Konflikt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=188&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt. Edition Telok; Kopenhagen, Freiburg, Zürich, 3. überarb. Auflage 2010; 304 Seiten; 19,80 Euro</strong></p>
<p>Was hat der Freund des „Reichsführers SS“ Heinrich Himmler, der Großmufti von Jerusalem Hajj Muhammad Amin el-Husseini, mit dem heutigen Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis zu tun? Nun, Husseini hatte sich nicht nur von 1941 bis Kriegsende als persönlicher Gast Adolf Hitlers in Berlin aufgehalten und die Bildung muslimischer SS-Divisionen auf dem Balkan initiiert.<br />
<span id="more-188"></span></p>
<p>Er hielt nicht nur Ansprachen an die Imame der muslimischen SS-Divisionen, in denen er 1944 die gemeinsamen „geistigen und materiellen Interessen“ des Islam &#8211; zumindest des Islam in seinem Verständnis &#8211; und der NS-Ideologie betonte: das Führerprinzip, die Gehorsamspflicht, das Prinzip von Blut und Ehre, die Verherrlichung der Gemeinschaft und der Arbeit, den Kult um Mutterschaft und Familie und nicht zuletzt die Bekämpfung der „jüdischen Gefahr“. Der Großmufti von Jerusalem war auch der oberste islamische Rechtsgelehrte in der gesamten Region Palästina und fungierte als geistiger Kopf und späterer Mentor der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“. Den UN-Teilungsplan vom 29. November 1947 (UN-Resolution 181), welcher die Gründung eines jüdischen und eines palästinensischen Staates vorsah, lehnte er ab und trägt deshalb die Mitverantwortung dafür, dass es 1947/48 nicht zur Gründung eines palästinensischen Staates kam – mit den bekannten Folgen Krieg, Flucht und Dauerkonflikt bis heute.</p>
<p>Doch noch 2002 bezeichnete Palästinenser-Führer Jassir Arafat, der bis heute von großen Teilen nicht nur der politischen Linken verehrt wird, den verstorbenen Großmufti als „unseren Helden“. Bis dato verströmt die Charta der PLO den Geist des Großmuftis und propagiert die palästinensische Nationalhymne das „Verlangen meines Blutes nach meinem Land und Heim“, keine nur romantisierende arglose Liedzeile, sondern durch die Verfünffachung der Zahl der palästinensischen Flüchtlinge im letzten halben Jahrhundert und dem Beharren auf dem uneingeschränkten „Rückkehrrecht“ eine Forderung mit enormer politischer Sprengkraft. Verfünffachung der Flüchtlingszahl seit 1949 deshalb, weil die UN etwas möglich machte, was in der Welt einzigartig ist: die Erblichkeit des Flüchtlingsstatus durch Kinder, Enkel und Urenkel. Bis heute unternehmen arabische Länder wie Jordanien, Syrien oder der Libanon keine Anstrengungen, palästinensische Flüchtlinge zu integrieren.</p>
<p>Der Autor Tilman Tarach, promovierter Jurist, legt eine faktenreiche dezidiert belegte und gut geschriebene Studie vor, die aufräumt mit den romantisierenden Klischees von palästinensischen Opfern und deren Befreiungskampf auf der einen – der guten – und den israelischen Unterdrückern, ja Tätern, auf der anderen – der bösen – Seite. Nicht die USA, wie immer wieder behauptet wird, beförderten die Gründung Israels und lieferten ihm Waffen, als es gleich nach seiner Staatsgründung 1948 von  arabischen Nachbarstaaten überfallen wurde, sondern die Sowjetunion. Und die USA pflegen nicht nur zum israelischen Staat gute Beziehungen, sondern ebenso zur PLO, deren Sicherheitskräfte auch vom amerikanischen Geheimdienst CIA geschult wurden.</p>
<p>Tarach führt aus, wie das Bild vom unverhältnismäßig aggressiven Okkupanten Israel in unseren Medien geschürt wird. Da werden schon mal Bilder angeblicher palästinensischer Opfer israelischer Sicherheitskräfte millionenfach verbreitet, bei denen es sich wie beim Fall des amerikanisch-jüdischen Studenten Tuvia Grossmann um einen vom palästinensischen Mob halb zu Tode geprügelten jüdischen Menschen handelt, der im letzten Moment von einem israelischen Polizisten gerettet wird, der den Peinigern, von denen auf dem Foto keiner gezeigt wird, mit Prügel droht. Die Raketenangriffe auf jüdische Siedlungen werden tendenziell als nicht ernst zu nehmende Attacken mit selbst gebastelten Flugkörpern verharmlost, die Attentate palästinensischer Selbstmordkommandos als individuelle Verzweiflungstaten charakterisiert. Nicht ins Bild vom unverhältnismäßig aggressiven Besatzer Israel passende Informationen werden verschwiegen, so die Tatsache, dass sich die Zahl der ermordeter israelischer Juden während der Hochphase der Friedensverhandlungen in den 1990er Jahren erhöhte und nach dem Ende der Regierungszeit Rabin/Peres wieder sank. Der Rückzug der Israelis aus dem Libanon im Mai 2000 wurde von palästinensischen Fanatikern als Schwäche ausgelegt. Es folgte die „Al-Aksa-Intifada“, in welcher über 1.000 Israelis durch Anschläge getötet und mehr als 7.000 verletzt wurden. Und nach dem Abzug Israels aus dem Gaza-Streifen im Sommer 2005 schlugen alleine in die israelische Kleinstadt Sderot bis Herbst 2008 zweitausend Raketen ein, die zwar „nur“ ein Dutzend Menschen tötete, aber Hunderte verletzte, darunter viele durch abgerissene Beine und Arme verkrüppelte.</p>
<p>Der Autor betont, dass die in der deutschen Öffentlichkeit zu Recht gezeigte Abscheu gegenüber dem Holocaust grenzenlos und die Solidarität mit den unter Hitler getöteten Juden unübertrefflich erscheinen, dass jede Schmiererei an einem jüdischen Grabstein auf das Schärfste geächtet wird, die Haltung gegenüber den lebenden Juden im Staat Israel aber sehr viel anders aussieht. Dem Zionismus als Bestreben, einen wehrhaften jüdischen Staat zu gründen und zu bewahren, wird mit Misstrauen begegnet. Dabei geht es nicht um sachliche und legitime Kritik an israelischen Besatzungs- oder Militärmaßnahmen. Vielmehr gehe es darum, dass das Recht auf einen jüdischen Staat bestritten und diesem das Modell eines arabisch-jüdischen Staates Israel entgegengestellt werde, ohne zu thematisieren, dass schon heute 20 Prozent der israelischen Staatsbürger Araber sind und dass die „Rückkehr“ von Millionen palästinensischer Flüchtlinge im Kontext feindlich gesonnener Nachbarn den Staat Israel zur Implosion bringen könnte. Tarach wendet sich nicht gegen die Zweistaatenlösung, sondern kritisiert die Forderung der mit Hamas und Hisbollah verbündeten Teile der Linken nach einem „uneingeschränkten Rückkehrrecht“ der palästinensischen Flüchtlinge, was in der Konsequenz einen palästinensischen Staat ohne Juden und einen israelischen Staat mit lediglich einer jüdischen Minderheit bedeuten würde.</p>
<p>Wie feindselig die Stimmungsmache im arabisch-palästinensischen Umfeld gegen Israel ist, zeigt die gegenwärtige Propaganda mit den so genannten „Protokollen der Weisen von Zion“, einer vom zaristischen Geheimdienst Ende des 19. Jahrhunderts fabrizierten plumpen Fälschung, die sich als Dokument eines angeblichen jüdischen Geheimplans zur Erlangung der Weltherrschaft präsentiert. Nicht nur, dass die Charta der Hamas heute in ihrem Artikel 32 behauptet: „Der zionistische Plan ist grenzenlos (&#8230;) Ihr Plan ist in den ‚Protokollen der Weisen von Zion’ verankert.“ Das Mitglied des palästinensischen Exekutivrates Sheik Dr. Ahmad Bahar verkündete am 4. August 2006 im palästinensischen Fernsehen: „Die Protokolle der Weisen von Zion rufen zur Ermordung von Kindern, Frauen und Männern auf.“ Und eine populäre 20teilige in Syrien produzierte und in den letzten Jahren in vielen Ländern des Nahen Ostens ausgestrahlte Fernsehserie präsentiert die angeblichen „Protokolle“ in Gestalt klassischer antisemitischer Ritualmordlegenden, nach der Juden moslemische und christliche Kinder töten, um deren Blut für das Pessachfest zu genießen.</p>
<p>Das Buch stellt ein wichtiges Korrektiv gegen gängige Klischees, Vorurteile und Stereotypen zur Beurteilung des israelisch-palästinensischen Konflikts dar – seine Lektüre ist unbedingt zu empfehlen. </p>
<p><strong>Tilman Tarach: Der ewige Sündenbock. Heiliger Krieg, die „Protokolle der Weisen von Zion“ und die Verlogenheit der sogenannten Linken im Nahostkonflikt. Edition Telok; Kopenhagen, Freiburg, Zürich, 3. überarb. Auflage 2010; 304 Seiten; 19,80 Euro</strong></p>
<p>Quelle: ZivilCourage. Das Magazin für Pazifismus und Antimilitarismus der DFG-VK.  Heft Nr. 2 &#8211; Mai 2010, S. 18 f.</p>
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	</item>
		<item>
		<title>Paul Carell &#8211; Beiträge und Websites zum NS-Pressechef vor und Bestsellerautor nach 1945, Paul Karl Schmidt alias Paul Carell</title>
		<link>http://wigbertbenz.wordpress.com/2010/03/25/paul-carell-buchveroffentlichung-mit-pressecho-beitrage-und-websites-von-wigbert-benz-zum-nachkriegsbestsellerautor-und-ns-pressechef-schmidt-carell/</link>
		<comments>http://wigbertbenz.wordpress.com/2010/03/25/paul-carell-buchveroffentlichung-mit-pressecho-beitrage-und-websites-von-wigbert-benz-zum-nachkriegsbestsellerautor-und-ns-pressechef-schmidt-carell/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 25 Mar 2010 14:48:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[NS- und Kriegspropagandist Paul Carell/Paul Karl Schmidt 1911-1997]]></category>

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		<description><![CDATA[I. Inhalt und Pressestimmen/Rezensionen zu Wigbert Benz&#8217; Buch &#8222;Paul Carell&#8220;. Bestellen beim Buchhandel oder Verlag II. Beiträge von Wigbert Benz zu Paul Carell III. Websites von Wigbert Benz zu Paul Carell IV. Paul-Carell-Buch &#8211; Rezeption bis 2010 in: 1. Rundfunksendungen 2. Printmedien (ohne Rezensionen) 3. Büchern anderer Autoren (geordnet nach Erscheinungsjahr bis 2009) I. Inhalt [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=26&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>I. Inhalt und Pressestimmen/Rezensionen zu Wigbert Benz&#8217; Buch &#8222;Paul Carell&#8220;. Bestellen beim Buchhandel oder <a href="http://www.wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm">Verlag</a><br />
II. Beiträge von Wigbert Benz zu Paul Carell<br />
III. Websites von Wigbert Benz zu Paul Carell<br />
IV. Paul-Carell-Buch &#8211; Rezeption bis 2010 in:<br />
1. Rundfunksendungen<br />
2. Printmedien (ohne Rezensionen)<br />
3. Büchern anderer Autoren (geordnet nach Erscheinungsjahr bis 2009)</p>
<p><strong>I. Inhalt und Pressestimmen zu Wigbert Benz: Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945</strong>. <a href="http://www.wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm">Wissenschaftlicher Verlag Berlin wvb </a>2005, ISBN 3-86573-068-X 112 S., 16,80 €.  Bestellen beim Buchhandel oder <a href="http://www.wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm">Verlag</a> </p>
<p><strong>Inhalt:</strong> Paul Karl Schmidt alias Paul Carell (1911-1997) hat mit seinen Bestsellern zum 2. Weltkrieg das Bild vom Krieg der Wehrmacht als sauberen, kameradschaftlichen und heldenhaften Kampf geprägt. Als politischer Journalist schrieb er u.a. in der ZEIT zu den Ursachen beider Weltkriege, im SPIEGEL zur Reichstagsbrandkontroverse und forderte in der WELT die Bereitschaft der Bundeswehr zum Präventivkrieg.. Bis zum Tod des Verlegers Axel Springer 1985 fungierte er als dessen enger Berater, Redenschreiber und Sicherheitschef. Vor 1945 war er der jüngste Gesandte I. Klasse bzw. Ministerialdirigent im NS-Regime. Er leitete die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes und hatte wesentlichen Anteil an der Auslandspropaganda des Regimes. In diesem Zusammenhang machte er propagandistische Vorschläge zur Rechtfertigung der Deportation von Juden aus Budapest 1944. </p>
<p><strong>Presse/Rezensionen:</strong></p>
<p>&#8222;Gründliche Untersuchung enthüllt (&#8230;) das Leben des begeisterten Nazis (&#8230;) der sich 1944 für die Deportation ungarischer Juden aussprach (&#8230;) Auch in der Kontroverse um den Reichstagsbrand versuchte Carell die Nationalsozialisten nachträglich reinzuwaschen.&#8220;<br />
Stuttgarter Zeitung, 29.7.2005, S. 32 (Werner Birkenmaier)</p>
<p>&#8222;Paul Carells Publikationen (lassen) die Landser an allen Fronten hochleben (&#8230;) Reinwaschungsversuchen tritt Benz in seiner (&#8230;) materialreichen Studie entgegen.&#8220;<br />
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.8.2005, S. 6 (Prof. Dr. Rainer Blasius)</p>
<p>&#8222;Ein aufschlussreicher Beitrag zur Geschichte der bundesrepublikanischen Erinnerungskultur.&#8220;<br />
Süddeutsche Zeitung, 17.10.2005, S. 10 (Dr. Jürgen Zarusky, Institut für Zeitgeschichte München) </p>
<p>&#8222;Materialreiche Studie über Carell-Schmidt (&#8230;)Diese umfangreichen Beschäftigungen Schmidts, die ihm auch der Verklärung der Wehrmacht dienten, webt Benz in seine Skizze ein, um dann aus guten Gründen die propagandistische Initiative zum Judenmord in Ungarn 1944 in den Mittelpunkt zu stellen.&#8220;<br />
Frankfurter Rundschau, 21.12.2005, S. 27 (Dr. Matthias Arning)</p>
<p>&#8222;Vom NS-Pressesprecher zum Erfolgsautor (&#8230;) Der Karlsruher Geschichtslehrer Wigbert Benz hat die Geschichte des Paul Carell aus den Archiven recherchiert und sie nun als materialreiche Studie vorgelegt (&#8230;) wohltuend gründlich und sachlich verfasst.&#8220;<br />
Badische Neueste Nachrichten, 31.12.2005, S. 4 (Dr. Klaus Gaßner)<br />
<span id="more-26"></span></p>
<p>&#8222;Sorgfältig dokumentiertes, analytisch brillantes, gut zu lesendes und vor allem spannend geschriebenes Buch (&#8230;) Die Konzentration auf zentrale, zum Teil bisher unbeachtete und vom Autor recherchierte Quellen bildet den Schwerpunkt der Analyse.&#8220;<br />
bildung und wissenschaft 9/2005, Beilage Die Unterrichtspraxis Nr. 6, S. 48 (Siegfried Frech, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg)</p>
<p>&#8222;Beeindruckt gleichermaßen durch ihren Detailreichtum wie durch gründliche Recherche.&#8220;<br />
Bulletin für Faschismus- u. Weltkriegsforschung. (2005), Heft 25/26. S. 228-232 (Dr. Alexander Bahar)<br />
&#8222;Auf knappem Raum hat Benz eine materialreiche Darstellung vorgelegt, die in weiten Teilen überzeugt.&#8220;<br />
 H-Soz-U-Kult, 22.9.2005 (Dr. Carsten Dams)</p>
<p>&#8222;Auf diese Weise hat die Arbeit von Wigbert Benz die Person Paul Karl Schmidt zu Recht zurück in das Blickfeld der Forschung gebracht und wertvolle Hinweise zu Leben und Wirken gegeben.&#8220;<br />
sehepunkte. Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften 11/2005, 15.11.2005 (Dr. Andreas Hilger)</p>
<p>&#8222;Der Autor legt den Finger in die Wunde der angeblichen Vergangenheitsbewältigung in unserem Land, indem er die „Erfolgsgeschichte“ von Schmidt / Carell in der braunen Diktatur ebenso wie in der Bonner / Berliner Republik kurz, aber präzise und lesenswert aufzeichnet.&#8220;<br />
Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung. Hrsg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt. Heft 4/2005, S. 26 f. (Dr. John Zimmermann, Major, Lehrstabsoffizier Militärgeschichte, Offizierschule der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck)</p>
<p>&#8222;Wigbert Benz hat mit größter Sach- und Fachlichkeit ein Legendengespinst der Zeitgeschichte vorgeführt, das die Geschichte des NS-Regimes und den demokratischen Beginn der Republik, die ideologisch ausgerichteten Täter des NS-Rassismus und die journalistischen Streiter für ein freiheitliches Europa in dem Lebensbericht des Carell alias Schmidt schillernd vereint.(&#8230;) um gesellschaftliche Verhältnisse der Zeitgeschichte zu klären.&#8220;<br />
W &amp; F. Wissenschaft und Frieden. 1/2006, S. 53 (Dr. Detlef Bald, seit 1996 freier Publizist, ehemaliger Leiter des Bereichs Militär und Gesellschaft des sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr)</p>
<p>&#8222;Carell-Schmidts Lebensgeschichte ist ein hervorragendes Beispiel dafür (Kontinuitäten). Als roter Faden und zugleich Schlüssel für Schmidts erfolgreiche Laufbahn sind (&#8230;) die Netzwerke anzusehen, die er und andere sich schufen. Das Buch von Wigbert Benz (leistet) einen wichtigen Forschungsbeitrag zum Umgang mit der Geschichte Deutschlands.&#8220;<br />
Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 22 (2006), S. 237 ff. (Dr. Daniel Uziel, Jerusalem, Gedenkstätte Yad Vashem)</p>
<p>&#8222;Die Stärken von Benz’ Studie liegen vor allem in der Darstellung der Nachkriegskarriere  des Protagonisten (&#8230;) Bilanzierend hält der Autor fest, dass die Bedeutung Schmidts als Nachkriegspublizist kaum überschätzt werden kann (&#8230;) So war es Carell, der die Kontroverse um den Reichstagsbrand mit seiner These von der Alleintäterschaft van der Lubbe in Gang setzte.&#8220;<br />
Publizistik. Vierteljahreshefte für Kommunikationsforschung. Heft 3/2006 (Dr. Martin Moll)</p>
<p>&#8222;Im SPIEGEL (hatte), wie Wigbert Benz in seiner Studie zeigt, (Schmidt-Carell) schon am 16. Januar 1957 die Alleintäterthese (beim Reichstagsbrand 1933) lanciert.&#8220;<br />
Historische Zeitschrift Band 283, Heft 2 (2006), S. 519-522 (Dr. Jürgen Schmädeke)<br />
________________________________________</p>
<p>Bestellungen über den Buchhandel, bei amazon.de, direkt bei: Wissenschaftlicher Verlag Berlin, Körtestr. 10, 10967 Berlin, Telefon u. Fax: 0306185021, E-Mail: verlag@wvberlin.de oder über die Homepage des Verlags: http://<a href="http://wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm">wvberlin.de/data/inhalt/benz.htm</a><br />
________________________________________</p>
<p><strong>II. Beiträge von Wigbert Benz zu Paul Carell:</strong></p>
<p>1. Die Nürnberger Dokumente NG 2424 und NG 2260. Zur Rolle von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell beim Judenmord in Ungarn 1944. In: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung. Hrsg. v. Werner Röhr. H. 22 (2004), S. 82-95;<br />
2. Paul Carell alias Paul Karl Schmidt. Kriegs- und Holocaustpropagandist. Wirken und Karriere des Pressechefs im NS-Außenministerium vor und nach 1945. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 67/2004, S. 60-71;<br />
3. &#8222;Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd sprechen“. Paul (Karl) Schmidt-Carells Holocaust PR 1944. In: Praxis Geschichte, S.44-47;<br />
4. Paul Carell – ein NS-Propagandist. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage zu „bildung und wissenschaft“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 2 v. 21.3.2005, S. 9-14;<br />
5. Die Kontinuität des Journalisten: Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. In: Auseinandersetzungen mit den Diktaturen. Russische und deutsche Erfahrungen. Hrsg. v. Hans Heinrich Nolte. Gleichen &#8211; Zürich 2005, S. 135-143;<br />
6. Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2005 (Pressestimmen/Rezensionen siehe unter I.);<br />
7. Der Kriegspropagandist Paul Carell. Vom „Präventivkrieg“ der Wehrmacht zum „Ernstfall“ der Bundeswehr. In: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung. Hrsg. v. Werner Röhr. H. 28 / 2006, S.60-77;<br />
8. Kameraden. Reichstagsbrand: NS-Pressechef schreibt SPIEGEL-Geschichte. In: FREITAG. Die Ost-West-Wochenzeitung. Nr. 4/2007 v. 26.1.2007, S. 18;<br />
9. Holocaust und Nachkriegskarriere. Das Fallbeispiel des NS-Pressechefs Paul (Karl) Schmidt alias Paul Carell. In: Ludwig-Marum-Stiftung (Hg.) 1998-2008. Rückblick – Überblick – Dokumentation. Pfinztal 2008, S. 152-155;<br />
10. Reichstagsbrand – noch Fragen? In: Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft. Heft 2/2010, S. 61-63. Auch online verfügbar: <a href="http://www.ossietzky.net/2-2010&amp;textfile=883">http://www.ossietzky.net/2-2010&amp;textfile=883</a>;<br />
11. „Einsatznah ausbilden“ mit Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, Pressechef im Nazi-Außenministerium. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter oder Quellengeber offizieller Ausbildungsmaterialien der Bundeswehr. In: Forum Pazifismus. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gewaltfreiheit. 2. Quartal 2010. Nr. 26, S. 13-15;<br />
12. „Einsatznah ausbilden“ mit NS-Pressechef. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter von Bundeswehr-Ausbildungsmaterial. In: ZivilCourage. Nr. 3 – August 2010, S. 15.</p>
<p><strong>III. Websites von Wigbert Benz zu Paul Carell:</strong></p>
<p>1. Paul Carell (1911-1997) . Kriegs- und Nachkriegskarriere des Pressechefs im NS-Außenministerium:<br />
<a href="http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/biografien/100-paul-carell-1911-1997.html">http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/biografien/100-paul-carell-1911-1997.html</a><br />
Biographische Skizze dieses Kriegspropagandisten, der u.a.1944 Tipps zur Rechtfertigung der Ermordung der ungarischen Juden gab und nach dem Krieg zum Bestsellerautor der angeblich sauberen deutschen Kriegführung im Osten avancierte.</p>
<p>2. Die Kontinuität des Journalisten: Paul Karl Schmidt alias Paul Carell<br />
http://<a href="http://www.historisches-centrum.de/forum/benz04-2.html">www.historisches-centrum.de/forum/benz04-2.html</a><br />
Vortragstext für die vom Zentrum für Deutsche Studien des Instituts für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften Moskau, der Friedrich Ebert Stiftung Moskau und dem Verein für Geschichte des Weltsystems e.V. am 24./25.9.2004 in Moskau veranstaltete internationale Historikertagung zum Großthema ‚Die deutsche und die russische Auseinandersetzung mit der Diktatur’.</p>
<p>3. Paul Karl Schmidt alias Paul Carell und die Durchsetzung der Alleintäterthese beim SPIEGEL. Zum aktuellen (Rechts-)Streit zwischen SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk<br />
http://<a href="http://www.zlb.de/projekte/kulturbox-archiv/brand/benz2006.htm">www.zlb.de/projekte/kulturbox-archiv/brand/benz2006.htm</a><br />
Beitrag für das Reichstagsbrandforum der Landesbibliothek Berlin mit dem Nachweis, dass Schmidt-Carell schon im SPIEGEL vom 16. Januar 1957 die These vom Alleintäter van der Lubbe beim Reichstagsbrand 1933 lanciert hat.</p>
<p>4. „Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd sprechen“. Paul Karl Schmidt-Carells Holocaust PR 1944:<br />
<a href="http://friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/zweiter_weltkrieg/das_unternehmen_barbarossa_1941__1">http://friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/zweiter_<br />
weltkrieg/paul_karl_schmidt_carells_holocaust_pr_19 . </a>Online-Version des gleichnamigen Beitrages in Praxis Geschichte 4/2004, S. 44-47.</p>
<p>5. Paul Carells &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220;. Ribbentrops Pressechef Paul K. Schmidt als Protagonist der „sauberen“ Wehrmacht und „präventiven“ Kriegführung 1941 bis 1995:<br />
<a href="http://www1.historisches-centrum.de/forum/benz05-1.html">http://www1.historisches-centrum.de/forum/benz05-1.html </a></p>
<p><strong>IV. Paul-Carell-Buch &#8211; Rezeption bis 2010</p>
<p>1. Rundfunksendungen:</strong></p>
<p>- Bayern 2 Radio IQ-Sendung &#8222;Der Reichstagsbrand – ein Kriminalfall aus der Nachkriegszeit&#8220;. Autoren: Gerhard Brack, Tobias Hübner; Redaktion: Rainer Volk; Sendedatum: 23. Februar 2006, 18.06-18.30 Uhr;<br />
- WDR 3 Radio in der Sendung Tageszeichen am 23.8.2006 um 19.45 Uhr unter dem Thema „Unternehmen Barbarossa. Hans-Detlev von Kirchbach beschreibt die Nachkriegskarriere eines alten Kämpen aus Ribbentrops Außenministerium.“ Buchkritik des Autors der WDR-Sendung: <a href="http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10089">http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10089 </a></p>
<p><strong>2. Printmedien (ohne Rezensionen)</strong></p>
<p>- Rotenburger Rundschau v. 24.8.2005, S. 1 u.6 : Zweite Karriere von Scheeßel aus: NS-Pressechef Paul Schmidt-Carell wird zum gefeierten Autor über den Weltkrieg. Von Roland Meyer. (Wochenzeitung am jahrzehntelangen Wohnort Schmidt-Carells). Auch online unter: <a href="http://www.rotenburger-rundschau.de/index.php?menu=55&amp;command=showartikel&amp;ID=38819&amp;such=paul+carell">http://www.rotenburger-rundschau.de/index.php?menu=55&amp;command=showartikel&amp;ID=38819&amp;such=paul+carell </a><br />
- Süddeutsche Zeitung Nr. 135, v. 14./15. Juni 2006, S. 15: „Ich hatt´ einen Kameraden. Ein Prozess, den der &#8222;Spiegel&#8220; gegen den Bayerischen Rundfunk führt, wirft unvermutet Licht auf die Vergangenheit des Nachrichtenmagazins. Von Willi Winkler<br />
- M &#8211; MENSCHEN &#8211; MACHEN &#8211; MEDIEN 9/2006. Hrsg. von der Gewerkschaft Ver.di: Verharmlosung im Rückblick. Kritiker vermissen bis heute offenen Umgang des SPIEGEL mit seiner braunen Vergangenheit. Online unter:<br />
<a href="http://mmm.verdi.de/archiv/2006/09/journalismus/verharmlosung_im_rueckblick">http://mmm.verdi.de/archiv/2006/09/journalismus/<br />
verharmlosung_im_rueckblick </a><br />
- KONKRET 11/2006, S. 24 f.: Paul und der Reichstagsbrand. Eine unendliche „Spiegel“-Geschichte. Von Peer Heinelt<br />
- KONKRET 1/2007, S. 27: „Es gibt kein aktuelleres Thema“. Ein Nachtrag zu Peer Heinelts „Paul und der Reichstagsbrand“ (Heft 11/06) zum Fall des NS-Außenamts- und &#8222;Spiegel&#8220;-Mitarbeiters P.K.S. Von Michael Schröders.</p>
<p><strong>3. In Büchern anderer Autoren (geordnet nach Erscheinungsjahr)</strong></p>
<p>- Deiseroth, Dieter (Hg.): Der Reichstagsbrand und der Prozess vor dem Reichsgericht. Berlin: Tischler 2006 (Beitrag Alexander Bahar)<br />
- Handbuch Regierungs PR. Öffentlichkeitsarbeit von Bundesregierungen und deren Beratern. Hrsg. v. Miriam Melanie Köhler / Christian H. Schuster. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006 (Beitrag Michael Kunczik)<br />
- Matthäus, Jürgen/Mallmann, Klaus-Michael (Hg.): Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft WBG 2006 (Beitrag Frank Bajohr)<br />
- Wrochem von, Oliver: Erich von Manstein: Vernichtungskrieg und Geschichtspolitik. Paderborn: Schöningh 2006<br />
- Merseburger, Peter: Rudolf Augstein. Biographie. München: Deutsche Verlags-Anstalt DVA 2007<br />
- Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt a.M.: S. Fischer 2007<br />
- Rutz, Rainer: Signal: Eine deutsche Auslandsillustrierte als Propagandainstrument im Zweiten Weltkrieg. Essen: Klartext  2007<br />
- Mish, Carsten und Christoph Cornelißen: Die &#8222;Aktion wider den undeutschen Geist&#8220; in Kiel, in: Julius H. Schoeps / Werner Tress (Hg.): Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933, Hildesheim 2008, S. 527-543<br />
- Kellerhoff, Sven Felix: Der Reichstagsbrand. Die Karriere eines Kriminalfalls. Berlin be.bra 2008<br />
- Schwarz, Hans-Peter: Axel Springer: Die Biografie. Berlin: Propyläen/Ullstein 2008<br />
- Weitkamp, Sebastian: Braune Diplomaten: Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der „Endlösung“. Bonn: J.H.W. Dietz 2008<br />
- DIE ZEIT und die Bonner Republik. Eine meinungsbildende Wochenzeitung zwischen Wiederbewaffnung und Wiedervereinigung. Hrsg. v. Christian Haase und Axel Schildt. Göttingen: Wallstein 2008 (Beiträge Axel Schildt, Christian Haase, Alexander Gallus und Detlef Bald)<br />
- Stepanova, Elena: Den Krieg beschreiben: Der Vernichtungskrieg im Osten in deutscher und russischer Gegenwartsprosa. Bielefeld: transcript 2009<br />
- Plöger, Christian: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Marburg: Tectum Verlag 2009 (zugl.: Münster, Univ. Diss. 2009)<br />
Aus dem Vorwort der Dissertation, S. 13 f.:<br />
&#8222;Es war die Rezension von Rainer Blasius in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) im August 2005, die mich auf Paul Karl Schmidt stoßen ließ. Der FAZ-Redakteur besprach die einhundert Seiten starke Studie von Wigbert Benz über Paul Carell, wie sich Schmidt nach 1945 nannte. Sie weckte spontan das Interesse in mir, mich näher mit dem früheren Pressesprecher von NS-Außenminister Joachim von Ribbentrop zu beschäftigen. Die Arbeit von Benz (Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945, Berlin 2005) war und ist sehr instruktiv, ließ aber noch genügend Spielraum, sich Schmidt wissenschaftlich weiter zu nähern. Zumal sich mit ihm zu meinem großen Erstaunen zuvor niemand, von einigen Journalisten abgesehen, näher befasst hat, obwohl er als erfolgreichster Autor von Büchern über die großen Schlachten des Zweiten Weltkrieges weiter im Licht der Öffentlichkeit gearbeitet hat. (&#8230;)<br />
Mein erster und mit Abstand größter Dank gilt daher Wigbert Benz. Der Geschichtslehrer, der seine Freizeit für das Sujet Schmidt geopfert hat, hat mir nicht nur die Idee für meine Arbeit geliefert. Er hat mich zudem, nach anfänglicher Skepsis, nicht nur nach Kräften unterstützt, sondern auch über die gesamte Zeit kontinuierlich begleitet. Er hat mir mit vielen Ideen, Hinweisen und auch Kritik wie kein zweiter geholfen. Wigbert Benz hat einen nicht groß genug zu würdigenden Anteil an dieser Arbeit.&#8220;</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/wigbertbenz.wordpress.com/26/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/wigbertbenz.wordpress.com/26/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=26&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Zum Hungerplan beim Russlandfeldzug 1941</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 14:10:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nationalsozialismus/Zweiter Weltkrieg, insbesondere Russlandfeldzug bzw. "Unternehmen Barbarossa" 1941]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; neu. Buchinfo 2011 – Wigbert Benz: Der Hungerplan im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941. Wissenschaftlicher Verlag Berlin wvb. Berlin 2011 &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; Bei dem im Folgenden publizierten Beitrag handelt es sich um den in Auszügen zitierten Aufsatz von Wigbert Benz: Kalkül und Ideologie – Das Hungervorhaben im „Unternehmen Barbarossa“ 1941. In: Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=91&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br />
<a href="http://www.wvberlin.com/programm/shop/einzelansicht/?tt_products%5BbackPID%5D=36&amp;tt_products%5Bproduct%5D=483&amp;cHash=9d4bf356b40e3b6b5187c581ba89961b"><strong>neu. Buchinfo 2011 – Wigbert  Benz: Der Hungerplan im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941. Wissenschaftlicher Verlag Berlin wvb. Berlin 2011</strong></a><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>
<p>Bei dem im Folgenden publizierten Beitrag handelt es sich um den in Auszügen zitierten Aufsatz von Wigbert Benz: Kalkül und Ideologie – Das Hungervorhaben im „Unternehmen Barbarossa“ 1941. In: Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Klaus Kremb. Wochenschau Verlag. Schwalbach/Ts 2010, S. 19-37. </p>
<p><strong>1. Zum extremen Charakter des Russlandfeldzugs</strong><br />
<strong>2. Das Kalkül des Hungervorhabens</strong><br />
<strong>3. Die Konzeption des Hungervorhabens</strong><br />
<strong>4. Fußnoten</strong><br />
<strong>5. Hinweis</strong><br />
<strong>6. Rezension <em>Badische Neueste Nachrichten</em> v. 3.4.2010</strong><br />
<strong>7. Rezension <em>Erziehung und Wissenschaft</em>/Beilage <em>Die Unterrichtspraxis</em> v. 18.6.2010</strong><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br />
<span id="more-91"></span></p>
<p><strong>1. Zum extremen Charakter des Russlandfeldzugs</strong></p>
<p>„27 Millionen. So viele Sowjetbürger starben als Opfer des deutschen Krieges zwischen 1941 und 1945“, schreibt der Historiker und langjährige Leiter des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst, Peter Jahn, und stellt mit Bezug auf die Realitäten der Erinnerungskultur im vereinten Deutschland fest: „Es ist eine Zahl, die viele hierzulande nicht kennen. Oder nicht kennen wollen.“(1) </p>
<p>Diese ungeheure Dimension des Leidens hängt mit dem besonderen Charakter des Russlandfeldzuges als Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg zusammen, der Kriegsmittel und Kriegsziel zugleich war.(2) In seiner bahnbrechenden Habilitationsschrift über Hitlers Strategie hatte Andreas Hillgruber schon 1965 vier politisch-wirtschaftliche Zielkomplexe auf rassenideologischer Grundlage als Motive des NS-Regimes für den Krieg gegen die UdSSR herausgearbeitet, die von der heutigen Forschung als konstitutiv für die Kriegsführung angesehen werden.<br />
·	die Vernichtung der „jüdisch-bolschewistischen“ Führungsschicht sowie der Juden selbst, da sie die „biologische Wurzel“ des Bolschewismus seien;<br />
·	die Gewinnung von Kolonial- und Lebensraum für das Dritte Reich;<br />
·	die Dezimierung und Unterwerfung der slawischen Bevölkerung;<br />
·	die Errichtung eines autarken, blockadefesten Kontinentaleuropa unter der Vorherrschaft Deutschlands als Plattform zur Erringung einer Weltmachtstellung.(3)</p>
<p>Hitlers „Ostprogramm“ stellte ein Amalgam von strategischen, ökonomischen und rassenideologischen Elementen dar. Dessen rassenideologische Basis hatte auch eine praktische, sozusagen für den intendierten Eroberungskrieg funktional günstige Seite. Der Kampf um „Lebensraum im Osten“ rechtfertigte den Krieg als Recht des Stärkeren zur Durchsetzung machtpolitischer und wirtschaftlicher Interessen in einer nach der vermeintlichen rassischen Wertigkeit ihrer Völker eingeteilten Welt. Für die geplante Unterwerfung der Sowjetunion war es von Vorteil, die slawischen Völker als „Untermenschen“ anzusehen. Deren entmenschlichter Status ermöglichte den Abbau moralischer Barrieren für die notwendige Entgrenzung von Gewalt im „totalen Krieg“, der zwecks Optimierung seiner Erfolgsaussichten auch mit inhumansten Mitteln geführt werden sollte. Zumindest die strategischen und ökonomischen Zielsetzungen wurden von relevanten Teilen der deutschen Eliten mitgetragen. Der Militärhistoriker Jürgen Förster konstatierte schon vor zwei Jahrzehnten eine weitgehende „Übereinstimmung von Militärs, Wirtschaftlern und Diplomaten mit Hitler in bezug auf die Gewinnung des ‚russischen Raumes‘, auf seine Nutzung sowie die Behandlung der slawischen Bevölkerung.“(4) Diese Lebensraumprogrammatik war „kompatibel“ mit der veränderten militärstrategischen Situation im Sommer 1940, nachdem England und Frankreich schon im September 1939 aufgrund des deutschen Überfalls auf Polen entgegen Hitlers Erwartungen Deutschland den Krieg erklärt hatten und auch jetzt – nach der militärischen Niederwerfung Frankreichs – England nicht zum „Einlenken“ genötigt werden konnte. Mit der Wendung des Krieges gegen die Sowjetunion schien ein Konglomerat von Problemen und Zielsetzungen einer Lösung bzw. Realisierung greifbar nahe: Hier konnten Ernährungsbasis und Rohstoffe für einen langen Krieg gewonnen, Deutschland unangreifbar gemacht, der „jüdische Bolschewismus“ vernichtet, „Lebensraum“ erobert und Großbritannien auf indirektem Wege in die Knie gezwungen werden. </p>
<p><strong>2. Das Kalkül des Hungervorhabens</strong></p>
<p>Zum Wohlergehen des Reiches war dem zu erobernden sowjetischen Territorium die Rolle zugedacht, bei niedrigstem Lebensstandard der einheimischen Bevölkerung billig Nahrungsmittel und Rohstoffe zu produzieren, die das Reich dann teuer in die westeuropäischen Länder verkaufen wollte, um die Kriegsschulden „unter möglichster Schonung des deutschen Steuerzahlers in wenigen Jahren abzudecken.“(5) Kurzfristig ging es der NS-Führung in erster Linie um die Abschöpfung von Nahrungsmitteln, um überhaupt eine Weiterführung des Krieges realisieren zu können. Eine Wiederholung des Hungers in Deutschland wie im Ersten Weltkrieg sollte unter allen Umständen vermieden werden, und zwar auf Kosten der Menschen in der Ukraine und Russland, deren millionenfacher Hungertod einkalkuliert war. So steht in der Aktennotiz einer Besprechung der Staatssekretäre schon sechs Wochen vor Beginn des Überfalls:</p>
<p>„1. Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Russland ernährt wird.<br />
2. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“(6)</p>
<p>Dieses Ergebnis einer Sitzung der Staatssekretäre aller wirtschafts- und sozialpolitisch wichtigen Ressorts mit dem Chef des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes im Oberkommando der Wehrmacht (OKW), General Georg Thomas, in dessen Unterlagen die Aktennotiz gefunden wurde, wird von dem britischen Wirtschaftshistoriker Adam Tooze in seinem jüngstem Werk zur Wirtschaftspolitik im Nationalsozialismus als „eines der außergewöhnlichsten Verwaltungsdokumente in der Geschichte des ‚Dritten Reiches’“ bezeichnet, verfasst „in einer Sprache die um ein Vielfaches unverblümter war als alle Begriffe, die je bei der Behandlung der ‚Judenfrage’ benutzt wurden“.(7) Es zeigt das extreme Hungerkalkül der deutschen Kriegsplaner für die Besatzungspolitik in der Sowjetunion.(8) Am gründlichsten wurde der Hintergrund der Besprechung von dem ebenfalls britischen Historiker Alex J. Kay 2006 untersucht und in den Kontext der wirtschaftlichen Planung für die deutsche Besatzungspolitik eingeordnet.(9) Initiiert wurde das Vorhaben, „zig Millionen Menschen verhungern“ zu lassen, von Göring und Führungsstellen der Wehrmacht. So hatte General Thomas schon am 20. Februar 1941 Hitler eine Denkschrift übersandt, in der er als realistische Zielsetzung erklärte, beim geplanten Russlandfeldzug soviel an landwirtschaftlichen Überschüssen herauszuholen, dass der deutsche Zuschussbedarf für 1941 und 1942 gedeckt sei sowie die Ernährungssituation in Deutschland auf hohem Niveau gehalten werden könne. Er schlug vor, den einheimischen Verbrauch in den zu erobernden Gebieten der UdSSR derart zu verringern, dass durch eine Getreideausbeute von vier Millionen Tonnen der Zuschussbedarf des gesamten deutschen Machtbereichs gedeckt werden sollte. Eine weitere Kernaussage seiner Denkschrift bestand darin, die Frage der Lösung des Ernährungsproblems durch die Ausbeutung der ukrainischen Getreidevorkommen mit der Lösung des Energieproblems durch die Eroberung der kaukasischen Erdölfelder zu verbinden. (10)</p>
<p><strong>3. Die Konzeption des Hungervorhabens</strong></p>
<p>Konzeptionell ausgearbeitet wurde das Hungervorhaben in erster Linie von Experten des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, unter dessen Staatssekretär Herbert Backe. Zum einen sollte die negative Ernährungsbilanz im Reich ausgeglichen werden, dessen Getreidevorräte eineinhalb Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges entscheidend zusammengeschmolzen waren. Zum anderen strebte man an, die Nachschubwege der Wehrmacht bei ihren geplanten gigantischen Vorstößen von allem zu entlasten, was nicht absolut notwendig erschien; d.h. die drei Millionen Soldaten sollten „aus dem Lande“ ernährt werden. Eine wesentliche Einschränkung des Nahrungsmittelverbrauchs in Deutschland galt als Tabu. Die konzeptionellen Überlegungen zu diesem Hungervorhaben mündeten in die am 23. Mai 1941 folgenden „Wirtschaftspolitischen Richtlinien“ des von General Thomas aufgebauten Wirtschaftsstabes Ost, zu der auch Backes Landwirtschaftsapparat gehörte.(11) Danach wurde die Sowjetunion in zwei landwirtschaftliche Großräume aufgeteilt, einmal die Überschussgebiete, die „Schwarzerdegebiete“ im Süden (Ukraine), Südosten und im Kaukasus, dann die Zuschussgebiete, die „Waldzone“ von Weißrussland bis zum Ural, einschließlich der Zentren Leningrad und Moskau, aber mit Ausnahme des Baltikums. Die Überschussgebiete sollten zugunsten der Wehrmacht, Deutschlands und des von ihm beherrschten Europas von den Zuschussgebieten abgeriegelt werden, die Menschen in den „Zuschussgebieten“ dem Hungertod ausgeliefert werden: „Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen.“(12)</p>
<p>	Auf Seiten der deutschen politischen und militärischen Führung rechnete man mit etwa 30 Millionen Hungertoten. Diese Zahl ergibt sich aus Angaben Görings im November 1941 gegenüber dem italienischen Außenminister Graf Ciano und Aussagen des Höheren SS- und Polizeiführers von dem Bach-Zelewski in Nürnberg 1946.(13) Sie wurde durch den konkreten Kriegsverlauf, der ja bekanntlich u.a. die geplante Eroberung von Moskau nie möglich machte, nicht erreicht. Aber indirekt trug die Wehrmacht doch zur partiellen Realisierung des Hungerkalküls bei, da der Frontverlauf ja Millionen von Sowjetbürgern von ihren wichtigsten Nahrungsquellen abschnitt und die ukrainische Ernte zum Nutzen der Deutschen freisetzte, während die Sowjets gezwungen waren, ihre Truppen mit dem Wenigen zu versorgen, was von der sowjetischen Landwirtschaft noch übrig war. Die Lage hinter den sowjetischen Linien war von ständigem Hunger und vielen Hungertoten geprägt. Wie Peter Jahn in seinem ZEIT-Artikel, schätzt Hans-Heinrich Nolte unter Einbeziehung russischer Forschungen die Zahl der sowjetischen Menschenopfer auf 26 bis 27 Millionen, darunter ca. sieben Millionen Hungertote hinter der Front.(14) </p>
<p>In der Anerkennung dieser Fakten besteht in der Forschung weitgehender Konsens. Strittig sind das Ausmaß der Involvierung der Wehrmacht in diese Hungerstrategie sowie die begriffliche Fassung des Hungervorhabens.(15) Zur Klärung der ersten Frage gilt es zu erörtern, inwieweit die Truppe von dem Vorhaben erfuhr, dass in diesem Feldzug von vornherein der Hungertod von Millionen sowjetischen Zivilisten einkalkuliert war, denn die wirtschaftspolitischen Richtlinien vom 23. Mai 1941 waren ein internes Papier und kursierten nur in den Führungsstellen des Wirtschaftsstabes Ost. Immerhin wurde ein Teil der Richtlinien in die Kreislandwirtschaftsführer-Mappe, die so genannte „Gelbe Mappe“ vom 1. Juni 1941 übernommen, doch auch deren Verbreitung blieb auf die Wirtschaftsdienststellen, hier die Landwirtschaftsführer, beschränkt.(16) Dagegen war der in hoher Auflage gedruckte erste Teil der „Richtlinien für die Führung der Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten“ des Wirtschaftsführungsstabs Ost vom Juni 1941, die sogenannte „Grüne Mappe“, für den Dienstgebrauch nicht nur der Wirtschaftsdienststellen, sondern auch der Truppenführung bestimmt. Dieses „grundlegende Wirtschafts-Handbuch im Osten“ diente auch den Quartiermeisterabteilungen der Kommandobehörden vor Ort zur Orientierung.(17) In der „Grünen Mappe“ wurde das Hungerkalkül weniger unverblümt und eher zwischen den Zeilen formuliert, doch auch sie ließ keinen Zweifel an dem unbedingten Ziel, der vollständigen Verpflegung der Truppe aus dem Lande sowie der maximalen Ausnutzung der besetzten Gebiete für Deutschland und nannte die schrecklichen Folgen: „Nur diejenigen Gebiete werden wirtschaftlich gefördert und vordringlich in Ordnung gehalten werden müssen, in denen bedeutende Ernährungs- und Mineralölreserven für uns erschlossen werden können. In anderen Landesteilen, die sich nicht selbst ernähren können – also in großen Teilen Nord- und Mittelrusslands –, muss sich die Wirtschaftsführung auf die Ausnutzung der vorgefundenen Vorräte beschränken.“(18) Jeder konnte also erkennen, dass die Devise lautete: Ausnutzung statt Ernährung. </p>
<p>Auf der Basis dieser Fakten scheint es von zweitrangiger Bedeutung, wie das Hungervorhaben begrifflich gefasst wird: als Hungerplan, Hungerkalkül oder fahrlässige Inkaufnahme von vielen Millionen Hungertoten, um die Nahrungsmittel des zu erobernden sowjetischen Gebietes für die Bedürfnisse des Reiches auszubeuten. Während Rolf-Dieter Müller zur Bezeichnung des Tatbestandes die Begriffe „Hungerpolitik“ und „Hungerplan“ geprägt hat und Christian Gerlach von einem „Völkermordplan“, ja sogar vom „größten Massenmordplan der Geschichte“ spricht, plädiert Johannes Hürter dafür, dass „besser von einem ‚Hungerkalkül’ gesprochen werden (sollte), denn der Hunger wurde – mit Ausnahme der Belagerung Leningrads – nicht als Waffe oder als Mittel zum Ziel der Ausnutzung des besetzten Landes eingesetzt, sondern als ‚zwangsläufige’ Folge einer Besserstellung der eigenen Truppe und Heimat angesehen [...] Die verbrecherischen Konsequenzen dieser Politik, in der sich militärstrategisches und wirtschaftliches Kalkül mit der nationalsozialistischen Rassen- und Lebensraumideologie verband, werden dadurch freilich nicht relativiert.“(19)</p>
<p><strong>4. Fußnoten</strong></p>
<p>(1) Peter Jahn: 27 Millionen, in: DIE ZEIT v. 14.6.2007, S. 90.<br />
(2) Vgl. Rolf-Dieter Müller u. Gerd R. Ueberschär: Hitlers Krieg im Osten 1941-1945. Ein Forschungsbericht, Darmstadt 2000.<br />
(3) Andreas Hillgruber: Hitlers Strategie. Politik und Kriegführung 1940-1941. Frankfurt a.M. 2. Aufl. 1982, S. 519f.; vgl. dazu den Forschungsbericht von Müller und Ueberschär (wie Anm. 2).<br />
	(4) Jürgen Förster: Das Unternehmen „Barbarossa“ – eine historische Ortsbestimmung, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 4: Der Angriff auf die Sowjetunion, Stuttgart 1983 , S. 1079-1088, hier S. 1080.<br />
(5) Hans-Heinrich Nolte: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941. Text und Dokumentation, Hannover 1991, S. 70. Der Band enthält eine Reihe von Dokumenten zur wirtschaftlichen Ausbeutungs- und Hungerpraxis im „Unternehmen Barbarossa“, vor allem die Dok. Nr. 25-28, 33-35, 57-60 und 76.<br />
(6) Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa, 2.5.1941, in: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof. Nürnberg 14. Oktober 1945 &#8211; 1. Oktober 1946. 42 Bde., Nürnberg 1947ff., hier Bd. 31, S. 84 (Dokument 2718-PS); siehe auch Nolte (wie Anm. 5), Dok. 25, S. 121.<br />
(7) Adam Tooze: Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, Berlin 2007, S. 552. Die englische Originalausgabe erschien 2006 unter dem Titel „The Wages of Destruction. The making and Breaking of the Nazi Economy” by Allen Lane, London.<br />
(8) Grundlegend zur Hungerpolitik: Rolf-Dieter Müller: Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 4. Der Angriff auf die Sowjetunion, Stuttgart 1983, S. 98-189, hier S. 146ff.; Götz Aly und Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung. Frankfurt a.M. 1993, S. 365-393; Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland 1941 bis 1944, Hamburg 1999, insbesondere S. 46-76.<br />
(9) Alex J. Kay: Germany’s Staatssekretäre, Mass Starvation and the Meeting of 2 May 1941, in: Journal of Contemporary History, Vol 41/4 (Oktober 2006), S. 685-700; siehe auch die Dissertation Kays an der Humboldt Universität Berlin: Exploitation, Resettlement, Mass Murder. Political and Economic Planning for German Occupation Policy in the Soviet Union 1940-1941, New York – Oxford 2006.<br />
(10) So Rolf-Dieter Müller (wie Anm. 8), S. 126f.<br />
(11) Ebenda, S. 129ff. und S. 143-157. Vgl, auch derselbe: Das „Unternehmen Barbarossa“ als wirtschaftlicher Raubkrieg, in: Gerd R. Ueberschär u. Wolfram Wette (Hg.): „Unternehmen Barbarossa“. Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941. Berichte, Analysen, Dokumente. Paderborn 1984, S. 173-196. Der Band von Ueberschär und Wette erschien 1991 unter dem Titel „Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Das ‚Unternehmen Barbarossa’ 1941“ auch als Fischer-Taschenbuch und enthält einen ausführlichen Dokumententeil zum Vernichtungscharakter des Russlandfeldzugs.<br />
(12) Wirtschaftspolitische Richtlinien für die Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft, 23.5.1941, in: Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher (wie Anm. 6) Bd. 36, S. 135-157 (Dokument 126-EC); siehe auch Nolte (wie Anm. 5), S. 122f. (Dok. 26) und Ueberschär/Wette (wie Anm. 11), S. 387ff.<br />
(13) Christian Gerlach (wie Anm. 8), S. 52-55.<br />
	(14) Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Russlands, Stuttgart 1998, S. 253-263.<br />
(15) So reduziert Klaus Jochen Arnold die Verantwortung für das Hungerkalkül auf Hitler, Göring und Backe. Das Handeln der übrigen Wehrmachtsoffiziere sei durch Sachzwänge determiniert gewesen. Vgl. ders.: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Kriegführung und Radikalisierung im „Unternehmen Barbarossa“, Berlin 2005, insbesondere S. 85-100 u. S. 242-325.<br />
(16) Christian Gerlach (wie Anm. 8), S. 48, dort Anm. 69.<br />
(17) Rolf-Dieter Müller (wie Anm. 8), S. 147f.; Die Wirtschaftspolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten 1941 bis 1943. Der Abschlussbericht des Wirtschaftsstabes Ost und Aufzeichnungen eines Angehörigen des Wirtschaftskommandos Kiew. Hrsg. u. eingeleitet v. Rolf-Dieter Müller, Boppard a. Rh. 1991, S. 35 (Abschlussbericht Nagels 1944).<br />
(18) Dokumentiert in: Fall Barbarossa. Dokumente zur Vorbereitung der faschistischen Wehrmacht auf die Aggression gegen die Sowjetunion (1940/41). Ausgewählt u. eingeleitet v. Erhard Moritz, Berlin (Ost) 1970), S. 363-399, hier S. 366.<br />
(19) Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42, München 2006, S. 491; vgl. Rolf-Dieter Müller (wie Anm. 8), passim, und Christian Gerlach (wie Anm. 8), S. 48 u. S. 1128. – Nicht überzeugen können die Einlassungen Stefan Scheils in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 13.12.2006 u. 16.5.2007 zu dem in Anm. 9 genanten Aufsatz von Alex J. Kay. Scheil negiert den Begriff „Hungerplan“, in dem Sinne, dass er die Mitverantwortung der Wehrmacht an dem Hungervorhaben bestreitet. In seinen Antworten an Scheil in der gleichen Zeitung v. 14.2. u. 13.6.2007 stellt Kay klar, dass der Streit um den plakativen Begriff „Hungerplan“ bzw. das Ausmaß dessen konkreter Ausarbeitung weder das Vorhandensein mindestens eines Grobplanes oder Konzeptes noch die Verantwortlichkeiten auch von Wehrmachtsvertretern für die Hungerpraxis ungeschehen machen kann.</p>
<p>(&#8230;.)</p>
<p><strong>5. Hinweis:</strong> Es handelt sich um ein auszugsweises Zitieren des 18seitigen Originalbeitrages in dem oben genannten Taschenbuch, der noch drei weitere Gliederungspunkte und einen Quellenanhang enthält. Einschließlich Inhaltsverzeichnis und Gliederung zu eruieren auf der Homepage des <a href="http://www.wochenschau-verlag.de">Wochenschau-Verlages</a></p>
<p>______________________________________</p>
<p><strong>6. Rezension <em>Badische Neueste Nachrichten</em> 3.4.2010</strong></p>
<p><strong>Das politische Buch</strong></p>
<p><strong>Weltordnungskonzepte</strong></p>
<p>„Miserable Stimmung. Ich weiß nicht, ob Fröhlichkeit zu mir noch mal zurückkommt“ Diesen Satz schreibt der russische Junge Jurja Rjabinkin zwischen dem 1. September 1941 und dem 6. Januar 1942 in sein Tagebuch. Der Schüler lebt zu dieser Zeit im besetzten Leningrad &#8211;  und bekommt dort die Wirtschaftspolitik des Nationalsozialismus in ihrer ganzen Härte zu spüren.</p>
<p>In seinem Aufsatz &#8222;Kalkül und Ideologie &#8211; Das Hungervorhaben im ‚Unternehmen Barbarossa’ 1941&#8243; beschreibt der Karlsruher Autor Wigbert Benz die Ausbeutung der Nahrungsmittel in Russland für die Zwecke der Besatzer. Ziel sei es gewesen, die negative Ernährungsbilanz im Deutschen Reich auszugleichen, schreibt Benz. Der Hungertod von Millionen Menschen sei von vornherein einkalkuliert gewesen, so der Autor. Sein Text ist Teil des Sammelbands &#8222;Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts&#8220;, das  einen anschaulichen Überblick über dieses „Jahrhundert der Extreme&#8220; liefert. Dabei geht es um Demokratie und Antidemokratie, um Menschenrechte und Genozide, um Selbst- und Fremdbestimmung.</p>
<p><em>Klaus Kremb (Hrsg.): Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts, Schwalbach 2010. ISBN-Nr.: 978-3-89974543-6.</em>	tima</p>
<p>Quelle: Badische Neueste Nachrichten v. 3.4.2010, S. 4; Rezensentin: Tina Mayer (=tima), Politikredakteurin der BNN<br />
_______________________________________</p>
<p><strong>7. Rezension <em>Erziehung und Wissenschaft</em>/Beilage <em>Die Unterrichtspraxis</em> v. 18.6.2010</strong></p>
<p>Das „Jahrhundert der Extreme“</p>
<p>Klaus Kremb (Hrsg.):<br />
Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts.<br />
Schwalbach/Ts. 2010, Wochenschau Verlag, 128 Seiten, 9,80 Euro</p>
<p>Wie lässt sich das 20. Jahrhundert auf den Begriff bringen? Wie sehen die Entwicklungslinien in einer von Zäsuren und Widersprüchen geprägten Welt aus? Wohl keine andere weltgeschichtliche Darstellung des 20. Jahrhunderts wurde seit ihrem Erscheinen so oft zitiert wie die des britischen Sozialhistorikers Eric Hobsbawm. Mit seinem Buch &#8222;Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts&#8220; (München/Wien 1995) hat Hobsbawm dem &#8222;kurzen 20. Jahrhundert“ &#8211; so der Untertitel im englischen Original &#8211; eine analytische Struktur gegeben und zugleich einen Orientierungspunkt für den historisch-politischen Diskurs gesetzt. Das &#8222;Zeitalter der Extrerne&#8220; setzt mit dem Ersten Weltkrieg ein und endet mit dem Zerfall der Sowjetunion. Das Buch gliedert sich in drei Epochen. Die Untergliederung umfasst das &#8222;Katastrophenzeitalter&#8220; (1914-1945), dann das &#8222;Goldene Zeitalter&#8220; der Wiederaufbauperiode, die Vollbeschäftigung, Wirtschaftswachstum und Wohlstand für viele brachte (1945-1975). Die dritte Epoche nennt Hobsbawm schlicht den&#8220; Erdrutsch&#8220;. In dem vorliegenden Sammelband werden diese grundsätzlichen Entwicklungslinien konzise herausgearbeitet und mit Schlüsselquellen belegt. Der einleitende Beitrag von Klaus Kremb gibt einen Überblick über das &#8222;Jahrhundert der Extreme&#8220;, indem er die wesentlichen &#8222;Hoffnungen und Enttäuschungen&#8220; als Prägekräfte des Jahrhunderts aufgreift. Er skizziert fünf Begriffspaare (Dernokratie &#8211; Antidemokratie; Menschenrechte &#8211; Genozide; Selbstbestimmung &#8211; Fremdbestimmung; Integration &#8211; Konfrontation; Positiver Friede – Alte Kriege) und erörtert in einem weiteren Schritt vier wesentliche Weltordnungsdynamiken, die das 20. Jahrhundert prägten.</p>
<p>In vier nachfolgenden Beiträgen werden zentrale Aspekte der einzelnen Weltordnungskonzepte erörtert und das liberale, kommunistische und nationalsozialistische Modell sowie die Dekolonisation als historisch und politisch wirkmächtige Konzepte des 20. Jahrhunderts analysiert.</p>
<p>Wigbert Benz (Karlsruhe) zeigt, wie am Beispiel des Hungervorhabens im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; (1941) Kalkül und Ideologie in der Konfrontation des nationalsozialistischen und kommunistischen Weltordnungskonzeptes zusammenfließen und in menschenverachtender Barbarei münden (S. 19-38). Der extreme Charakter des Russlandfeldzugs, der ein Eroberungs, Versklavungs- und Vernichtungskrieg war, erklärt sich durch die politisch-wirtschaftlichen Zielsetzungen des NS-Regimes: (1) die Vernichtung der &#8222;jüdisch-bolschewistischen&#8220; Führungsschicht sowie der Juden selbst; (2) die Eroberung von &#8222;Lebensraum&#8220;; (3) die Dezimierung und Unterwerfung der slawischen Bevölkerung; (4) die Errichtung eines autarken Kontinentaleuropa unter deutscher Vorherrschaft (S. 19f.). Die Strategie beruhte letztlich auf rassenideologischen Motiven. Benz arbeitet gerade diesen Aspekt schlüssig heraus und konstatiert, dass es für die Kriegsführung von Vorteil war, die &#8222;slawischen Völker als Untermenschen&#8217; anzusehen&#8220; (S. 20). Gerade deren &#8222;entmenschlichter Status ermöglichte den Abbau moralischer Barrieren für die notwendige Entgrenzung von Gewalt im ‚totalen Krieg&#8217;, der ( &#8230; ) auch mit inhumansten Mitteln geführt werden sollte&#8220; (a.a.O.). So erklärt sich das Hungervorhaben, das den millionenfachen Hungertod von Menschen in der Ukraine und in Russland rational einkalkulierte.</p>
<p>Nachdem der Krieg anders verlief, konnte dieses Kalkül ideologisch überzeugter Schreibtischtäter und rational planender Bürokraten nicht umgesetzt werden. Trotzdem trug &#8222;die Wehrmacht doch zur partiellen Realisierung des Hungerkalküls bei&#8220; (S. 23). Dass die Lage hinter den sowjetischen Linien von ständigem Hunger und unzähligen Hungertoten gekennzeichnet war, belegt das Beispiel der 900 Tage andauernden Hungerblockade Leningrads. In der Summe fielen diesem Hungerkalkül sieben Millionen Menschen der ehemaligen Sowjetunion zum Opfer. Benz stellt dar, dass diese Hungerpraxis die meisten Opfer unter den sowjetischen Kriegsgefangenen forderte. Seriöse Schätzungen belegen, dass von den 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen mindestens 2,53 Millionen bzw. 3,3 Millionen in deutschem &#8222;Gewahrsam&#8220; umgekommen sind (S. 29). Der Beitrag von Wigbert Benz erinnert daran, dass die sowjetischen Kriegsgefangenen nach den europäischen Juden die zweitgrößte Opfergruppe des NS-Regimes bildet.</p>
<p>Die Rezension eines Sammelbandes kann nicht allen Beiträgen gleichermaßen gerecht werden. In der Folge werden die Beiträge, die sich auf den Zeitraum nach 1945 beziehen, kurz skizziert: Hans-Heinrich Nolte verortet zunächst Russland und Europa im Kontext des Weltsystems und geht historischen Zugängen nach, die das Beziehungsgeflecht zwischen Russland und Europa konturieren (S. 39-62). Jürgen Wilzewski erörtert den wohl zentralen und prägenden Konflikt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Kalten Krieg. Mit Blick auf die USA arbeitet er hierbei vier Kategorien heraus: Sicherheit, Macht, Moral und Norm (S. 63-95), Im letzten Beitrag setzt sich Kirsten Rüther mit der Entkolonialisierung und Unabhängigkeit der afrikanischen Staaten auseinander. Sie konzentriert sich auf das südliche Afrika und skizziert hierbei die afrikanische Perspektive (S. 96123).</p>
<p>Siegfried Frech</p>
<p>Quelle. Bildung und Wissenschaft, Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 6/2010 vom 18.Juni 2010, Beilage Die Unterrichtspraxis 5/2010, S. 40 – Der Rezensent ist Referent der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.</p>
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		<item>
		<title>Nationalsozialismus u. 2.Weltkrieg, insbesondere Russlandfeldzug in Wissenschaft und Unterricht</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Oct 2009 14:42:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nationalsozialismus/Zweiter Weltkrieg, insbesondere Russlandfeldzug bzw. "Unternehmen Barbarossa" 1941]]></category>

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		<description><![CDATA[I. Veröffentlichungen 1986-2011 bzw. Nr. 1-48 von Wigbert Benz &#8211; 1. Der Russlandfeldzug des Dritten Reiches&#8230; bei amazon.de (&#8230;) II. Websites von Wigbert Benz III. Der Russlandfeldzug als Vernichtungskrieg (Resümee) IV. Wehrmachtsangehörige zum Vernichtungskrieg (Quellen) V. &#8222;Viele 10 Millionen Menschen werden überflüssig&#8220; (Quelle) VI. Zur These vom Präventivkrieg im Osten (Resümee) VII. Lagebeurteilungen der Wehrmachtsabteilung [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=3&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>I. Veröffentlichungen 1986-2011 bzw. Nr. 1-48 von Wigbert Benz &#8211; 1. Der Russlandfeldzug des Dritten Reiches&#8230; <a href="http://www.amazon.de/Ru%C3%9Flandfeldzug-Bew%C3%A4ltigung-V%C3%B6lkermordes-Ber%C3%BCcksichtigung-Geschichtsunterrichts/dp/389228041X/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1265557479&amp;sr=1-2">bei amazon.de</a> (&#8230;)<br />
II. Websites von Wigbert Benz<br />
III. Der Russlandfeldzug als Vernichtungskrieg (Resümee)<br />
IV. Wehrmachtsangehörige zum Vernichtungskrieg (Quellen)<br />
V. &#8222;Viele 10 Millionen Menschen werden überflüssig&#8220; (Quelle)<br />
VI. Zur These vom Präventivkrieg im Osten (Resümee)<br />
VII. Lagebeurteilungen der Wehrmachtsabteilung &#8222;Fremde Heere Ost&#8220; (Quellen)<br />
VIII. Forschungsberichte/Standardwerke zum &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220;/Russlandfeldzug<br />
a) Müller, Rolf-Dieter u. Gerd R. Ueberschär: Hitlers Krieg im Osten 1941-1945. Ein Forschungsbericht (2000)<br />
b) Johannes Hürter Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42 (2006)<br />
c) Ilja Altman Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941-1945 (2008)</strong></em><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br />
<span id="more-3"></span></p>
<p><strong>I. Veröffentlichungen von Wigbert Benz:</strong></p>
<p>1. Der Russlandfeldzug des Dritten Reiches: Ursachen, Ziele, Wirkungen. Zur Bewältigung eines Völkermords unter Berücksichtigung des Geschichtsunterrichts. Frankfurt a.M.: Haag + Herchen Verlag 1986, 2. Auflage 1988 (= Examensarbeit für das Lehramt). Noch zu beziehen bei <a href="http://www.amazon.de/Ru%C3%9Flandfeldzug-Bew%C3%A4ltigung-V%C3%B6lkermordes-Ber%C3%BCcksichtigung-Geschichtsunterrichts/dp/389228041X/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1265557479&amp;sr=1-2">amazon.de</a>;<br />
2. NS-Völkermord in der UdSSR und Friedenserziehung im Geschichtsunterricht. In: karlsruher pädagogische beiträge. Zeitschrift der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe Jg. 7 (1986), H. 13/14, S. 57-69;<br />
3. NS-Vernichtungskrieg in der UdSSR &#8211; Quellen für den Geschichtsunterricht. In Geschichtsdidaktik (Patmos-Schwann Verlag) Jg. 12 (1987), H. 4, S. 395-400;<br />
4. Präventiver Völkermord? Zur Kontroverse um den Charakter des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion. In: Blätter für deutsche und internationale Politik Jg. 33 (1988), H. 10, S. 1215-1227;<br />
5. Zur Rezeption des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8220; in Geschichtsbüchern: Fakten und Tendenzen. In: Internationale Schulbuchforschung. Zeitschrift des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung Jg. 10 (1988), H. 4, S. 379-391;<br />
6. (K)eine Reise in die Vergangenheit wert? Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941 1945 in Schulbuchdarstellungen. In: Lehrerzeitung Baden-Württemberg Jg. 43 (1989), H. 11, S. 226-229;<br />
7. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa“ und der Vatikan. In: Blätter für deutsche und internationale Politik Jg. 34 (1989), H. 8, S. 981-991;<br />
8. Ursachen und Charakter des Zweiten Weltkrieges. Basisbeitrag. In: Praxis Geschichte (Westermann Schulbuchverlag) 5/1990, S. 6-13;<br />
9. Der andere Holocaust. Der deutsche Vernichtungskrieg in der Sowjetunion. In: Praxis Geschichte 5/1990, S. 26-31;<br />
10. &#8222;Untermenschen“ &#8211; Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam 1941-1945. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage der Lehrerzeitung Baden-Württemberg. H. 3-4/1991, S. 17-19;<br />
11. &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; &#8211; Der andere Holocaust. In: Verein für Friedenspädagogik Tübingen (Hg.): Rundbrief 2/1991; S.2-7;<br />
12. Unterrichtsmaterialien zur Planung des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8217; 1941 als Vernichtungskrieg. In: Verein für Friedenspädagogik Tübingen (Hg.): Rundbrief 2/1991; S.8-17;<br />
13. 22.Juni 1941: Krieg als Völkermord. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer (Wochenschau Verlag) 41/1991, S.51-55;<br />
14. Die Haltung des Vatikans zum &#8222;Unternehmen Barbarossa“. In: Schafranek, Hans / Streibel, Robert (Hg.): 22.Juni 1941. Der Überfall auf die Sowjetunion. Wien: Picus Verlag 1991, S.87-97;<br />
15. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion in Schulgeschichtsbüchern. In: Schafranek, Hans / Streibel, Robert (Hg.): 22.Juni 1941. Der Überfall auf die Sowjetunion. Wien: Picus Verlag 1991, S. 167-184;<br />
16. &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941: Bericht über das internationale Wiener Symposium zum 50.Jahrestag des deutschen Überfalls. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 42/1991, S. 57-64;<br />
17. Stalingrad &#8211; Gehorsam bis zur letzten Patrone? In: Spurensuche Geschichte. Anregungen für einen kreativen Geschichtsunterricht. Bd.4. Von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Hrsg. v. Peter Knoch. Stuttgart: Klett Schulbuchverlag 1992, S. 110- 113;<br />
18. Stalingrad im deutschen Schulbuch und Unterricht. In: Stalingrad. Mythos und Wirklichkeit einer Schlacht. Hrsg. v. Wolfram Wette u. Gerd R. Ueberschär. Frankfurt a.M. 1992, 4. Aufl. 2003 : Fischer Taschenbuchverlag, S. 240-246;<br />
19. Zustimmung und Widerstand im Nationalsozialismus. Basisbeitrag. In: Praxis Geschichte 3/1994, S.4-11;<br />
20. Bischof Graf von Galen &#8211; Euthanasiegegner und Kriegsbefürworter. In: Praxis Geschichte 3/1994, S. 18-22;<br />
21. Die thematische Behandlung des Zweiten Weltkriegs im Unterricht. In: Oldenbourg Geschichte für Gymnasien 13. Hrsg. v. Manfred Treml. München: Oldenbourg Verlag 1994, S.38-40;<br />
22. Die Vernichtung des jüdischen Bolschewismus&#8220;. Russlandfeldzug und Judenvernichtung. In: Praxis Geschichte 6/1995, S.28-32;<br />
23. Zur These vom deutschen Präventivkrieg 1941. In: Mitteilungen Nr. 125 (1996), hrsg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, S.8f.;<br />
24. Die Lüge vom deutschen Präventivkrieg 1941. In: Geschichte lernen (Friedrich Verlag in Zusammenarbeit mit Klett). H. 52 (1996): Legenden &#8211; Mythen &#8211; Lügen, S.54-59;<br />
25. Der 22.Juni 1941 und seine Vorgeschichte im Geschichtsunterricht der Bundesrepublik Deutschland. In: Gerd R. Ueberschär / Lev A. Bezymenskij (Hg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese. Darmstadt: Wissenschaftlichen Buchgesellschaft / Primus Verlag 1998, S.70-74;<br />
26. Wehrmacht und Vernichtungskrieg. Basisbeitrag. In: Praxis Geschichte 2/1999, S.4-11;<br />
27. Die 6.Armee und 90 Kinder in Bjelaja Zerkow. Die Wehrmacht vor Stalingrad. In: Praxis Geschichte 2/1999, S.28-31;<br />
28. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8217; 1941 &#8211; Vernichtungskrieg und historisch-politische Bildung. Schwerpunktthema. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 60/2000, S.5-33;<br />
29. 22.Juni 1941 &#8211; Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; als Vernichtungskrieg. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage zu &#8222;bildung und wissenschaft&#8220; der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 4 v. 16.5.2001, S.25-29;<br />
30. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa“ 1941. Wissenschaftliches Online-Forum. In: Arbeitskreis Militärgeschichte e.V. (Hg.): Newsletter Nr. 16 v. Januar 2002, S. 28f.;<br />
31. Stalingrad in deutschen Schulgeschichtsbüchern. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 66/2003, S.56-65 (russisch in: Nina Vashkau (Hg.):Stalingrad; chemu russkie i nemcy nauchilis’ za 60 let, Volgograd 2003, ISBN 5-85534-760-5);<br />
32. Die Nürnberger Dokumente NG 2424 und NG 2260. Zur Rolle von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell beim Judenmord in Ungarn 1944. In: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung. Hrsg. v. Werner Röhr. H. 22 (2004), S. 82-95;<br />
33. Paul Carell alias Paul Karl Schmidt. Kriegs- und Holocaustpropagandist. Wirken und Karriere des Pressechefs im NS-Außenministerium vor und nach 1945. In: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer 67/2004, S. 60-71;<br />
34. Feuersturm Dresden. Fakten und Legenden um die Bombardierung der Großstadt Dresden 1945. In: Praxis Geschichte 4/2004, S.18-23;<br />
35. Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd sprechen“. Paul (Karl) Schmidt-Carells Holocaust PR 1944. In: Praxis Geschichte 4/2004, S.44-47;<br />
36. Paul Carell – ein NS-Propagandist. In: Die Unterrichtspraxis. Beilage zu „bildung und wissenschaft“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Heft 2 v. 21.3.2005, S. 9-14;<br />
37. Die Kontinuität des Journalisten: Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. In: Auseinandersetzungen mit den Diktaturen. Russische und deutsche Erfahrungen. Hrsg. v. Hans Heinrich Nolte. Gleichen &#8211; Zürich 2005, S. 135-143;<br />
38. Paul Carell. Ribbentrops Pressechef Paul Karl Schmidt vor und nach 1945. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2005;<br />
39. Der Kriegspropagandist Paul Carell. Vom „Präventivkrieg“ der Wehrmacht zum „Ernstfall“ der Bundeswehr. In: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung. Hrsg. v. Werner Röhr. H. 28 / 2006, S.60-77;<br />
40. Kameraden. Reichstagsbrand: NS-Pressechef schreibt SPIEGEL-Geschichte. In: FREITAG. Die Ost-West-Wochenzeitung. Nr. 4/2007 v. 26.1.2007, S. 18;<br />
41. Der Reichstagsbrand. Neue Untersuchungen zur Täterschaft – weiterhin offene Fragen. In: Praxis Geschichte 1/2008, S. 50;<br />
42. Holocaust und Nachkriegskarriere. Das Fallbeispiel des NS-Pressechefs Paul (Karl) Schmidt alias Paul Carell. In: Ludwig-Marum-Stiftung (Hg.) 1998-2008. Rückblick – Überblick – Dokumentation. Pfinztal 2008, S. 152-155;<br />
43. Reichstagsbrand &#8211; noch Fragen? In: Ossietzky. Zweiwochenschrift für Politik / Kultur / Wirtschaft. Heft 2/2010, S. 61-63, auch online verfügbar: <a href="http://www.ossietzky.net/2-2010&amp;textfile=883">http://www.ossietzky.net/2-2010&amp;textfile=883</a> ;<br />
44. Kalkül und Ideologie. Das Hungervorhaben im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; 1941. In: Weltordnungskonzepte. Hoffnungen und Enttäuschungen des 20. Jahrhunderts. Hrsg. v. Klaus Kremb. Schwalbach/Ts: Wochenschau Verlag 2010, S. 18-37;<br />
45. „Einsatznah ausbilden“ mit Paul Karl Schmidt alias Paul Carell, Pressechef im Nazi-Außenministerium. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter oder Quellengeber offizieller Ausbildungsmaterialien der Bundeswehr. In: Forum Pazifismus. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gewaltfreiheit. 2. Quartal 2010. Nr. 26, S. 13-15;<br />
46. &#8222;Einsatznah ausbilden&#8220; mit NS-Pressechef. Führender NS-Propagandist als Ghostwriter von Bundeswehr-Ausbildungsmaterial. In: ZivilCourage. Nr. 3 &#8211; August 2010, S. 15.<br />
47. Der Hungerplan im „Unternehmen Barbarossa“ 1941. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2011<br />
48. Vergessener Vernichtungskrieg. Das „Unternehmen Barbarossa“. In: TRIBÜNE – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums. 50. Jg. Heft 198. 2. Quartal 2011, S. 60-64</p>
<p><strong>II. Websites von Wigbert Benz</strong></p>
<p>1. Das „Unternehmen Barbarossa“ 1941 – Vernichtungskrieg und historisch-politische Bildung:<br />
<a href="http://friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/zweiter_weltkrieg/das_unternehmen_barbarossa_1941__1">http://friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsentwuerfe/zweiter_<br />
weltkrieg/das_unternehmen_barbarossa_1941__1</a><br />
Darstellung der fachwissenschaftlichen und didaktischen Aspekte des Themas. Online-Version des gleichnamigen Beitrags aus den „Informationen für den Geschichtslehrer“ H.60/2000, S.5-33.</p>
<p>2. Englands &#8222;Festlandsdegen&#8220; Russland zerschlagen? Zur These vom Charakter des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8220; als Kompensationskrieg im Osten:<br />
<a href="http://www.historisches-centrum.de/forum/benz02-1.html">http://www.historisches-centrum.de/forum/benz02-1.html</a></p>
<p>3. Stalingrad in deutschen Schulgeschichtsbüchern:<br />
http://<a href="http://www.historisches-centrum.de/forum/benz03-1.html">www.historisches-centrum.de/forum/benz03-1.html</a></p>
<p>4. Stalingrad-Volgograd 1943-2003:<br />
http://<a href="http://www2.h-net.msu.edu/~museum/stalingrad.html">www2.h-net.msu.edu/~museum/stalingrad.html</a><br />
H-Museums Current Focus. 60 Jahre Erinnerungsgeschichte.</p>
<p>5. Paul Karl Schmidts (alias Paul Carell) propagandistische Vorschläge zur Ermöglichung und Rechtfertigung der Ermordung der Budapester Juden 1944:<br />
http://<a href="http://www.historisches-centrum.de/forum/benz03-2.html">www.historisches-centrum.de/forum/benz03-2.html</a><br />
Analytische Skizze zu den Nürnberger Dokumenten NG 2424 und NG 2260: Inhalte &#8211; Adressaten &#8211; Intentionen &#8211; Nachkriegswirkungen.</p>
<p>6. Die Präventivkriegsthese. Zu Ursachen und Charakter des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8220; 1941<br />
http://<a href="http://www.historisches-centrum.de/forum/benz04-1.html">www.historisches-centrum.de/forum/benz04-1.html</a></p>
<p>7. “Unternehmen Barbarossa“. Der Angriff gegen die Sowjetunion und der Holocaust<br />
<a href="http://www.shoa.de/zweiter-weltkrieg/ueberfall-auf-die-sowjetunion/173.html">http://www.shoa.de/zweiter-weltkrieg/ueberfall-auf-die-sowjetunion/173.html</a><br />
Resümiert wird der z.B. in Schulgeschichtsbüchern nur als Marginalie thematisierte Zusammenhang von Vernichtungskrieg im Osten und die Ermordung der Juden.</p>
<p>8. Die Präventivkriegsthese. Der Angriff gegen die Sowjetunion<br />
<a href="http://www.shoa.de/zweiter-weltkrieg/ueberfall-auf-die-sowjetunion/174.html">http://www.shoa.de/zweiter-weltkrieg/ueberfall-auf-die-sowjetunion/174.html</a><br />
Der weit verbreiteten Geschichtslegende, Hitler sei einem angeblich bevorstehenden Angriff Stalins nur zuvorgekommen, werden die wichtigsten Fakten entgegengehalten.</p>
<p>9. Paul Carell (1911-1997) . Kriegs- und Nachkriegskarriere des Pressechefs im NS-Außenministerium:<br />
http://<a href="http://shoa.de/drittes-reich/biographien/100-paul-carell-1911-1997.html">shoa.de/drittes-reich/biographien/100-paul-carell-1911-1997.html</a><br />
Biographische Skizze dieses Kriegspropagandisten, der u.a.1944 Tipps zur Rechtfertigung der Ermordung der ungarischen Juden gab und nach dem Krieg zum Bestsellerautor der angeblich sauberen deutschen Kriegführung im Osten avancierte.</p>
<p>10. Die Kontinuität des Journalisten: Paul Karl Schmidt alias Paul Carell<br />
http://<a href="http://www.historisches-centrum.de/forum/benz04-2.html">www.historisches-centrum.de/forum/benz04-2.html</a><br />
Vortragstext für die vom Zentrum für Deutsche Studien des Instituts für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften Moskau, der Friedrich Ebert Stiftung Moskau und dem Verein für Geschichte des Weltsystems e.V. am 24./25.9.2004 in Moskau veranstaltete internationale Historikertagung zum Großthema ‚Die deutsche und die russische Auseinandersetzung mit der Diktatur’.</p>
<p>11. Paul Karl Schmidt alias Paul Carell und die Durchsetzung der Alleintäterthese beim SPIEGEL. Zum aktuellen (Rechts-)Streit zwischen SPIEGEL und Bayerischem Rundfunk<br />
http://<a href="http://www.zlb.de/projekte/kulturbox-archiv/brand/benz2006.htm">www.zlb.de/projekte/kulturbox-archiv/brand/benz2006.htm</a><br />
Beitrag für das Reichstagsbrandforum der Landesbibliothek Berlin mit dem Nachweis, dass Schmidt-Carell schon im SPIEGEL vom 16. Januar 1957 die These vom Alleintäter van der Lubbe beim Reichstagsbrand 1933 lanciert hat.</p>
<p>12. „Die Gegner werden schreien und von Menschenjagd sprechen“. Paul Karl Schmidt-Carells Holocaust PR 1944:<br />
http://<a href="http://friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/zweiter_weltkrieg/paul_karl_schmidt_carells_holocaust_pr_1944">friedenspaedagogik.de/service/unterrichtsmaterialien/zweiter_<br />
weltkrieg/paul_karl_schmidt_carells_holocaust_pr_1944</a>Online-Version des gleichnamigen Beitrages in Praxis Geschichte 4/2004, S. 44-47.</p>
<p>13. Paul Carells &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220;. Ribbentrops Pressechef Paul K. Schmidt als Protagonist der „sauberen“ Wehrmacht und „präventiven“ Kriegführung 1941 bis 1995:<br />
http://<a href="http://www1.historisches-centrum.de/forum/benz05-1.html">www1.historisches-centrum.de/forum/benz05-1.html</a></p>
<p>III. Der Russlandfeldzug als Vernichtungskrieg (Resümee)<strong></strong></p>
<p>Der Russlandfeldzug des Dritten Reiches wird mit Recht als &#8222;größter Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskrieg&#8220; der Geschichte (Ernst Nolte) bezeichnet. Ca. 27 Millionen Menschen der Sowjetunion, darunter ein Großteil Zivilisten und Kriegsgefangene, fielen den ökonomisch, ideologisch, machtpolitisch und militärstrategisch motivierten Ausrottungsplänen wesentlicher Teile der deutschen Eliten zum Opfer. &#8222;Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird&#8220;, lautete das Ergebnis einer Arbeitsbesprechung der Staatssekretäre über &#8222;Barbarossa&#8220; am 2.Mai 1941, also schon sechs Wochen vor dem Überfall (Nürnberger Dokument 2718-PS). Schon im Januar 1941 war im Reichsernährungsministerium der Plan entwickelt worden, es reiche nicht aus, den europäischen Teil der Sowjetunion zu erobern. Größere Lieferungen aus den zu erobernden Gebieten nach Deutschland und an die Wehrmacht seien nur zu erzielen, wenn bestimmte Teile des sowjetischen Territoriums gezwungen würden, ihre Überschüsse dem Reich abzutreten und nicht mehr die Industriegebiete Russlands ernähren würden. Entindustrialisierung und Entvölkerung wurden als zwangsläufige Folgen angesehen (Vgl. V. &#8222;Viele zehn Millionen Menschen werden überflüssig&#8220; &#8211; Quelle). Insgesamt war eine Dezimierung der sowjetischen Bevölkerung, in erster Linie als Folge der eingeplanten Hungersnot, um ca. 30 Millionen Menschen vorgesehen. Diese Zahl nannte nicht nur der Höhere SS- und Polizeiführer Russland-Mitte Erich von dem Bach-Zelewski 1946 in Nürnberg, sondern auch Göring im November 1941 gegenüber dem italienischen Außenminister Graf Ciano (vgl. die Dissertation von Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 &#8211; 1944. Hamburg 1999, S.46-59). Der tatsächliche Kriegsverlauf ließ dann die Realisierung des geplanten Hungertodes von zig Millionen Menschen in der Sowjetunion nicht mehr in vollem Umfang zu. Die heutige Forschung, z.B. Hans-Heinrich Nolte, Osteuropa-Historiker an der Universität Hannover, beziffert unter Einbeziehung neuerer russischer Forschungen die sowjetischen Menschenopfer im &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; auf ca. 27 Millionen &#8211; darunter allein sieben Millionen Hungertote hinter der Front (vgl. Hans-Heinrich Nolte: Kleine Geschichte Rußlands. Stuttgart 1998, S.253-263).<br />
Die Wehrmacht als der &#8222;stählerne Garant des NS-Systems&#8220; (Manfred Messerschmidt) war in Planung, Durchsetzung und Absicherung dieser Vernichtungspolitik eingebunden. Mit dem von der Wehrmachtsführung ausgearbeiteten &#8222;Kriegsgerichtsbarkeitserlass&#8220; vom 13.Mai 1941 wurde die sowjetische Zivilbevölkerung faktisch für vogelfrei erklärt: &#8222;Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Gefolges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist&#8220; (Bundesarchiv-Militärarchiv, RW 4/ v.577). Allein diesem &#8222;Kriegsgerichtsbarbeitserlass&#8220; als Kernbestandteil der verbrecherischen Befehle fielen hunderttausende sowjetische Zivilisten zum Opfer. Für den Überfall auf die UdSSR hatte Hitler in einer Ansprache am 30.März 1941 vor etwa 250 Generälen und hohen Offizieren die Ermordung der bolschewistischen Kommissare und der kommunistischen Intelligenz gefordert. Nach dieser Vorgabe Hitlers wurden die entsprechenden Befehle von den zuständigen Dienststellen des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) und des Oberkommandos des Heeres (OKH) ausgearbeitet. Formuliert wurden sie von der Rechtsabteilung des OKW. Deren Leiter, Ministerialdirigent Lehmann, der als Generaloberstabsrichter ranghöchster Militärjurist des &#8222;Dritten Reiches&#8220; war, befürwortete von sich aus eine völlige Ausschaltung der Wehrmachtsgerichtsbarkeit über Landeseinwohner und trug so entscheidend zur schon im oben zitierten &#8222;Kriegsgerichtsbarkeitserlass&#8220; geplanten Brutalisierung der Kriegführung der Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung bei. In seiner Dissertation &#8222;Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945&#8243; weist Christian Streit nicht nur die Verantwortung der Wehrmacht für den Tod von 3,3 Millionen in deutscher Gefangenschaft umgekommen russischen Kriegsgefangenen nach (von insgesamt 5,7 Millionen Gefangenen der Roten Armee in Wehrmachtsgewahrsam), sondern stellt auch fest, dass die Initiative zur Erschießung der gefangenen politischen Kommissare der Roten Armee durch die Truppe und nicht durch Heydrichs Sicherheitspolizei im sog. &#8222;Kommissarbefehl&#8220; vom 6.Juni 1941 von Generalstabschef Halder persönlich ausging (Streit, S.45f.). Die &#8222;Endlösung der Judenfrage&#8220; steht in engem Kausalzusammenhang mit dieser vernichtenden Kriegführung. Der weltweit wohl bedeutendste Hitler-Biograph Ian Kershaw resümiert in seinem Ende August 2000 in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart erschienenen Band &#8222;Hitler 1936 &#8211; 1945&#8243; diesen Zusammenhang von Vernichtungskrieg und Holocaust wie folgt: &#8222;Es war kein Zufall, dass der Krieg im Osten zu einem Genozid führte. Das ideologische Ziel der Auslöschung des &#8216;jüdischen Bolschewismus&#8217; stand im Mittelpunkt, nicht am Rande dessen, was man bewusst als einen &#8216;Vernichtungskrieg&#8217; angelegt hatte. Er war mit dem militärischen Feldzug untrennbar verbunden. Mit dem Anrücken der Einsatzgruppen, das in den ersten Tagen des Angriffs einsetzte und durch die Wehrmacht unterstützt wurde, war die völkermordende Natur dieser Auseinandersetzung bereits eingeleitet. Die deutsche Kriegführung im Russlandfeldzug sollte sich schnell zu einem umfassenden Völkermordprogramm entwickeln, wie es die Welt noch nie gesehen hatte. Hitler sprach während des Sommers und Herbstes 1941 zu seinem engeren Gefolge häufig in den brutalsten Ausdrücken über die ideologischen Ziele des Nationalsozialismus bei der Zerschlagung der Sowjetunion. Während derselben Monate äußerte er sich bei zahllosen Gelegenheiten in seinen Monologen im Führerhauptquartier immer wieder mit barbarischen Verallgemeinerungen über die Juden. Das war genau die Phase, da aus den Widersprüchen und dem Mangel an Klarheit in der antijüdischen Politik ein Programm zur Ermordung aller Juden im von den Deutschen eroberten Europa konkrete Gestalt anzunehmen begann&#8220;(S.617).<br />
In den Schulgeschichtsbüchern und Lehrplänen spielen diese zentralen Fakten und Zusammenhänge nur eine rudimentäre Rolle. Ihre didaktisch angemessene Thematisierung bleibt ein Desiderat des Geschichtsunterrichts. Hier stehen in erster Linie Schulbuchverlage, -herausgeber, -autoren, aber auch Lehrplangestalter in der Pflicht.<br />
Meine oben genannten Veröffentlichungen analysieren diese Zusammenhänge und bieten konkrete Unterrichtshilfen, insbesondere auch für die Schüler der Sekundarstufe I &#8211; vor allem die genannten Ausgaben der von mir moderierten und mitverfassten Zeitschrift PRAXIS GESCHICHTE und hier in erster Linie die Ausgabe 2/1999 &#8222;Wehrmacht und Vernichtungskrieg&#8220;. Der bei den Veröffentlichungen genannte Beitrag &#8222;Unternehmen Barbarossa &#8211; Vernichtungskrieg und historisch-politische Bildung&#8220; erschien im September 2000 zum Historikertag im geschichtsdidaktischen WOCHENSCHAU-Verlag und resümiert nicht nur die bisherigen Studien, sondern bietet auch eine praktikable dreistündige Unterrichtssequenz zum Charakter des &#8222;Unternehmens Barbarossa&#8220; als von vornherein geplanter Vernichtungskrieg. &#8211; Dieser Unterrichtsentwurf auch online verfügbar, einfach unter II./1. Websites den Link anklicken.</p>
<p><strong>IV. Wehrmachtsangehörige zum Vernichtungskrieg</strong></p>
<p>Dass nicht nur hitlerhörige Generäle den Vernichtungskrieg mitverantworteten zeigt der Befehl von Generaloberst Hoepner sechs Wochen vor dem Überfall, ja sogar noch vor Ergehen des Kommissarbefehls. Hoepner war maßgeblich am Aufstand des 20. Juli 1944 beteiligt und wurde nach dessen Scheitern hingerichtet. Die Vernichtungspraxis im Ostkrieg trug er gleichwohl mit seinem aus eigener Initiative erlassenen Befehl zur &#8222;erbarmungslosen, völligen Vernichtung&#8220; mit. Dieses Vernichtungsdenken war auch unter einfachen &#8222;Landsern&#8220; weit verbreitet, wie der Feldpostbrief exemplarisch zeigt (weitere Beispiele in der sog. &#8222;Sammlung Sterz&#8220; der Bibliothek für Zeitgeschichte Stuttgart). Die Erinnerungen des Wehrmachtsoffiziers und bekannten evangelischen Theologen Helmut Gollwitzer führen vor Augen, wie leicht der Wille zum Vernichtungskrieg vom ersten Tag des Überfalls an erkennbar war, dass in der Tat jeder, der es hätte wissen wollen, wissen konnte, &#8222;dass nun die Barbarei unter Zustimmung der Wehrmachtsführung gesiegt hatte&#8220;.</p>
<p>1. Befehl des Befehlshabers der Panzergruppe 4, Generaloberst Hoepner, zur bevorstehenden Kriegführung im Osten vom 2.5.1941:</p>
<p><em>&#8222;Der Krieg gegen Russland ist ein wesentlicher Abschnitt im Daseinskampf des deutschen Volkes. Es ist der alte Kampf der Germanen gegen das Slawentum, die Verteidigung europäischer Kultur gegen moskowitisch-asiatische Überschwemmung, die Abwehr des jüdischen Bolschewismus. Dieser Kampf muss die Zertrümmerung des heutigen Russland zum Ziele haben und deshalb mit ungeheurer Härte geführt werden. Jede Kampfhandlung muss in Anlage und Durchführung von dem eisernen Willen zur erbarmungslosen, völligen Vernichtung des Feindes geleitet sein.&#8220;</em><br />
(Quelle: Bundesarchiv-Militärarchiv, LVI.AK., 17956/7a)</p>
<p>2. Feldpostbrief des Gefreiten F. von der Ostfront, 3.Juli 1941:</p>
<p><em>&#8222;Adolf und ich marschieren gegen unseren großen Feind Russland. Somit geht einer meiner Wünsche in Erfüllung, nach diesem gotteslästerlichen Land wollte ich schon immer gerne ziehen. Diesmal wird bestimmt Schluss gemacht mit einer gottfeindlichen Macht. Unglaublich große Heeresmassen ziehen vor. Niemals hätte ich eine solche Aufrüstung in so kurzer Zeit für möglich gehalten und dennoch ist es so&#8230;Rechts und links der Vormarschstraße liegen tote Russen, zerschossene und ausgebrannte Tanks, drinnen liegen noch die Fahrer ganz verkohlt.&#8220;</em>(Quelle: Buchbender,O. / Sterz,R. (Hrsg.): Das andere Gesicht des Krieges. Deutsche Feldpostbriefe 1939-1945. München 2.Aufl. 1983, S.72f.)</p>
<p>3. Erinnerungen des Wehrmachtssoldaten und Theologen Helmut Gollwitzer an den 22.Juni 1941:</p>
<p><em>&#8222;Bis zum Beginn des Russlandfeldzuges war auf der Innenseite des Umschlags unseres Soldbuches ein Blatt eingeklebt: &#8216;Zehn Gebote für den deutschen Soldaten&#8217;. Darin waren aufgezählt die Vorschriften der internationalen Konvention zur Bändigung der Kriegsbestie: Schonung des entwaffneten und gefangenen gegnerischen Soldaten, Schonung der Zivilbevölkerung, Verbot von Plünderung und Vergewaltigung. Mit Beginn des Russlandfeldzuges wurde dieses Blatt aus den Soldbüchern entfernt &#8211; und jeder konnte wissen, dass nun die Barbarei unter Zustimmung der Wehrmachsführung gesiegt hatte.&#8220;</em><br />
(Quelle: Gollwitzer,H: Der Überfall. In: ZEITmagazin, 23.3.1984, S.30ff.)</p>
<p><strong>V. &#8222;Viele 10 Millionen Menschen werden überflüssig&#8220; (Quelle)</strong><br />
<em></em></p>
<p>Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, 23.5.1941:</p>
<p><em>&#8222;Die Überschüsse Russlands an Getreide werden entscheidend nicht durch die Höhe der Ernte, sondern durch die Höhe des Selbstverbrauchs bestimmt&#8230;Da Deutschland bzw. Europa unter allen Umständen Überschüsse braucht, muss der Konsum also entsprechend herabgedrückt werden&#8230;Die Überschussgebiete liegen im Schwarzerdegebiet (also im Süden, Südosten) und im Kaukasus. Die Zuschussgebiete liegen im wesentlichen in der Waldzone des Nordens&#8230;Die Konsequenz ist die Nichtbelieferung der gesamten Waldzone einschließlich der wesentlichen Industriezonen Moskau und Petersburg&#8230;Die Bevölkerung dieser Gebiete, insbesondere die Bevölkerung der Städte, wird größter Hungernot entgegensehen müssen&#8230;Viele zehn Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen. Versuche, die Bevölkerung dort vor dem Hungertode dadurch zu retten, dass man aus der Schwarzerdezone Überschüsse heranzieht, können nur auf Kosten der Versorgung Europas gehen. Sie unterbinden die Durchhaltemöglichkeit Deutschlands im Kriege, sie unterbinden die Blockadefestigkeit Deutschlands und Europas&#8230;Russland hat sich unter dem bolschewistischen System aus reinen Machtgründen aus Europa zurückgezogen und so das europäische arbeitsteilige Gleichgewicht gestört. Unsere Aufgabe, Russland wieder arbeitsteilig in Europa einzubeziehen, bedeutet zwangsläufig die Zerreißung des jetzigen wirtschaftlichen Gleichgewichts innerhalb der UdSSR. Es kommt also unter keinen Umständen auf eine Erhaltung des Bisherigen an, sondern auf eine Abkehr vom Gewordenen und Einbeziehung der Ernährungswirtschaft Russlands in den europäischen Rahmen. Daraus folgt zwangsläufig ein Absterben sowohl der Industrie wie eines großen Teils der Menschen in den bisherigen Zuschussgebieten.&#8220;</em><br />
(Quelle: Nürnberger Dokument 126-EC, IMT, Bd.36, S.135-157)</p>
<p><strong>VI. Zur These vom Präventivkrieg im Osten (Resümee)</strong></p>
<p>Nach dieser These hat Hitler-Deutschland am 22.Juni 1941 die Sowjetunion nicht überfallen, sondern wollte mit einer vorbeugenden Militäraktion einem vermuteten bevorstehenden Angriff der Roten Armee zuvorkommen. Die wichtigsten Vertreter dieser Behauptung sind Joachim Hoffmann, 1995 pensionierter Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr (&#8222;Stalins Vernichtungskrieg&#8220;), Ernst Topitsch, emeritierter Sozialphilosoph an der Universität Graz (&#8222;Stalins Krieg&#8220;) und &#8222;Viktor Suworow&#8220; (&#8222;Der Eisbrecher&#8220;), hinter dessen Pseudonym sich der 1983 in den Westen übergelaufene Geheimdienstoffizier Wladimir Resun verbirgt. Dazu kommen noch etliche Pamphlete von Kriegsveteranen (z.B. 1997 Gerhard Baumfalk &#8222;Überfall oder Präventivschlag&#8220;) und eindeutig rechtsradikalen Autoren (zuletzt 1998 Wolfgang Strauss &#8222;Unternehmen Barbarossa und der russische Historikerstreit&#8220;). Über Jahrzehnte großen Einfluss hatte und hat Paul Carells Bestseller &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; (seit 1963 in immer neuen Auflagen) , dessen Darstellung mit einem zweiseitigen Zitat aus Hitlers Tagesbefehl zum Angriff beginnt, der die Behauptung vom bevorstehenden Überfall der Roten Armee propagiert. Bis heute ist auch unter Historikern wenig bekannt, dass es sich bei dem Pseudonym &#8222;Paul Carell&#8220; um einen der einflussreichsten Presselenker des NS-Staates handelt, nämlich um den SS-Obersturmbannführer und Pressesprecher Außenminister Ribbentrops, Paul Karl Schmidt. Das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; des SS-Obersturmbannführers und Pressesprechers Paul Karl Schmidt alias des Bestsellerautors Paul Carell hat das Bild des deutschen Krieges gegen die Sowjetunion geprägt: Es war ein sauberer, notwendiger und kameradschaftlicher Krieg. Die SS war nichts anderes als eine kämpfende Truppe, nur einmal, auf Seite 439, gibt es eine SS, die fanatisch und grausam ist: &#8222;Stalins SS&#8230;&#8220;.<br />
Neben dem unter VIII unten vorgestellten Forschungsbericht setzen sich seriös zwei Sammelbände mit der Präventivkriegsthese auseinander:</p>
<p>· Gerd R. Ueberschär / Lev A. Bezymenskij (Hg.): Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese. Wissenschaftliche Buchgesellschaft / Primus Verlag, Darmstadt 1998</p>
<p>· Bianka Pietrow-Ennker (Hg.): Präventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M.2000</p>
<p>Die deutsch-russischen Historikerteams kommen zu dem Schluss, dass die Präventivkriegsvertreter keine Beweise für ihre These vorbringen können und neben vielen anderen Fakten den historischen Tatbestand vernachlässigen, dass Hitler den Entschluß zum Überfall schon im Juli 1940(!) fasste (Tagebücher Generaloberst Halder, 31.7.1940), die eigene Feindaufklärung (vgl. Akten der Abteilung Fremde Heere Ost, Bundesarchiv-Militärarchiv, RH 19 III/722 u. RH 2/1983) den Aufmarsch der Roten Armee als Reaktion auf den deutschen Aufmarsch und im wesentlichen als defensiv analysierte und Goebbels in seinem Tagebucheintrag vom 16.6(!) 1941 triumphierte: &#8222;Der Führer schätzt die Aktion auf etwa 4 Monate, ich schätze auf weniger. Wir stehen vor einem Siegeszug ohnegleichen.&#8220; Die NS-Führung hatte nicht die geringste Angst vor einem angeblich drohenden sowjetischen Angriff. Unter dieser historischen Beweislast fällt die Präventivkriegsthese in sich zusammen. Es war nicht &#8222;Stalins Krieg&#8220; (Topitsch) oder &#8222;Stalins Vernichtungskrieg&#8220; (Hoffmann), sondern der Vernichtungskrieg Hitlers und der deutschen Wehrmacht auf russischem Territorium.<br />
Noch ein Hinweis zur Behandlung des Themas im Unterricht: Wigbert Benz: Die Lüge vom deutschen Präventivkrieg 1941. In: Geschichte Lernen (FRIEDRICH-Verlag in Verb. mit KLETT),H.52/1996, S.54-59. Dieser Unterrichtsentwurf ist mit aktualisierten Literaturhinweisen seit Ende Oktober 2000 auch im &#8222;Sammelband Nationalsozialismus&#8220; (S.67-72) des gleichen Verlages verfügbar.</p>
<p><strong>VII. Lagebeurteilungen der Wehrmachtsabteilung &#8222;Fremde Heere Ost&#8220; (Quellen)</strong></p>
<p>Lagebericht Nr.1 vom 15.3.1941:</p>
<p><em>&#8222;Seit der erkennbaren Verstärkung unserer Kräfte im Osten wurden folgende russische Maßnahmen festgestellt und bestätigt: 1.) Durchführung einer Teil-Mobilmachung&#8230;2.) Truppenverlegungen&#8230;sowie Marschbewegungen im Baltikum in Richtung auf die deutsche Grenze zeigen, dass die russischen Truppen z.Zt. an der Westgrenze aufschließen&#8230;Beurteilung: Teilmobilmachung und Aufschließen russischer Truppen zur Grenze ist Defensiv-Maßnahme und dient lediglich zur Verstärkung der Grenzsicherung.&#8220; </em><br />
(Quelle: BA-MA Freiburg, RH 19 III/722)</p>
<p>Feindbeurteilung vom 20.5.1941:</p>
<p><em>&#8222;Die Rote Armee steht mit der Masse der Verbände des europäischen Teils der UdSSR, d.h. mit rund 130 Schützendivisionen &#8211; 21 Kavalleriedivisionen &#8211; 5 Panzerdivisionen &#8211; 36 mot.-mech. Panzerbrigaden entlang der Westgrenze von Czernowitz bis Murmansk&#8230;Die Tatsache, dass bisher weit günstigere Gelegenheiten eines Präventivkrieges (schwache Kräfte im Osten, Balkankrieg) von der UdSSR nicht ausgenutzt wurden, ferner das gerade in letzter Zeit fühlbare politische Entgegenkommen und festzustellende Bestreben der Vermeidung möglicher Reibungspunkte lassen eine Angriffsabsicht unwahrscheinlich erscheinen&#8230; Grenznahe, zähe Verteidigung, verbunden mit Teilangriffen zu Beginn des Krieges und während der Operationen als Gegenangriffe gegen den durchgebrochenen Feind&#8230;erscheint aufgrund der politischen Verhältnisse und des bisher erkennbaren Aufmarsches am wahrscheinlichsten.&#8220; </em><br />
(Quelle: BA-MA Freiburg, RH 2/1983)</p>
<p>Lagebericht Nr.5 vom 13.6.1941:</p>
<p><em>&#8222;Seit 20.5. sind im wesentlichen folgende Veränderungen eingetreten: Die Gesamtstärke der Roten Armee im europäischen Teil der UdSSR hat sich&#8230;auf 150 Schützendivisionen &#8211; 25 1/2 Kavalleriedivisionen &#8211; 7 Panzerdivisionen &#8211; 38 mot.-mech. Panzerbrigaden erhöht&#8230;Starke bewegliche Gruppen in Südbessarabien und um Czernowitz unmittelbar an der Grenze in Verbindung mit Meldungen über weiteres Aufschließen an der unteren Pruth und Bereitstellung von Übersetzmaterial lassen örtliche Offensivvorstöße der Russen nicht unmöglich erscheinen&#8230;Im übrigen ist jedoch nach wie vor im großen gesehen, defensives Verhalten zu erwarten.&#8220; </em><br />
(Quelle: BA-MA Freiburg, RH 19 III/722)</p>
<p><strong>VIII. Forschungsberichte/Standardwerke zum &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220;/Russlandfeldzug</strong></p>
<p><strong>Müller, Rolf-Dieter u. Gerd R. Ueberschär: Hitlers Krieg im Osten 1941-1945. Ein Forschungsbericht. Darmstadt: (WISSENSCHAFTLICHE BUCHGESELLSCHAFT) 2000. </strong></p>
<p>Der Forschungsbericht unterzieht alle wesentliche internationale Literatur zum Russlandfeldzug einer kritischen Analyse und gibt kompetente und fundierte Orientierungen im Dschungel sich widersprechender einschlägiger Publikationen. Dies wird möglich, weil die Autoren renommierte Historiker an wichtigen Forschungseinrichtungen sind: Rolf-Dieter Müller am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr (MGFA) und Gerd R. Ueberschär am Bundesarchiv-Militärarchiv (BA-MA). Hilfreich für die Benutzer ist die Untergliederung des Bandes in sieben Themenbereiche mit je eigenem Forschungsbericht und Bibliographie. Diese Themenbereiche (=Kapitel) sind im einzelnen: I. Politik und Strategie (Müller), II. Die militärische Kriegführung (Ueberschär), III. Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg im Osten (Ueberschär), IV. Besatzungspolitik (Müller), V. Unmittelbare Kriegsfolgen (Müller); VI. Verdrängung und Vergangenheitsbewältigung (Ueberschär), VII. Fazit: Von der historischen Erinnerung zu den &#8222;Brücken der Verständigung&#8220; und Versöhnung sowie Probleme der öffentlichen Präsentation (Ueberschär). &#8211; Meine Veröffentlichungen werden in den Forschungsberichten auf den Seiten 414 und 435 bewertet sowie in den bibliographischen Anhängen auf S.145 (Nr.43), S.274 (Nr.46), S.425 (Nr.158 bis 162) und S.439 (Nr.5) aufgelistet.<br />
Bei aller akribischen Wissenschaftlichkeit scheuen sich Müller und Ueberschär keineswegs vor klaren Bewertungen der Kontroverse zur sog. &#8222;Präventivkriegsthese&#8220; und des Charakters dieses Feldzuges als Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg. Nach kritischer Reflexion der Argumente der Verfechter der &#8222;Präventivkriegsthese&#8220; resümieren die Autoren: &#8222;Bezeichnend für die neue Behauptung vom &#8216;Präventivschlag&#8217; gegen den offensiven Aufmarsch der Roten Armee ist die Beobachtung, dass völlig darauf verzichtet wurde, der Frage nachzugehen, ob die deutschen Politiker und Militärs seinerzeit überhaupt in der Annahme handelten, Stalin zuvorzukommen, d.h. ob die Präventivkriegsvorstellungen den deutschen Entscheidungsprozess eigentlich beeinflussten. Da dies nachweislich nicht der Fall war, verlegte man sich auf mehr oder minder vage Spekulationen über Stalins Politik und versuchte, Hitlers programmatische Motive für seinen Krieg gegen die Sowjetunion als bedeutungslos hinzustellen. Was dann dabei herauskam, ist ziemlich absonderlich. Der deutsche Diktator habe, als er der deutschen Wehrmacht befahl, die UdSSR zu überfallen, einen Präventivkrieg geführt, allerdings ohne es selbst zu wissen und ohne es bei seiner Entscheidung zu berücksichtigen, obwohl er dann später die &#8216;Präventivkriegsthese&#8217; von Propagandaminister Goebbels nachhaltig verbreiten ließ&#8220;(S.415).<br />
Die weltanschauliche Ausrichtung des Krieges zeigt sich in aller Deutlichkeit bei den noch vor Kriegsbeginn herausgegebenen Anordnungen und verbrecherischen Befehlen, wie den &#8222;Richtlinien auf Sondergebieten zur Weisung Nr.21 (Fall Barbarossa)&#8220; vom 13.März(!) 1941, dem &#8222;Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit&#8220; vom 13. Mai 1941, den &#8222;Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland&#8220; vom 19.Mai 1941 und den &#8222;Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare&#8220; vom 6.Juni 1941. Sowohl im Planungsprozess selbst als auch in der Kriegspraxis wurden die verbrecherischen Befehle von der Wehrmachtsführung mindestens mitgetragen, so z.B. beim &#8222;Kommissarbefehl&#8220;, welcher der Truppe &#8211; und eben nicht Heydrichs SS &#8211; die Liquidierung gefangengenommener politischer Kommissare der Roten Armee abforderte. Ueberschär und Müller fassen den Forschungsstand hierzu wie folgt zusammen: &#8222;Zwar gibt es immer wieder Behauptungen, die deutschen Stäbe und Verbände hätten den Kommissarbefehl nicht ausgeführt oder bewusst fiktive Meldungen über erschossene feindliche Kommissare abgegeben, doch zeigt sich bei Nachprüfung im Detail, dass diese nachträglichen Schutzbehauptungen nicht zutreffen. Die verbrecherischen Befehle sind vielmehr überwiegend von den Divisionen, Korps und Armeen an der Ostfront ausgeführt worden&#8220; (S.227). &#8211; Meine ausführliche Rezension dieses grundlegenden Forschungsberichtes zum Krieg im Osten befindet sich seit dem 20.11.2000 auf dem Server von H-Soz-u-Kult (= Liste für Sozial- und Kulturgeschichte, Humboldt Universität Berlin). Sie kann dort gelesen werden unter der <a href="http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensio/buecher/2000/bewi1100.htm">URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensio/buecher/2000/bewi1100.htm</a><br />
_____________________________</p>
<p><strong>Johannes Hürter: Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. (2006), 719 S., geb,. 49.80 €. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München</strong></p>
<p>Bei der zu besprechenden Studie handelt es sich um eine von der Universität Mainz angenommenen Habilitationsschrift des am renommierten Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) tätigen Historikers Johannes Hürter. Sie steht im Zentrum einer Reihe von Projekten des IfZ zu dem Themenkomplex „Wehrmacht in der nationalsozialistischen Diktatur“. In ihren Focus rücken die höchsten Instanzen der Wehrmacht auf dem östlichen Kriegsschauplatz: die Oberbefehlshaber der drei Heeresgruppen und dreizehn Armeen. Im Einzelnen wurden 1941/42 die folgenden hohen Generäle in diesen Funktionen an der Ostfront eingesetzt: Fedor von Bock, Ernst Busch, Eduard Dietl, Nikolaus von Falkenhorst, Heinz Guderian, Gotthard Heinrici, Erich Hoepner, Hermann Hoth, Ewald von Kleist, Günther von Kluge, Georg von Küchler, Wilhelm Ritter von Leeb, Georg Lindemann, Erich von Lewinski (genannt von Manstein), Walter Model, Friedrich Paulus, Walter von Reichenau, Hans-Georg Reinhardt, Gerd von Rundstedt, Richard Ruoff, Rudolf Schmidt, Eugen Ritter von Schobert, Adolf Strauß, Carl-Heinrich von Stülpnagel und Maximilian Freiherr von Weichs. Diese im ersten Jahr des deutsch-sowjetischen Krieges insgesamt 25 Generäle untersucht Hürter in einer zusammenhängenden Gruppenbiografie und nicht isoliert voneinander. Als militärische Oberbefehlshaber der jeweiligen Heeresgruppen und Armeen hatten sie mitentscheidenden Einfluss auf die Kriegführung und Besatzungspolitik im Osten und besaßen trotz der Befehle und Weisungen der obersten Führung beträchtlichen Gestaltungsspielraum vor Ort. Sie verfügten über das Schicksal von mehreren Millionen Menschen und waren über den gesamten Raum des Krieges gegen die Sowjetunion verteilt. Insofern ist diese kleine militärische Elite in hohem Maße relevant und für das Ganze repräsentativ. Gegen Schluss seines Buches führt der Autor zu jedem der hohen Generäle deren spezifische biografischen Daten auf (S. 619-669), die er „Biogramme“ nennt. Diese unterteilt er in vier Abschnitte: Persönliche Daten, Schulbildung, Laufbahn und wichtigste Orden sowie Auszeichnungen.<br />
Im Ganzen erfasst er diese Spitzenmilitärs erstmals als Gruppe und analysiert sie ihrem Sozialprofil, ihren geistigen Dispositionen, ihrem institutionellen Umfeld, vor allem aber in ihrem Handeln im Ostkrieg. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf den richtungweisenden, wechselhaften und gut belegten ersten zwölf Monaten von Juni 1941, dem Kriegsbeginn, bis Mai 1942, der Wiederaufnahme der deutschen Offensivoperationen, gelegt, in denen die politische Dimension dieses Krieges als Eroberungs-, Ausbeutungs- und Vernichtungskrieg besonders deutlich wurde. Im Rahmen seiner gruppenbiografischen Untersuchung gelangt Hürter auf breiter Quellengrundlage zu fundierten Erkenntnisse über das Verhalten der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion, die im Folgenden resümiert werden sollen.</p>
<p>Alle diese Generäle waren 1941 über 50 Jahre alt, die meisten in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts geboren, fast alle kamen aus den „erwünschten Kreisen“ der höheren Offiziere, Beamten und Akademiker, alle hatten ein humanistisches Gymnasium oder eine Kadettenanstalt durchlaufen und sofort nach der Schule den Offiziersberuf gewählt. So waren alle von der späten Kaiserzeit an bis zum Zweiten Weltkrieg durchgängig im Militärdienst und hatten über zwei Systemwechsel hinweg eine sich als unpolitisch verstehende primär technokratisch verstehende erfolgreiche Karriere bis in höchste Generalsränge absolviert. Die tiefe Verwurzelung im starren politischen und ethischen Normensystem der Kaiserzeit im Verbund mit einer traumatischen Beunruhigung durch das Erlebnis des Ersten Weltkrieges und die Jahre der Revolution führte zu einer Anpassungsleistung derart, dass es schon bei Hitlers berühmt-berüchtigter Rede vom 30. März 1941, bei der dieser einen rassenideologischen Vernichtungskrieg und kolonialen Ausbeutungskrieg propagierte, bei den 13 (aus der von Hürters Gruppe untersuchten) anwesenden Generälen zu keinen Akzeptanzproblemen gegenüber den politischen Vorgaben gekommen war: „Die Rede Hitlers erschütterte offenbar weder das Vertrauen noch das Gewissen der Generale. Im Gegenteil – vermutlich wurde sogar manche Skepsis gegen den Angriff auf die Sowjetunion durch die vorgetragenen Argumente widerlegt“ (S. 11). Aufs Ganze gesehen konnte 1941/42 auch von einer fachlichen Opposition der Militärelite gegen den Diktator keine Rede sein. Damit fehlte ein wesentliches Korrektiv für die immer gleichermaßen radikaler wie realitätsfremder werdenden strategischen und auch operativen Entscheidungen. Das hatte gravierende Folgen für den weiteren Kriegsverlauf. Anstatt zu mahnen, protestieren oder zu putschen fügten sich die Generale in die Fortsetzung und zunehmende Radikalisierung der Kriegführung. Die ideologischen Vorgaben Hitlers korrespondierten mit einem schrankenlosen militärischen Utalitarismus, der für das militärischen Denken und Handeln der Generale konstitutiv war. Auch die später als Angehörige der Bewegung des 20. Juli 1944 hingerichteten Befehlshaber Erich von Hoepner und Carl-Heinrich von Stülpnagel erließen von sich aus Befehle, die dem Vernichtungskrieg Vorschub leisteten; Hoepner sogar als einer der ersten schon gut sechs Wochen vor dem deutschen Überfall am 22. Juni 1941.<br />
Die Ermordung von ungefähr 500000 Männern, Frauen und Kindern jüdischer Herkunft im untersuchten Zeitraum wäre ohne die, überwiegend logistische und administrative, Unterstützung der Wehrmacht kaum möglich gewesen. Dabei gingen einige der Befehlshaber über eine passive Duldung des Judenmords hinaus. Die Hetz- und Mordbefehle Reichenaus, die Anregungen zu Pogromen und zu antisemitischer Propaganda durch Stülpnagel, Küchlers Zustimmung zur Ermordung von tausend Psychiatriepatienten und andere Beispiele belegen, dass nicht unbedingt die Nähe (Reichenau), die Abwartehaltung (Küchler) oder die Opposition (Sülpnagel) zum NS-System ausschlaggebend waren, sondern ganz stark auch Anpassung, Ehrgeiz, Konfliktscheu oder mangelnde Empathie zu diesem Verhalten führten. Und auch nach dem Krieg zeigten Generäle wie Guderian und Leeb wenig Nachdenklichkeit über diese Verbrechen. Am 26. Juli 1945, als die Judenmorde schon längst ein Thema der Weltöffentlichkeit geworden waren, hörte die US-Army ein Gespräch ab, in dem sich diese beiden besonders prominenten und jetzt kriegsgefangenen Generäle über die Vorzüge und Nachteile des NS-Systems unterhielten. Der Meinungsaustausch endete mit dem Ergebnis: Guderian: „Die grundlegenden Prinzipien waren gut.“ – Leeb: „Das ist wahr.“<br />
Johannes Hürter resümiert: „Es ist erschreckend, wie verhältnismäßig leicht es einem verbrecherischen Regime gelang, konservative Akteure und traditionelle Institutionen auf seine Hegemonie- und Mordpläne auszurichten“ (S. 617).</p>
<p>Johannes Hürter hat eine grundlegende, tiefgreifende Studie vorgelegt, die trotz ihres Umfangs und ihrer Komplexität übersichtlich und gut lesbar dargeboten wird. Der Übersichtlichkeit und Transparenz dient auch ein benutzerfreundliches Orts- und Personenregister. Letzteres differenziert bei den untersuchten 25 Befehlshabern z.B. nach ihrem Verhalten im Kaiserreich, Ersten Weltkrieg, in der Revolution und Republik, der NS-Diktatur bis 1939 und ihrem jeweiligen Verhalten im ersten Kriegsjahr gegenüber Rotarmisten, Kriegsgefangenen, Kommissaren, Partisanen, Zivilbevölkerung und beim Judenmord, so dass die gleichermaßen sorgfältig verfasste wie lektorierte Schrift zur durchgehenden tiefgehenden Lektüre wie auch als Nachschlagwerk genutzt werden kann.</p>
<p>Quelle: Informationen für den Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer. Heft 73/2007, S. 91 f.; Rezensent: Wigbert Benz<br />
___________________________________</p>
<p><strong>Ilja Altman: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941-1945. Mit einem Vorwort von Hans-Heinrich Nolte. Muster-Schmidt Verlag, Gleichen/Zürich 2008 </strong></p>
<p>Mehr als zwanzig Millionen Sowjetbürger starben während des deutschen Russlandfeldzuges 1941-1945; die Hälfte waren Zivilisten und Kriegsgefangene. &#8222;Zig Millionen Menschen werden verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird&#8220;, wurde am 2. Mai 1941, sechs Wochen vor dem Überfall, in der Aktennotiz einer Besprechung der Staatssekretäre der kriegswichtigen Ressorts mit Wehrwirtschaftsgeneral Georg Thomas festgehalten. Ökonomisches Kalkül zur Eroberung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen sowie ideologische Ressentiments gegen den &#8222;jüdischen Bolschewismus&#8220; und die laut NS-Propaganda &#8222;slawischen Untermenschen&#8220; im Osten führten zu einem monströsen Vernichtungskrieg. Dass nicht noch mehr verhungerten, lag am Scheitern des Feldzuges. In die Tat umgesetzt aber wurde der Holocaust auf dem Gebiet der UdSSR, bildeten die Juden doch die verhasste, angeblich biologische Grundlage der bolschewistischen Herrschaft. Von den 2,9 Millionen den Besatzern in die Hände gefallenen sowjetischen Juden überlebten nur etwa 100 000.</p>
<p>Der russische Historiker Ilja Altman, Vizepräsident des Moskauer Holocaust-Zentrums für Forschung und Bildung, legt eine auf beeindruckende Materialdichte gründende und auf eine umfassende Auswertung russischer Archive gestützte Gesamtdarstellung des Judenmords in der ehemaligen UdSSR vor. Dabei belegt er nicht nur, dass die sowjetischen Juden die ersten Opfer der Massenvernichtung in Europa waren, sondern diese Praxis des Völkermords dann auf andere Länder und weitere Menschen ausgeweitet wurde. Außer den Juden teilten auch Millionen &#8222;minderwertige Slawen&#8220; ihr Schicksal.</p>
<p>6000 von den Besatzern geförderte antisemitische Propagandaschriften konnte Altman ermitteln, mehr als 800 Ghettos zählte er auf dem besetzten Gebiet. Nach der Ausgrenzung steht die physische Vernichtung der Juden im Fokus seiner Untersuchung. Die Ermordung von 2,8 Millionen jüdischen Menschen erfolgte nicht in &#8222;Vernichtungs-KZs&#8220; wie Auschwitz, Majdanek, Sobibor oder Treblinka, sondern durch Massenerschießungen und eher atavistische Methoden wie Erschlagen und Verbrennen oder aktiv herbeigeführten Hungertod. Altman legt eine präzise Opferstatistik vor. Die Hälfte der auf sowjetischem Gebiet ermordeten Juden starb in der Ukraine, 800 000 verloren in Weißrussland ihr Leben. Jeder vierte Einwohner wurde dort von den Besatzern getötet, jeder dritte Ermordete war ein Jude.</p>
<p>Die Unterstützung der Besatzer durch einheimische Kollaborateure war insbesondere in der Ukraine und den baltischen Ländern erheblich. Den jüdischen Widerstand kann Altman deutlich stärker zeigen als bisher üblich. In den Archiven fand er zahlreiche Belege für &#8211; zuweilen sogar gelungene &#8211; Versuche, den Henkern ihre Waffen zu entreißen, sich mit Messer, Axt oder Schaufel, ja sogar den bloßen Händen zu wehren. Die Teilnahme an der Partisanenbewegung war bedeutend und oft die einzige Überlebenschance für Juden.</p>
<p>Die &#8211; vielleicht einzige &#8211; Schwäche des Buches ist das Ausklammern der erschossenen jüdischen Kriegsgefangenen in der detaillierten Opferstatistik. Damit nähert sich Altman, sicher ungewollt, der Tabuisierung dieses Themas in der sowjetischen Historiographie und Publizistik. Erhellend hingegen seine Erörterung des Umgangs der sowjetischen Politik und Gesellschaft mit dem Holocaust. Im Krieg vermied die sowjetische Führung Aufrufe zur Rettung der Juden und gab keine konkreten Informationen über den Judenmord. Dieser wurde unter getöteten &#8222;friedlichen Sowjetbürgern&#8220; subsummiert und nicht eigens thematisiert.</p>
<p>Nach dem Krieg kam es zu einem regelrechten Verbot des öffentlichen Erinnerns an den Holocaust. Die Publikation eines &#8222;Schwarzbuches&#8220; zu den jüdischen Opfern wurde verhindert. Viele Todes- und Gulag-Urteile, die 1949 bis 1952 im Prozess gegen das jüdische antifaschistische Komitee der UdSSR gefällt wurden, erwähnen die Beteiligung am Projekt &#8222;Schwarzbuch&#8220; und qualifizieren diese als Beispiel für verachtenswerten &#8222;bürgerlichen Nationalismus&#8220;. Denkmälern wurde die Genehmigung verweigert und die Erörterung des Genozids an den Juden in Publizistik und Wissenschaft unterbunden. Zu groß war die Sorge Stalins und seiner Epigonen, der Mythos des &#8222;Großen Vaterländischen Krieges&#8220; könne durch ein gesondertes Gedenken an die am stärksten der Vernichtung ausgelieferte Menschengruppe an gesellschaftlicher Integrationskraft und damit herrschaftsstabilisierender Wirkung verlieren.</p>
<p>Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr. 26 v. 2.Februar 2009, S. 16; Rezensent: Wigbert Benz</p>
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		<title>Artikel/Rezensionen für die Süddeutsche Zeitung</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Oct 2009 17:18:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>wigbertbenz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Artikel für die Süddeutsche Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[I. Übersicht der SZ-Artikel von 2007-2011 II. SZ-Artikel Nr. 1-11 von 2007-2011 im Einzelnen I. Übersicht der SZ-Artikel Nr. 1-11 von 2007-2011 1. SZ v. 16.4.2007, S. 33: Mysteriöser Reichstagsbrand. Lange Zeit galt Marinus van der Lubbe als Einzeltäter, doch inzwischen wird dies eher für unwahrscheinlich gehalten. &#8211; Zu dem Buch: Dieter Deiseroth (Hg.): Der [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=39&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>I. Übersicht der SZ-Artikel von 2007-2011</em></strong><br />
<strong><em>II. SZ-Artikel Nr. 1-11 von 2007-2011 im Einzelnen</em></strong></p>
<p><strong>I. Übersicht der SZ-Artikel Nr. 1-11 von 2007-2011</strong></p>
<p><strong>1. SZ v. 16.4.2007, S. 33: Mysteriöser Reichstagsbrand. Lange Zeit galt Marinus van der Lubbe als Einzeltäter, doch inzwischen wird dies eher für unwahrscheinlich gehalten.</strong> &#8211; Zu dem Buch: Dieter Deiseroth (Hg.): Der Reichstagsbrand und der Prozess vor dem Reichsgericht. Verlagsgesellschaft Tischler. Berlin 2006</p>
<p><strong>2. SZ v. 22.10.2007, S. 8: Zutiefst rückwärtsgewandt. Das seltsame Geschichtsverständnis der „Jungen Freiheit“. </strong>- Zu dem Buch: Stephan Braun / Ute Vogt (Hg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007</p>
<p><strong>3. SZ v. 8.4.2008, S. 19: Alternativen zum Krieg. Ein Plädoyer für den unterschätzten Widerstand.</strong> &#8211; Zu dem Buch: Werkstatt für gewaltfreie Aktion, Baden (Hg.): Gewaltfrei gegen Hitler? Gewaltloser Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute. Verlag Gewaltfrei Leben Lernen. Karlsruhe 2007</p>
<p><strong>4. SZ v. 28.10.2008, S. 10: Mörderische Diplomaten. Das Reichsaußenministerium war aktiv am Holocaust beteiligt.</strong> &#8211; Zu dem Buch: Sebastian Weitkamp: Braune Diplomaten. Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der Endlösung. Verlag J.H.W. Dietz. Bonn 2008</p>
<p><strong>5. SZ v. 2.2.2009, S. 16: Erschlagen und verbrannt. Eine umfassende Darstellung des Holocaust in der UdSSR.</strong> – Zu dem Buch: Ilja Altman: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941-1945. Mit einem Vorwort von Hans-Heinrich Nolte. Muster-Schmidt-Verlag. Gleichen-Zürich 2008</p>
<p><strong>6. SZ v. 2.3.2009, S. 16: Atombombe im Rucksack. Die aberwitzigen nuklearen Pläne der Bundeswehr in den 60er Jahren.</strong> – Zu dem Buch: Detlef Bald: Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt. Das Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Berlin, Aufbau Verlag 2008</p>
<p><strong>7. SZ v. 3.8.2009, S. 16: Militärische Illusionen. Die problematischen Auslandseinsätze der Bundeswehr.</strong> – Zu dem Buch: Eric Chauvistre´: Wir Gutkrieger. Warum die Bundeswehr im Ausland scheitern wird. Frankfurt-New York, Campus Verlag 2009</p>
<p><strong>8. SZ v. 17.8.2009, S. 13: Ein bisschen Folter. Das weltweite Verbot darf nicht relativiert werden.</strong> – Zu dem Buch: Alexander Bahar: Folter im 21. Jahrhundert. Auf dem Weg in ein neues Mittelalter? München, dtv Verlag 2009</p>
<p><strong>9. SZ v. 2.11.2009, S. 16: Weltweiter Egoismus. Das 20. Jahrhundert verstärkt die Hierarchien der Staaten. </strong> – Zu dem Buch: Hans-Heinrich Nolte: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wien/Köln/Weimar , Böhlau Verlag 2009</p>
<p><strong>10. SZ v. 29.3.2010, S. 16: Der Propagandist. Christian Plöger schildert die erstaunliche Karriere des Nazis und Bestsellerautors Paul Carell</strong> &#8211; Zu dem Buch: Christian Plöger: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Marburg, Tectum-Verlag 2009</p>
<p><strong>11. SZ v. 4.4.2011, S. 16: Mord nach Quote. Wie pflichtbewusste Funktionäre im Machbarkeitswahn sich unter Stalin beliebt zu machen suchten.</strong>  – Zu den beiden Büchern: Rolf Binner, Bernd Bonwetsch, Marc Junge (Hrsg.): Massenmord und Lagerhaft. Die andere Geschichte des Großen Terrors. Und: Stalinismus in der sowjetischen Provinz 1937-1938. Akademie Verlag, Berlin 2009 und 2010<br />
 ________________________________________<br />
<span id="more-39"></span></p>
<p><strong>II. Die SZ-Artikel Nr. 1-11 von 2007-2011 im Einzelnen</strong></p>
<p>1. Süddeutsche Zeitung Nr. 87 vom 16.April 2007, S. 33: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Mysteriöser Reichstagsbrand<br />
Lange Zeit galt Marinus van der Lubbe als Einzeltäter, doch inzwischen wird dies eher für unwahrscheinlich gehalten</p>
<p>Der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 gehört zu den bedeutendsten politischen Kriminalfällen der Zeitgeschichte. Für das NS-Regime bot dieses angebliche Fanal eines kommunistischen Aufstandes einen willkommener Vorwand, Tausende seiner Gegner verhaften zu lassen. Die schon am nächsten Tag in Kraft getretene ,,Verordnung zum Schutz von Volk und Staat&#8220; setzte die Grundrechte außer Kraft und galt bis zum Zusammenbruch Hitler-Deutschlands. Als Täter verurteilte das Leipziger Reichsgericht noch 1933 den holländischen Anarcho-Sozialisten Marinus van der Lubbe zum Tode. Er war am Tatort verhaftet worden und hatte behauptet, mit ein paar einfachen Kohleanzündern und ohne Brandbeschleuniger den Plenarsaal in wenigen Minuten erfolgreich in Flammen gesetzt zu haben. Das Gericht suchte Mittäter und Drahtzieher der Brandstiftung ausschließlich im „kommunistischen Lager“, konnte aber keinerlei Beweise in diese Richtung finden.</p>
<p>In dem von Dieter Deiseroth, Richter am Bundesverwaltungsgericht, herausgegebenen Sammelband wird das Urteil des Reichsgerichts erstmals in vollem Wortlaut publiziert. Die Möglichkeit einer Nazi-Täterschaft hatten die Richter von vornherein ausgeschlossen, weil laut Urteilstext „die Männer, denen das deutsche Volk seine Errettung vor dem bolschewistischen Chaos verdankt, einer solchen verbrecherischen Gesinnung, wie sie die Tat verrät, niemals fähig waren“. Deiseroth und der Strafrechtsprofessor Ingo Müller &#8211; schon 1987 durch sein Buch ,,Furchtbare Juristen&#8220; bekannt geworden – weisen in ihren Beiträgen nach, dass das Reichsgericht rechtsstaatliche Standards missachtete.</p>
<p>Der Herausgeber nennt fünf konkrete Beispiele, die auf Täter im NS-Bereich hindeuteten, denen aber nicht näher nachgegangen wurde. Er führt aus, dass bis Ende der 50er Jahre in Wissenschaft und Öffentlichkeit die These von der Nazi-Täterschaft vorherrschte. Dies änderte sich, als der Verfassungsschutzbeamte Fritz Tobias in einer SPIEGEL-Serie 1959/60 die Alleintäterschaft van der Lubbes behauptete und dazu 1962 ein Buch vorlegte. Dabei stützte sich Tobias wesentlich auf Aussagen des 1933 ermittelnden Kriminalkommissars Walter Zirpins. Der Historiker Hans Mommsen erklärte 1964 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte, Tobias habe seine These wissenschaftlich überzeugend nachgewiesen, nachdem er dessen Buch in einer Rezension für die Stuttgarter Zeitung 1962 noch heftig kritisiert hatte.<br />
Die in Deiseroths Band vorgelegten Forschungsergebnisse des Historikers Alexander Bahar und des Publizisten Hersch Fischler erschüttern die These vom Alleintäter van der Lubbe schwer. Dieser verfügte weder über den zeitlichen Rahmen noch die Mittel für eine erfolgreiche Brandlegung. Fischler erörtert zudem die Unterdrückung der Publikation einer ursprünglich vom Institut für Zeitgeschichte in Auftrag gegebenen Untersuchung des Historikers Hans Schneider, der nachweisen konnte, dass Tobias Quellen passgenau für seine Beweisführung manipuliert hat, etwa durch nicht kenntlich gemachte Auslassungen, die seinen Auffassungen widersprachen.<br />
Mommsen hatte seinerzeit per Aktenvermerk dokumentiert, die Veröffentlichung von Schneiders Kritik sei ,,aus allgemeinpolitischen Gründen unerwünscht&#8220;, eine Praxis, von der sich das Institut inzwischen ausdrücklich distanziert hat. Des weiteren weist Fischler nach, dass Tobias&#8217; Kronzeuge Walter Zirpins ein elementares Interesse an der Durchsetzung der Alleintäterthese als historische Wahrheit hatte. So konnte er die eigene Person vor drohenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum ,,Justizmord&#8220; an van der Lubbe schützen.</p>
<p>Bahar analysiert darüber hinaus den Kontext der SPIEGEL-Serie zum Reichstagsbrand. Unter der redaktionellen Verantwortung der ehemaligen SS-Offiziere Horst Mahnke und Georg Wolff bearbeitete der später als Bestsellerautor „Paul Carell“ bekannt gewordene ehemalige Pressechef des NS-Außenministeriums Paul Karl Schmidt nicht nur das Serien-Manuskript von Fritz Tobias, sondern nahm in einem eigenen SPIEGEL-Artikel schon am 16. Januar 1957 wesentliche Argumente von Tobias für die Behauptung vom Alleintäter van der Lubbe vorweg, indem er z.B. die Person des Ermittlers Walter Zirpins als besonders glaubwürdig herausstellte und die angeblich fast schon übertriebene Rechtstaatlichkeit des Reichstagsbrandprozesse im Unterschied zum behaupteten Unrechtscharakter der Nürnberger Prozesse nach 1945 betonte.</p>
<p>Bahar legt eine Reihe von Indizien vor, nach denen der Reichstagsbrand bereits einige Zeit vor dem 27. Februar 1933 auf Initiative Goebbels’ geplant worden sei. Van der Lubbe gelangte nach dieser Darstellung am Tatabend in einen bereits von SA-Leuten mit selbstentzündlichen Flüssigkeiten präparierten Plenarsaal.</p>
<p>Ein wichtiges und konstruktives Korrektiv des Bandes ist der Beitrag des langjährigen Historikers am Institut für Zeitgeschichte, Hermann Graml. Er hat sowohl an der These von der Alleintäterschaft van der Lubbes als auch an der Auffassung, die Nazis seien die Täter gewesen, erhebliche Zweifel; im letzteren Fall begründet er das mit konträren Eintragungen in Goebbels’ Tagebüchern. Bahar und Fischler attestiert er aber ausdrücklich, die Forschungen zum Reichstagsbrand durch gründliche Untersuchungen erst seit Anfang der 90er Jahre zugänglicher originaler Akten von Reichsgericht und Politischer Polizei versachlicht und vorangebracht zu haben. Nach Graml stellt die auf diesen Dokumenten basierende Indizienkette keinen endgültigen Beweis für die NS-Täterschaft dar, ,,auch wenn konstatiert werden kann, dass alte Verdachtsmomente, die auf NS-Täterschaft spekulieren ließen, aufgefrischt und außerdem zusätzliche Verdachtsmomente entdeckt wurden&#8220;. WIGBERT BENZ</p>
<p>DIETER DEISEROTH (Hrsg.): Der Reichstagsbrand und der Prozess vor dem Reichsgericht. Verlagsgesellschaft Tischler, Berlin 2006. 380 Seiten, 24,00 Euro<br />
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<p>2. Süddeutsche Zeitung Nr. 243 vom 22.Oktober 2007, S. 8: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Zutiefst rückwärtsgewandt<br />
Das seltsame Geschichtsverständnis der „Jungen Freiheit“</p>
<p>Im Internet präsentiert sich die Junge Freiheit (JF) als Wochenzeitung, welche „die große kulturelle und geistige Tradition der deutschen Nation in Ehren hält”. Ihre Beiträge werden gerne von rechtsextremistischen Blättern wie Nationalzeitung oder Nation und Europa zitiert. Jahrelang war das Blatt in Verfassungsschutzberichten als tendenziell rechtsextremistisch geführt worden. Dagegen klagte die Junge Freiheit, und 2005 errichtete das Bundesverfassungsgericht im Interesse der Pressefreiheit höhere Hürden vor einer Veröffentlichung in den Berichten. „Bloße Kritik an Verfassungswerten” reiche dazu nicht aus. In der Tat gilt die Pressefreiheit eben auch für potentielle Feinde der Freiheit.<br />
Die baden-württembergische SPD- Landesvorsitzende Ute Vogt und ihr Landtagskollege Stephan Braun legen einen Sammelband vor, der die Diskussion über dieses Thema mit Fakten und Analysen zu Programmatik, Inhalten und Autoren der Zeitung befördern will. Die Herausgeber und 15 weitere Autoren analysieren die Positionierung des Blatts im Grenzraum der Verfassung und beleuchten dessen Akteure, Kunden und Kampagnen, bevor sie im Schlussabschnitt Vorschläge für den öffentlichen Diskurs sowie die außerschulische und schulische Bildungsarbeit unterbreiten.</p>
<p>Erfreulicherweise sind die Beiträge durchweg sehr sachlich gehalten. Nüchtern wird die Frage gestellt, ob denn die Junge Freiheit, auch wenn sie sich in 30 Jahren vom alle zwei Monate erscheinenden Acht-Seiten-Blatt zur Berliner Wochenzeitung mit „demokratischem Outfit” und – nach eigenen Angaben – einer Druckauflage von 25 000 Exemplaren entwickelt hat, über eine entsprechende Reichweite bei den Lesern verfügt. Doch nicht zuletzt ihre Vernetzung mit einer Vielzahl rechtsextremer Blätter, ihre durchaus erfolgreichen Internetkampagnen und ihr Erfolg bei der Gewinnung prominenter Interviewpartner verschaffen ihr eine beachtliche Akzeptanz.</p>
<p>Durch eine Fülle von Belegen wird nachgewiesen, dass die Junge Freiheit das wichtigste Publikationsorgan der neuen Rechten darstellt, deren Vertreter in der Tradition der sogenannten konservativen Revolution stehen, die als starke antidemokratische Bewegung die Weimarer Republik untergrub und dem Erstarken des Nationalsozialismus Vorschub leistete. Als überragender geistiger Vordenker, der geradezu heroisch überhöht wird, gilt der Zeitung der „Kronjurist” der Nationalsozialisten, Carl Schmitt, der den autoritären Staat mit klarem Feindbild forderte und die im Grundgesetz geschützten Menschenrechte als „unveräußerliche Eselsrechte” verspottete.</p>
<p>Zahlreiche Artikel der Jungen Freiheit vermitteln ein zutiefst rückwärtsgewandtes Geschichtsverständnis, das eine offene Flanke zum Geschichtsrevisionismus aufweist. (&#8230;; der Satz wurde wegen irrtümlicher Namenszuordnung ausgelassen, W.B.) Am Pranger stehen für den Chefredakteur und viele Autoren der JF die „68er”, deren linke Vertreter die Parteien und Redaktionsstuben beherrschten. Die Gedankenpolizei der Political Correctness belege Begriffe wie Nation, Nationalstolz, Patriotismus ebenso wie Elite oder Ausländerkriminalität gegen Deutsche mit Verboten und stelle sie unter Faschismusverdacht. Nun gelte es, diese Werte von den herrschenden Denkverboten zu befreien und so das ideelle Fundament einer selbstbewussten Nation zu schaffen. Nur so könnten die weltpolitischen Herausforderungen der deutschen Nation gemeistert werden, einer Nation, die, so JF-Chefredakteur Dieter Stein, „geopolitisch schon Kraft seiner Existenz Hegemonie ausübt”. Widerpart seien die USA, und diesen könnte nicht die bestehende EU, sondern ein Europa der Nationalstaaten mit Deutschland als Kernstaat Paroli bieten. Es ist das Verdienst dieses Sammelbandes, dass er Selbstverständnis und inhaltliche Programmatik der Jungen Freiheit nicht nur offenlegt, sondern mit Hunderten stichhaltiger Nachweise zudem gut – teilweise sogar spannend – lesbar der öffentlichen Diskussion zugänglich macht. WIGBERT BENZ</p>
<p>STEPHAN BRAUN/UTE VOGT (Hrsg.): Die Wochenzeitung „Junge Freiheit”. Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007. 362 Seiten, 39,90 Euro</p>
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<p>3. Süddeutsche Zeitung Nr. 82 vom 8.4.2008, S. 19: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Alternativen zum Krieg<br />
Ein Plädoyer für den unterschätzten zivilen Widerstand</p>
<p>Bis heute wird die Terrorherrschaft des NS-Staates und der militärische Sieg über diesen zur moralischen Rechtfertigung von Kriegen instrumentalisiert. Die Kriege gegen Jugoslawien, Afghanistan und den Irak werden entsprechend als waffengestützte humanitäre Befreiungsaktionen gewertet. Abgesehen davon, dass durch solche Gleichsetzungen der Holocaust verharmlost wird, gerät die Fragwürdigkeit von Kriegen zum Herbeibomben von Demokratie und Menschenrechten aus dem Blick. Und völlig außen vor bleibt die Frage, ob der militärische Widerstand gegen Hitler tatsächlich alternativlos gewesen ist.</p>
<p>An solchen Grundüberzeugungen rütteln die in diesem Sammelband vorliegenden Beiträge. Zunächst beschreibt aus der Sicht eines betroffenen Juden György Konrad, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 1991, am Beispiel der Judenverfolgungen in Ungarn 1944, dass Mitgefühl und Zivilcourage oft die effektivste Hilfe für die Betroffenen darstellten.</p>
<p>Im Anschluss an Gandhis 1940 publizierten Aufsatz &#8222;How to combat Hitlerism?&#8220; erörtert der Politikwissenschaftler Theodor Ebert anhand der theologisch-politischen Auseinandersetzung von Bonhoeffer mit Gandhi die ungenügende Rezeption gewaltfreier Handlungsoptionen beim Widerstand gegen Hitler. Dabei wird klar, dass Gandhis Aussage &#8222;Der Hitlerismus wird niemals besiegt werden durch einen ihn übertrumpfenden Gegenhitlerismus&#8220; angesichts der 55 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges und der nachfolgenden Perpetuierung militärischer Gewaltmuster nicht zum Belächeln taugt, sondern ernsthaftes Nachdenken abverlangt.</p>
<p>Andreas Buro, wie Ebert Politikprofessor, und Arno Klönne, Hochschullehrer für Sozialwissenschaften, arbeiten dezidiert heraus, dass die Kriegsziele der Alliierten mehr an der Durchsetzung machtpolitischer und ökonomischer Interessen denn an menschenrechtlichen Erwägungen orientiert waren. Zivile Konfliktlösungsmuster wurden kaum und eine pazifistische Politik zur Verhinderung oder Eindämmung des Faschismus gar nicht entwickelt.</p>
<p>Dass es im Wesentlichen spontan, vereinzelt und insgesamt unkoordiniert zivilen Widerstand gegen das NS-Regime und seine genozidale Politik gab, zeigen die Beiträge von Christoph Besemer, Dietmar Böhm, Thomas Seiterich und Renate Wanie. Dieser zivile Widerstand gegen die NS-Gewaltherrschaft war sogar sehr erfolgreich. Die Autoren beleuchten folgende Beispiele:<br />
Die norwegische Bevölkerung wehrte sich gegen die Gleichschaltung durch die Besatzer, indem sich 90 Prozent der 14 000 Lehrer weigerten, der Pflicht zum Beitritt in den NS-Lehrerverband nachzukommen. Auch die Inhaftierung von 1000 Lehrern konnte den Widerstand nicht brechen, und das NS-Marionettenregime in Norwegen musste nachgeben.</p>
<p>Die Solidarität der dänischen Bevölkerung rettete ihren 7000 jüdischen Mitbürgern das Leben. Praktisch sah dies so aus, dass die Deportationsbefehle durch Verstecken von Juden und Evakuierung auf Fischerbooten nach Schweden undurchführbar wurden.<br />
Ähnliches gilt für die Rettung bulgarischer Juden durch das entschlossene gewaltfreie Handeln der überwiegenden Mehrheit der bulgarischen Bevölkerung. Dabei wurde der Protest gegen das Tragen des gelben Sterns 1942 massenhaft öffentlich artikuliert.</p>
<p>Und mitten im Herzen des NS-Staates, in der Berliner Rosenstraße, demonstrierten im März 1943 Frauen gegen die Inhaftierung ihrer in &#8222;Mischehe&#8220; mit ihnen lebenden jüdischen Männer und erreichten deren Freilassung.<br />
Diese und andere Fakten bestätigen die These der Philosophin Hannah Arendt, die schon 1964 in ihrer Studie über Adolf Eichmann feststellte: &#8222;Gerade bei den Leuten in Gestapo und SS paarte sich Rücksichtslosigkeit keineswegs mit Härte; auch die Rücksichtslosesten unter ihnen zeigten eine erstaunliche Neigung, umzufallen, sobald sie mit entschlossenem Widerstand konfrontiert waren.&#8220; Unter &#8222;entschlossenem Widerstand&#8220; verstand Hannah Arendt zivilen, gewaltfreien und offenen Widerstand.</p>
<p>Das Dogma von der Aussichtslosigkeit gewaltfreien Widerstandes, so weisen die Beiträge eindrucksvoll nach, ist ein in Unkenntnis historischer Sachverhalte begründetes Fehlurteil. Tatsächlich wurden auf diese Weise viele tausend Menschenleben gerettet, zum anderen Potentiale am Leben erhalten, die helfen können, die waffenstarrende Welt dem friedlichen statt einer immer wieder militärischen Austragung von Konflikten näher zu bringen. WIGBERT BENZ</p>
<p>WERKSTATT FÜR GEWALTFREIE AKTION, BADEN (Hrsg.): Gewaltfrei gegen Hitler? Gewaltloser Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine Bedeutung für heute. Gewaltfrei Leben Lernen, Karlsruhe 2007. 117 S., 9 Euro.</p>
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<p>4. Süddeutsche Zeitung Nr.251 vom 28. Oktober 2008 , Seite 10: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Mörderische Diplomaten<br />
Das Auswärtige Amt war aktiv am Holocaust beteiligt</p>
<p>“Nach meiner Auffassung wird sich schwerlich ein lebender Mensch finden lassen, der so viele Menschen vor einem entsetzlichen Schicksal bewahrt hat, wie ich es getan habe oder es zumindest versucht habe&#8220;, schrieb Horst Wagner am 22. Oktober 1953 an den Bundestagspräsidenten Hermann Ehlers. Der Diplomat und SS-Standartenführer Wagner war Verbindungsmann von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop zum Reichsführer SS, Heinrich Himmler. Er befürchtete, in ein Land abgeschoben zu werden, aus dem er die Deportationen der Juden unterstützt hatte. Ein Gerichtsverfahren in Osteuropa hätte wohl eine lange Haftstrafe oder ein Todesurteil bedeutet.</p>
<p>Christopher Browning hat in seiner Studie &#8222;The Final Solution and the German Foreign Office&#8220; 1978 den Anteil des Auswärtigen Amtes (AA) und insbesondere dessen Deutschland-Abteilung unter Leitung des Unterstaatssekretärs Martin Luther an der &#8222;Endlösung&#8220; untersucht und ein reibungsloses Zusammenwirken mit der SS festgestellt. Im Fokus der quellenfundierten und gut lesbaren Dissertation Sebastian Weitkamps steht nun die Nachfolgeinstitution der Deutschland-Abteilung. Die Gruppe Inland II unter Führung Wagners sowie seines Stellvertreters und Judenreferenten des AA, Eberhard von Thadden, übernahm nach der fehlgeschlagenen Intrige Luthers gegen Ribbentrop im Frühjahr 1943 die &#8222;Verbindung zum Reichsführer SS&#8220; sowie die Behandlung der &#8222;Judenfragen&#8220;. Dazu gehörte die &#8222;Gesamtabschirmung der deutschen Judenmaßnahmen gegenüber Einsprüchen und Interventionen ausländischer Staaten&#8220;.</p>
<p>Fälle einer milden Behandlung einzelner Juden gab es nur, um von der geplanten &#8222;Endlösung&#8220; abzulenken. Rettungsbemühungen ausländischer Regierungen wurden meist als feindliche Gräuelpropaganda denunziert. Als der Schweizer Gesandte Peter Anton Feldscher im Auftrag der britischen Regierung im Mai 1943 die Ausreise von 5000 Juden, vorwiegend Kindern, nach Palästina erbat, interessierte Wagner und Thadden nicht deren Schicksal, sondern die propagandistische Zurückweisung der Forderung. 1944 organisierte die Abteilung Inland II im AA die Deportation Hunderttausender Juden aus Ungarn. Wagner und Himmler besprachen bei mindestens 16 Treffen dieses Thema. Thadden fuhr im Mai 1944 nach Budapest, um sich mit dem Judenreferenten des Reichssicherheitshauptamtes, Adolf Eichmann, zu verständigen.</p>
<p>Thadden war ein Jurist, der im Februar 1933 in die NSDAP eingetreten war und in seiner Dissertation die &#8222;Judenfrage&#8220; aufgegriffen hatte. Sein Vorgesetzter Horst Wagner agierte ohne abgeschlossenes Studium auf der Basis der Protektion Ribbentrops als Karrierist &#8211; zwei unterschiedliche Tätertypen, die als Funktionäre der &#8222;Endlösung&#8220; höchst effektiv zusammenfanden. Wagner war der Initiator der Krummhübler Tagung im April 1944, die der Kooperation von AA und SS bei der propagandistischen Absicherung der Judenmorde galt. Zwei Wochen nach der Besetzung Ungarns am 19. März referierte Thadden über &#8222;den Stand der antijüdischen Exekutiv-Maßnahmen&#8220; und Franz Alfred Six, vormals Amtschef im Reichssicherheitshauptamt und jetzt Leiter der kulturpolitischen Abteilung des AA, sprach direkt von der &#8222;physischen Beseitigung des Ostjudentums&#8220;.</p>
<p>Alle Ermittlungsverfahren gegen Thadden und Wagner verliefen nach dem Krieg im Sande. Traten beide noch im Nürnberger &#8222;Wilhelmstraßen-Prozess&#8220; als Zeugen der Anklage auf, so drohte ihnen bald aufgrund der erdrückenden Aktenlage selbst eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord. Wagner flüchtete nach Südamerika. Nach seiner Rückkehr behauptete er, er habe niemandem geschadet, sondern viele Menschenleben gerettet. Als der Prozess wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 300 000 Menschen in Essen 1972 endlich eröffnet wurde, hielt Wagner das Gericht weitere fünf Jahre hin, bis er 1977 starb. Thadden, der nach dem Krieg als Geschäftsmann reüssierte, wurde 1964 durch einen tödlichen Autounfall aus seiner geglückten Nachkriegskarriere gerissen. Er habe zwar von den Deportationen<br />
gewusst, hatte er gegenüber den Ermittlern eingeräumt, diese aber als kriegswichtige Maßnahme, als Internierung potentieller Feinde, angesehen. Keinesfalls habe er Kenntnis von einer systematischen physischen Vernichtung der Juden gehabt. WIGBERT BENZ</p>
<p>SEBASTIAN WEITKAMP: Braune Diplomaten. Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der Endlösung. Verlag J.H.W. Dietz, Bonn 2008. 491 Seiten, 48 Euro.<br />
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<p>5. Süddeutsche Zeitung Nr.26 vom 2. Februar 2009 , Seite 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Erschlagen und verbrannt<br />
Eine umfassende Darstellung des Holocaust in der UdSSR</p>
<p>Mehr als zwanzig Millionen Sowjetbürger starben während des deutschen Russlandfeldzuges 1941-1945; die Hälfte waren Zivilisten und Kriegsgefangene. &#8222;Zig Millionen Menschen werden verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird&#8220;, wurde am 2. Mai 1941, sechs Wochen vor dem Überfall, in der Aktennotiz einer Besprechung der Staatssekretäre der kriegswichtigen Ressorts mit Wehrwirtschaftsgeneral Georg Thomas festgehalten. Ökonomisches Kalkül zur Eroberung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen sowie ideologische Ressentiments gegen den &#8222;jüdischen Bolschewismus&#8220; und die laut NS-Propaganda &#8222;slawischen Untermenschen&#8220; im Osten führten zu einem monströsen Vernichtungskrieg. Dass nicht noch mehr verhungerten, lag am Scheitern des Feldzuges. In die Tat umgesetzt aber wurde der Holocaust auf dem Gebiet der UdSSR, bildeten die Juden doch die verhasste, angeblich biologische Grundlage der bolschewistischen Herrschaft. Von den 2,9 Millionen den Besatzern in die Hände gefallenen sowjetischen Juden überlebten nur etwa 100 000.</p>
<p>Der russische Historiker Ilja Altman, Vizepräsident des Moskauer Holocaust-Zentrums für Forschung und Bildung, legt eine auf beeindruckende Materialdichte gründende und auf eine umfassende Auswertung russischer Archive gestützte Gesamtdarstellung des Judenmords in der ehemaligen UdSSR vor. Dabei belegt er nicht nur, dass die sowjetischen Juden die ersten Opfer der Massenvernichtung in Europa waren, sondern diese Praxis des Völkermords dann auf andere Länder und weitere Menschen ausgeweitet wurde. Außer den Juden teilten auch Millionen &#8222;minderwertige Slawen&#8220; ihr Schicksal.</p>
<p>6000 von den Besatzern geförderte antisemitische Propagandaschriften konnte Altman ermitteln, mehr als 800 Ghettos zählte er auf dem besetzten Gebiet. Nach der Ausgrenzung steht die physische Vernichtung der Juden im Fokus seiner Untersuchung. Die Ermordung von 2,8 Millionen jüdischen Menschen erfolgte nicht in &#8222;Vernichtungs-KZs&#8220; wie Auschwitz, Majdanek, Sobibor oder Treblinka, sondern durch Massenerschießungen und eher atavistische Methoden wie Erschlagen und Verbrennen oder aktiv herbeigeführten Hungertod. Altman legt eine präzise Opferstatistik vor. Die Hälfte der auf sowjetischem Gebiet ermordeten Juden starb in der Ukraine, 800 000 verloren in Weißrussland ihr Leben. Jeder vierte Einwohner wurde dort von den Besatzern getötet, jeder dritte Ermordete war ein Jude.</p>
<p>Die Unterstützung der Besatzer durch einheimische Kollaborateure war insbesondere in der Ukraine und den baltischen Ländern erheblich. Den jüdischen Widerstand kann Altman deutlich stärker zeigen als bisher üblich. In den Archiven fand er zahlreiche Belege für &#8211; zuweilen sogar gelungene &#8211; Versuche, den Henkern ihre Waffen zu entreißen, sich mit Messer, Axt oder Schaufel, ja sogar den bloßen Händen zu wehren. Die Teilnahme an der Partisanenbewegung war bedeutend und oft die einzige Überlebenschance für Juden.</p>
<p>Die &#8211; vielleicht einzige &#8211; Schwäche des Buches ist das Ausklammern der erschossenen jüdischen Kriegsgefangenen in der detaillierten Opferstatistik. Damit nähert sich Altman, sicher ungewollt, der Tabuisierung dieses Themas in der sowjetischen Historiographie und Publizistik. Erhellend hingegen seine Erörterung des Umgangs der sowjetischen Politik und Gesellschaft mit dem Holocaust. Im Krieg vermied die sowjetische Führung Aufrufe zur Rettung der Juden und gab keine konkreten Informationen über den Judenmord. Dieser wurde unter getöteten &#8222;friedlichen Sowjetbürgern&#8220; subsummiert und nicht eigens thematisiert.</p>
<p>Nach dem Krieg kam es zu einem regelrechten Verbot des öffentlichen Erinnerns an den Holocaust. Die Publikation eines &#8222;Schwarzbuches&#8220; zu den jüdischen Opfern wurde verhindert. Viele Todes- und Gulag-Urteile, die 1949 bis 1952 im Prozess gegen das jüdische antifaschistische Komitee der UdSSR gefällt wurden, erwähnen die Beteiligung am Projekt &#8222;Schwarzbuch&#8220; und qualifizieren diese als Beispiel für verachtenswerten &#8222;bürgerlichen Nationalismus&#8220;. Denkmälern wurde die Genehmigung verweigert und die Erörterung des Genozids an den Juden in Publizistik und Wissenschaft unterbunden. Zu groß war die Sorge Stalins und seiner Epigonen, der Mythos des &#8222;Großen Vaterländischen Krieges&#8220; könne durch ein gesondertes Gedenken an die am stärksten der Vernichtung ausgelieferte Menschengruppe an gesellschaftlicher Integrationskraft und damit herrschaftsstabilisierender Wirkung verlieren. WIGBERT BENZ</p>
<p>ILJA ALTMAN: Opfer des Hasses. Der Holocaust in der UdSSR 1941-1945. Mit einem Vorwort von Hans-Heinrich Nolte. Muster-Schmidt Verlag, Gleichen/Zürich 2008. 588 Seiten, 58 Euro.<br />
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<p>6. Süddeutsche Zeitung Nr.50 vom 2. März 2009 , Seite 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Atombombe im Rucksack<br />
Die aberwitzigen nuklearen Pläne der Bundeswehr in den 60er Jahren</p>
<p>Atomwaffen seien lediglich die Weiterentwicklung der Artillerie. Diese verharmlosende Charakterisierung durch Konrad Adenauer ist bekannt. Und auch die scheinbare Sensationsmeldung des Nachrichtenmagazins Focus, der Historiker Detlef Bald habe herausgefunden, dass in der Bundesrepublik &#8222;ab Mitte der 60er Jahre Atombomben lagerten&#8220;, ist so neu nicht. Bei Bundeswehrsoldaten galt damals ein Atomminengürtel an der &#8222;Zonengrenze&#8220; als offenes Geheimnis. Die Pläne des ersten Generalinspekteurs der Bundeswehr, Heinz Trettner, der 1964 auf einer Nato-Tagung in Paris einen Sperrgürtel von &#8222;Atomic Demolition Munition&#8220; (ADM) in &#8222;geringer Entfernung von der Zonengrenze&#8220; gefordert hat, seien allerdings nach Protesten der betroffenen Bundesländer vom Tisch gewesen, so Der Spiegel noch 20 Jahre später, am 27. August 1984.</p>
<p>Das Neue und Spannende an Balds Studie ist nun der Nachweis, dass der Minengürtel keinesfalls nur ein Phänomen des Jahres 1964 war. Bald belegt dies durch Zeitzeugenbefragungen und erstmals einsehbare, aber nur teilweise zitierbare Akten im &#8222;Bundesarchiv-Militärarchiv&#8220;. Der Einsatz von ADM-Waffen war Kernbestandteil der Bundeswehr-Planungen bis in die 70er Jahre. Dabei ging es nicht in erster Linie um den medienwirksamen &#8222;Minengürtel&#8220;. ADM-Waffen sollten mit kleinen Fahrzeugen, Hubschraubern oder Personen zum Einsatzort transportiert werden. Sie entsprachen der erwünschten multifunktionalen Mobilität, kaum 40 Kilogramm schwer, konnten sie sogar von einem Soldaten im Rucksack transportiert werden.</p>
<p>Am Kartentisch von Hitler</p>
<p>Unter den christdemokratischen Kanzlern Adenauer, Erhard und Kiesinger hatte die Bundeswehr das Recht, im Ernstfall taktische Atomwaffen direkt beim europäischen Nato-Hauptquartier anzufordern und einzusetzen. Zudem war eine entsprechende Dislozierung atomarer Landminen an der &#8222;Zonengrenze&#8220; bereits erfolgt. Dies war die Situation, die Helmut Schmidt beim Amtsantritt als Verteidigungsminister 1969 vorfand. Noch am 18. September 1968 hatten US-Präsident Johnson und Kiesinger ein entsprechendes Geheimabkommen unterschrieben. Der US-Präsident war befugt, an den Befehlshaber des Nato-Hauptquartiers die Kompetenz abzutreten, taktische Atomwaffen einzusetzen. Deutsche Korpskommandeure konnten die Freigabe der Atomwaffen anfordern, ohne dass die deutsche Regierung informiert werden musste. Die Initiative zu dieser Atomoption ging von ehemaligen Wehrmachtsgenerälen wie Hans Speidel, Heinz Trettner und Adolf Heusinger aus. Letzterer hatte schon den Ostfeldzug Hitlers als Chef der Operationsabteilung im Oberkommando des Heeres mit geplant. Eine niedere Schwelle zum Ersteinsatz taktischer Atomwaffen unter Inkaufnahme von Millionen Opfern auf deutschem Territorium sollte die Sowjetunion von einem Krieg abhalten. Helmut Schmidt brachte dieses Denken bei der Befragung durch den Autor auf die Formel, die Generale der Bundeswehr &#8222;standen am Kartentisch von Adolf Nazi, dem Führer&#8220;.</p>
<p>Als Verteidigungsminister verwarf Schmidt, unterstützt von Generalinspekteur Ulrich de Maizière, das Konzept der Bundeswehr, die politische Beratung auf die Zeit vor der Krise zu beschränken. Schmidt veranlasste eine Reform mit obligatorischem Universitätsstudium für Offiziere und versetzte eine Reihe von Generalen in den Ruhestand. In Kooperation mit US-Verteidigungsminister Melvin Laird erreichte er die Beseitigung der atomaren Landminen und sorgte in den Nato-Gremien dafür, dass kein Einsatz atomarer Waffen ohne Zustimmung der Regierungen erfolgen konnte.</p>
<p>&#8222;Jeder atomare Krieg&#8220;, betont Schmidt in seinem Vorwort, &#8222;hätte große Teile des deutschen Volkes ausgelöscht.&#8220; Am 23. Oktober 1973 wurden in den &#8222;Deutschen Einsatzbeschränkungen für ADM&#8220; die &#8222;Four German No&#8220;s&#8220; für die Nato verbindlich eingeführt und in einem vertraulichen Briefwechsel von Bundeskanzler Brandt mit US-Präsident Nixon im April 1974 bestätigt. Die Punkte waren: 1. Kein Atomminen-Gürtel an der Grenze; 2. Keine Vorab-Delegation der politischen Entscheidungsgewalt zum Atomwaffeneinsatz an eine militärische Kommandobehörde; 3. Keine militärischen Planungen ohne Schutz der Zivilbevölkerung; 4. Keine Vorbereitung von Sprengkammern oder -schächten in Friedenszeiten. Wie wichtig diese Festlegungen waren, zeigt, dass noch 1970 bei einer neuen Rheinbrücke in Düsseldorf, der &#8222;Kniebrücke&#8220;, Kammern für nukleare Sprengladungen angebracht werden sollten. In Düsseldorf entstand dann, so de Maizière, &#8222;die erste Rheinbrücke ohne Sprengkammern&#8220;. WIGBERT BENZ</p>
<p>DETLEF BALD: Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt. Das Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Berlin, Aufbau Verlag 2008. 288 Seiten, 22,95 Euro.<br />
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<p>7. Süddeutsche Zeitung Nr.176 vom 3. August 2009 , Seite 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Militärische Illusionen<br />
Die problematischen Auslandseinsätze der Bundeswehr</p>
<p>Noch Anfang der 90er Jahre war klar: Deutsche Soldaten gehören in die Kasernen und dienen der Landesverteidigung. 1992 wurden erstmals ein paar Sanitäter nach Kambodscha entsandt. Es folgte eine kleine Truppe in Somalia. Die Einsätze waren ohne großes Risiko. Präsentiert wurde die Bundeswehr als Truppe leicht bewaffneter Rotkreuzhelfer in Uniform. Heute agieren etwa 7300 Bundeswehrsoldaten auf drei Kontinenten, davon 2140 im Kosovo und 4150 in Afghanistan. Künftig sind noch stärkere Beteiligungen an Interventionen in allen Teilen der Welt geplant. Im &#8222;Weißbuch&#8220; des Verteidigungsministeriums alarmiert ein eindrucksvoller Bedrohungskatalog: Pandemien, Seuchen, Waffenhandel, Migration, Globalisierung, zerfallende Staaten, Proliferation, Terrorismus, Energieversorgung, Ressourcenverknappung &#8211; alles bedroht die Sicherheit und kann Auslandseinsätze erforderlich machen.</p>
<p>Der Autor, ein zum Thema Nuklearrüstung und militärische Interventionen promovierter Politologe, der heute als freier Journalist arbeitet, problematisiert nicht nur die Fragwürdigkeit moralisch aufgeladener Rechtfertigungen für Auslandseinsätze und einen überzogenen Sicherheitsbegriff. Er analysiert die Illusionen, ja auch Unehrlichkeiten, welche die deutsche Militärpolitik inzwischen prägen, und plädiert für eine öffentliche Debatte. Er macht es weder Befürwortern noch Gegnern von Militäreinsätzen leicht. Während er bei den Politikern die überzogene Erwartung kritisiert, eine Art weltweite Kontrollfähigkeit durch den Einsatz militärischer Macht erlangen zu können, unterliegen seiner Ansicht nach auch Gegner der Militäreinsätze dieser Machbarkeitsillusion. Indem sie bei jedem Einsatz vor imperialen Ansprüchen einer vermeintlichen Großmacht Deutschland warnen, tragen sie ebenso zu einer maßlosen Überschätzung der Bundeswehr bei und verkennen, dass selbst die Militärmacht USA eine neue Politik zur Schadensbegrenzung ihrer wenig erfolgreichen Interventionen in Betracht zieht.</p>
<p>Illusionen und Unehrlichkeiten untersucht Chauvistré vor allem an den beiden größten Militärmissionen der Bundeswehr, im Kosovo und in Afghanistan. Beim ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr im Kosovokrieg wurde das erklärte Ziel, die ethnischen Säuberungen zu beenden, notfalls die Beachtung von Menschenrechten herbeizubomben und dann mit massiver Militärpräsenz eine demokratische, multiethnische Gesellschaft zu erzwingen, verfehlt. Die Bundeswehr und ihre Verbündeten konnten nicht verhindern, dass viele tausend Serben und Roma vertrieben wurden. Das friedliche Zusammenleben von Albanern und Serben scheint vorläufig nicht realisierbar. Mit der Dämonisierung des Gegners &#8211; der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer nannte den jugoslawischen Ministerpräsidenten Milosevic einen neuen Hitler und verglich die Verbrechen im Kosovo mit Auschwitz &#8211; wurde 1999 ein Krieg als moralisch gut erklärt, der in eine nun zehn Jahre andauernde Militärpräsenz mündete, ohne dass ein Erreichen der Ziele in Sicht wäre.</p>
<p>Noch weitaus problematischer ist der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Sie beteiligt sich dort seit Anfang 2002 an der vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen International Security Assistance Force (Isaf). Ihr ursprünglich bescheidener Auftrag sah vor, Gebäude und Personal der UN, internationaler Hilfsorganisationen und der afghanischen Regierung in Kabul zu schützen. Dieser Einsatz wurde inzwischen viele Male verlängert, personell verdreifacht, räumlich ausgedehnt und der ursprüngliche Auftrag uminterpretiert. Nun gilt es, der afghanischen Regierung die Kontrolle über das ganze Land zu erkämpfen.</p>
<p>Chauvistré recherchierte, wie dieser Einsatz in der Praxis aussieht: Die Bundeswehr schützt vor allem sich selbst, die Hälfte der Soldaten verlässt bei ihrem viermonatigen Aufenthalt das Lager nicht. Trainiert wird, wie man selbstgebaute Sprengkörper erkennt. Schafft es eine Handvoll Soldaten, heil von einem Lager zum anderen zu kommen, ist das ein Erfolg. Kontakt zur afghanischen Bevölkerung besteht kaum, humanitäre Hilfeleistungen sind entsprechend selten. Dass der Isaf-Einsatz organisatorisch und logistisch vielfach mit dem &#8222;Operation Enduring Freedom&#8220; (OEF) genannten Kriegseinsatz verwoben ist, thematisiert die Regierung ungern. Mit den menschlichen Kollateralschäden des Krieges, Tausenden getöteten afghanischen Zivilisten und drei Millionen Flüchtlingen, will die Bundeswehr nichts zu tun haben.</p>
<p>&#8222;Ohne die Bundeswehr im Ausland wird die Welt nicht zwangsläufig besser&#8220;, resümiert Chauvistré, &#8222;aber mit ihr eben auch nicht.&#8220; WIGBERT BENZ</p>
<p>ERIC CHAUVISTRÉ: Wir Gutkrieger. Warum die Bundeswehr im Ausland scheitern wird. Frankfurt/New York, Campus Verlag 2009. 188 S., 17,90 Euro.</p>
<p>_______________________________________</p>
<p>8. Süddeutsche Zeitung Nr.187 vom 17. August 2009 , Seite 13: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Ein bisschen Folter<br />
Das weltweite Verbot darf nicht relativiert werden</p>
<p>Die Folterkeller der Diktaturen blendet der Heilbronner Historiker Alexander Bahar aus. Seine Darstellung fokussiert die Degeneration der ältesten Demokratie zum Folterstaat. Sie beschreibt, wie die USA unter Bush, Cheney und Rumsfeld die Folterpraktiken in Bagram, Abu Ghraib, Guantanamo und vielen anderen global verteilten Geheimgefängnissen der CIA auslösten. Bilder von misshandelten Gefangenen, die weltweit Entsetzen auslösten und Verbrechen, für die bislang nur sieben Soldaten niederer Ränge bis maximal zum Oberfeldwebel verurteilt wurden, prägten die öffentliche Wahrnehmung der Bush-Regierung. Dessen Nachfolger Barack Obama tut sich schwer mit der Aufarbeitung der Verbrechen. Er will Guantanamo schließen, aber die rechtlich fragwürdigen Militärtribunale beibehalten. Er will aufklären, aber die Publikation von Folterfotos verhindern und den politisch und juristisch Verantwortlichen Straffreiheit zusichern.</p>
<p>In einer einführenden komprimierten kurzen Geschichte der Folter legt Bahar dar, dass deren Abschaffung eine Errungenschaft der Aufklärung war. Rückschläge und vor allem die verheerenden Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur rückten die Forderungen nach einem wirksamen Schutz der Menschenrechte wieder in den Mittelpunkt internationaler Bemühungen. Gegenwärtig ist Folter nicht nur in Konventionen geächtet, sondern in nahezu allen zur westlichen Kultur gehörenden Staaten unter Strafandrohung verboten. Die Würde des Menschen ist unantastbar, und wenn ein Verfassungsstaat Folter in eng umgrenzten Fällen zulässt, etwa um ein Attentat zu verhindern, wird er &#8222;bald auch Menschen foltern&#8220; &#8211; so die ehemalige Generalsekretärin von Amnesty International, Barbara Lochbihler, in ihrem Vorwort, &#8222;die ein Bombenattentat planen könnten oder die jemanden kennen, der ein Bombenattentat plant&#8220;.</p>
<p>Gefährdung der Demokratie</p>
<p>Demgegenüber lautete die Prämisse der Bush-Regierung nach dem 11. September 2001, dass der Zweck, den Terrorismus zu bekämpfen, die gewählten Mittel heilige. Unterlagen solche Mittel wie das &#8222;Waterboarding&#8220;, das simulierte Ertränken von Gefangenen, deren Fesselung in &#8222;Stress-Positionen&#8220; oder sexuelle Demütigungen einer rechtlichen Beschränkung, musste diese beseitigt werden. So verkündete die Bush-Regierung, gestützt auf die Rechtsgutachten ihrer Juristen, die &#8222;verschärften Verhörmethoden&#8220; seien Menschenrechtsmaßnahmen zum Schutz vor Unmenschen und ihrem Terror. Tatsächlich führten die propagandistische Verteufelung und Entmenschlichung des Gegners und die Abwertung der Errungenschaften der Aufklärung zu einem Verständnis der Menschenrechte, das diese tatsächlich nur noch als Mittel zum Zweck ansieht und so den Verlust moralischer Hemmungen befördert. Es ist eine Stärke von Bahars Studie, dass sie diesen Widersinn als Indikator für die Gefährdung der Demokratie im globalisierten Kapitalismus analysiert. Sie sieht den Versuch, durch grausame, erniedrigende Behandlung von Menschen Informationen zu erpressen, im Zusammenhang mit der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und dem zunehmenden Abbau von Menschen- und Bürgerrechten, wie er unter dem Vorwand des &#8222;Kampfes gegen den Terror&#8220; betrieben wird.</p>
<p>Den problematischen Umgang deutscher Politiker mit dem Folterverbot zeigt Bahar am Fall des von der CIA entführten und misshandelten Deutsch-Türken Murat Kurnaz, dessen Rückkehr nach Deutschland lange Zeit hintertrieben wurde, sowie an den anhaltenden Bemühungen von Politikern wie Bundesinnenminister Schäuble, unter Folter erzwungene Aussagen nutzen zu können. Die Verwertung von Aussagen, die wie in Guantanamo unter Folter zustande gekommen sind, unterläuft das Folterverbot der internationalen Menschenrechtskonventionen. Gleiches gilt für Bestrebungen deutscher Juristen, das Folterverbot aufzuweichen, indem die Menschenwürde nicht mehr zu den bedingungslos zu schützenden Rechtsgütern zählen, sondern mit anderen Rechtsgütern abgewogen werden soll. Bahar zitiert den ehemaligen Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer: &#8222;Der Gefolterte ist nicht mehr als Person da, sondern als Bündel von Schmerzen. Die Menschenwürde ist so etwas wie das Grund-Grundrecht.&#8220; WIGBERT BENZ</p>
<p>ALEXANDER BAHAR: Folter im 21. Jahrhundert. Auf dem Weg in ein neues Mittelalter? München, dtv Verlag 2009. 300 Seiten, 16,90 Euro.<br />
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<p>9. Süddeutsche Zeitung Nr.252 vom 2. November 2009 , S. 16:  DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Weltweiter Egoismus<br />
Das 20. Jahrhundert verstärkte die Hierarchien der Staaten</p>
<p>Hans-Heinrich Nolte, Herausgeber der Zeitschrift für Weltgeschichte, gilt als Wegbereiter einer Betrachtung der Geschichte unter dem Aspekt globaler Prozesse und Abhängigkeiten. Nach seiner Studie zu den weltgeschichtlichen Zusammenhängen der Imperien, Religionen und Systeme des 15. bis 19. Jahrhunderts legt er nun eine Analyse der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts vor. Dieses beginnt mit der Unfähigkeit der europäischen Mächte, das Ende ihrer Expansionsmöglichkeiten zu akzeptieren. Als Folge der Aggressionen Deutschlands und Japans gegen ihre Nachbarn wird nach 1945 die politische und ökonomische Vorherrschaft der USA gefestigt.</p>
<p>Der Kalte Krieg zwischen den Staaten der Nato und des Warschauer Paktes verschlingt nicht nur unglaubliche Ressourcen, die für die Überwindung weltweiter Not und die globale Durchsetzung zivilgesellschaftlicher Standards fehlen, sondern gefährdet die gesamte Menschheit. Die Vorstellung, mit dem Sozialismus ein rationaleres und mehr Gleichheit verwirklichendes Gegenmodell zum Kapitalismus zu entwickeln, überwindet nie seinen Geburtsfehler als Diktatur einer Partei, für die der Zweck die Mittel heiligt, und bricht schließlich 1990 in sich zusammen. Wurde das 19. Jahrhundert durch Aufstieg und Expansion Europas bestimmt, prägen die Hegemonie der USA das 20. Jahrhundert, die allerdings an der Jahrtausendschwelle durch China, Indien, Japan und andere asiatische Gesellschaften in Frage gestellt wird.</p>
<p>Mit einer Fülle von Beispielen charakterisiert Nolte das 20. Jahrhundert als Prozess sich verschärfender Widersprüche. Auf der einen Seite beeindrucken vielfältige Emanzipationen, wissenschaftlich-technische Innovationen und eine rasante Globalisierung. Immer stärker sind selbst geographisch entfernte Gesellschaften durch Interaktionen verbunden. Es erschrecken aber wachsende Ungleichheit, Genozide und Vertreibungen, Terrorismus und eine hemmungslose Ausbeutung der Umwelt. Die Unterschiede nehmen zu &#8211; zwischen Kulturlandschaft und Versteppung, zwischen Zentren, Slumvierteln und Vorstädten, manchmal im selben Häuserblock zwischen Arm und Reich. Mauern und Wachpersonal sorgen für die Einhaltung der Distanzen. Luftverkehr, Internet und Forschung schaffen Aktionsfelder, die globale Subsysteme mit Auswirkungen bis in den Alltag bilden. Nolte nennt als Beispiel für die Widersprüche den Schlaganfallmediziner in Berlin, der zwar seinen Kollegen in Harvard kennt, nicht aber den Urologen seiner Klinik oder den Mieter der Etage über ihm.</p>
<p>Analytisch und methodisch knüpft Nolte an Immanuel Wallersteins Konzept des Weltsystems an. Dieses ist durch eine Hierarchie der Räume gekennzeichnet, die wachsende Ungleichheit befördert. Die hierarchischen Zentren bilden Europa, die USA und Japan, während große Teile Afrikas sowie Lateinamerika der Peripherie zugeordnet sind, China und Indien in die Halbperipherie aufsteigen. Dieses System ist durch ein kompliziertes Zusammenspiel von Konkurrenz, Kompetenzakkumulation und Expansionen gekennzeichnet, die die Länder des Zentrums begünstigen. Es fehlt ein ausreichender Fundus gemeinsamer politischer, ökonomischer und ethischer Normen.</p>
<p>An verschiedenen Stellen seines Buches zeigt Nolte auf, wie diese Dynamik des Weltsystems trotz aller auch vorhandener Fortschritte im Kern zu immer größeren Gegensätzen zwischen den Staaten des Zentrums und der Peripherie führen. Lagen die Unterschiede des Durchschnittseinkommens zwischen den reichsten und den ärmsten Ländern zu Beginn der Industrialisierung 1820 bei 3:1, so betrugen sie 1913 schon 11:1, wuchsen 1950 auf 35:1 und 1973 auf 44:1 &#8211; Tendenz steigend. Diesen Strukturproblemen des Weltsystems entspricht eine eklatante Schwäche der UN, die zwar einen wichtigen Schub zur Anerkennung universeller Menschenrechte gab, aber letztlich keine den Problemen der Weltbevölkerung angemessene Institution darstellt und in ihrer Entwicklung stagniert.</p>
<p>Nolte plädiert für eine den globalen Bedürfnissen angemessene Ethik der Staaten, die er nach wie vor als die wichtigsten Akteure des weltweiten Konkurrenzsystems ansieht. Diese achteten zwar auf die Moral ihrer Untertanen, verfolgten selbst aber ein als Staatsräson legitimiertes egoistisches Interesse, ohne die verheerenden weltweiten Folgen ihres Handelns zu bedenken. WIGBERT BENZ</p>
<p>HANS-HEINRICH NOLTE: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2009. 444 Seiten, 29,90 Euro.<br />
________________________________</p>
<p>10. Süddeutsche Zeitung Nr. 73 vom 29. März 2010, S. 16:  DAS POLITISCHE BUCH </p>
<p>Der Propagandist<br />
Christian Plöger schildert die erstaunliche Karriere des Nazis und Bestsellerautors Paul Carell</p>
<p>Paul Karl Schmidt alias Paul Carell war ein Mann der zwei Karrieren. Mit knapp 29 Jahren avancierte der promovierte Psychologe 1940 als Pressechef des Auswärtigen Amtes zum jüngsten Ministerialdirigenten und Gesandten I. Klasse des NS-Regimes. Zur selben Zeit wurde er SS-Obersturmbannführer. Nach dem Krieg schrieb er geschichtspolitische Artikel, unter anderem in der Zeit, im Spiegel sowie in Springers Kristall und Welt, wobei es immer um den Nationalsozialismus und den Weltkrieg ging. Mit drei Millionen verkauften Büchern prägte der Bestsellerautor das Bild von der deutschen Kriegführung als sauberem, anständigem und heldenhaftem Kampf.</p>
<p>Der Journalist Christian Plöger legt mit seiner Dissertation die erste umfassende Biographie dieses NS-Karrieristen vor. Für den Zeitraum von 1931 bis 1945 hat Plöger rund 25 000 Dokumente ausgewertet. Seine Geschichte von Schmidts Werdegang vom Pressesprecher Ribbentrops bis zum Autor, Sicherheitschef und engen Berater Axel Springers ist spannend und gut geschrieben. Den Schwerpunkt seiner Darstellung legt der Autor auf die Zeit vor 1945.</p>
<p>In einfachen Verhältnissen aufgewachsen und schon als Schüler in die NSDAP eingetreten, amtierte Schmidt im Februar 1933 als Vorsitzender der Kieler Studentenschaft, wurde 1935 stellvertretender NS-Gaustudentenbundsführer und promovierte 1936 mit Bestnote im Fach Psychologie. In einem Bericht Schmidts über ein einwöchiges Schulungslager im Oktober 1933 unter Leitung des Philosophen Martin Heidegger akklamiert er Heideggers Definition des Nationalismus als eines &#8222;heldischen Führertums&#8220; und des Sozialismus als einer &#8222;auf unbedingte Gefolgschaft gegründeten Gemeinschaft eines Volkes&#8220;.</p>
<p>Bis zu seinem Wechsel 1937 von der Universität Kiel in die &#8222;Dienststelle Ribbentrop&#8220; hatte Schmidt als Uni-Assistent und Leiter der &#8222;Sektion Zeitungswissenschaft und Meinungsforschung&#8220; bereits Erfahrungen mit Pressearbeit gesammelt. Nachdem Ribbentrop das Außenministerium übernommen hatte, wurde er bald dessen Pressechef. Er leitete die täglichen Pressekonferenzen, gab Sprachregelungen für die Auslandsberichterstattung aus und wirkte mit Hilfe zahlreicher Zeitschriften als einer der führenden Auslandspropagandisten des Regimes. Schmidt nahm maßgeblichen Einfluss auf die in Millionenauflage erschienene Auslandsillustrierte Signal, die den Kreuzzug gegen den Bolschewismus propagierte und den Überfall Deutschlands auf die UdSSR als Präventivkrieg rechtfertigte &#8211; eine These, die Schmidt auch nach 1945 vertrat.</p>
<p>Freund von Präventivkriegen</p>
<p>In einem Schreiben an Unterstaatssekretär Luther im Dezember 1941 fordert Schmidt, &#8222;eine Judenwohnung zugeteilt zu bekommen&#8220;, konkret die &#8222;Zuweisung einer 9 bis 10 Zimmerwohnung&#8220;. Sein Antisemitismus und Karrierestreben gaben Schmidt im Mai 1944 die Idee ein, man möge zur Vorbereitung der Deportation der Budapester Juden diesen Menschen Sprengstoffe und Waffen unterschieben und dann umgehend eine Razzia durchführen, um die Opfer als kriminelle Täter präsentieren zu können.</p>
<p>Nach dem Krieg wurde Schmidt im Wilhelmstraßen-Prozess gegen das Auswärtige Amt kurioserweise zum Zeugen der Anklage. Schon 1949 verfasste er vom CIA finanzierte Propagandaschriften für den Marshallplan, ehe er als P. C. Holm für die Zeit 1954 die deutsche Verantwortung am Weltkrieg herunterspielen durfte. 1957 lancierte er im Spiegel die These vom Alleintäter van der Lubbe beim Reichstagsbrand. Ende der 50er Jahre verstärkte Schmidt sein publizistisches Engagement in der Zeitschrift Kristall, in der er in etlichen Serien den tapferen deutschen Soldaten huldigte.</p>
<p>Mit seinen Bestsellern über das &#8222;Unternehmen Barbarossa&#8220; stand er dann auf dem Zenit seines publizistischen Erfolgs und überstand auch unbeschadet ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Judenmord 1944. Springer diente er bis zu dessen Tod 1985 nicht nur als Autor, Berater und Redenschreiber, sondern auch als persönlicher Sicherheitschef. Beide verband ein bedingungsloser Antikommunismus. So fand Schmidt in der Welt ein publizistisches Forum. Kurz vor dem Nato-Doppelbeschluss vom Dezember 1979, der neue atomare Mittelstreckenraketen vorsah, propagierte er den notfalls präventiven Einsatz von Bundeswehr und Nato gegen die Rote Armee. Seine &#8222;Weltanschauung veränderte er in ihren Grundfesten nicht&#8220;, resümiert Plöger Schmidts Wirken nach dem Ende des Nationalsozialismus, &#8222;sondern variierte sie lediglich bei Bedarf&#8220;. WIGBERT BENZ</p>
<p>CHRISTIAN PLÖGER: Von Ribbentrop zu Springer. Zu Leben und Wirken von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell. Tectum-Verlag, Marburg 2009. 475 Seiten, 34,90 Euro.</p>
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<p>11. Süddeutsche Zeitung Nr. 78 vom 4. April 2011, S. 16: DAS POLITISCHE BUCH</p>
<p>Mord nach Quote<br />
Wie pflichtbewusste Funktionäre im Machbarkeitswahn sich unter Stalin beliebt zu machen suchten</p>
<p>Unser Bild vom Großen Terror der stalinistischen Sowjetunion ist geprägt von den Schauprozessen der dreißiger Jahre gegen die alten Bolschewiki und die neuen Eliten des Sowjetstaates. Weniger bekannt ist, dass 1937 und 1938 abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit rund 800.000 wenig prominente Sowjetbürger, meist einfache Leute, die aus der Bahn geworfen worden waren, verhaftet und zum Tod oder zu Lagerhaft verurteilt wurden.<br />
Das Deutsche Historische Institut Moskau beleuchtet nun erstmals in zwei Bänden mit Beiträgen russischer, ukrainischer und deutscher Autoren den Vorgang dieser Vernichtungsaktion. Deren Grundlage bildete der „Operative Befehl&#8220; Nummer 00447: „Über die Operation zur Verfolgung ehemaliger Kulaken, Krimineller und anderer antisowjetischer Elemente&#8220;, der am 31. Juli 1937 vom sowjetischen Politbüro abgesegnet wurde. Die Herausgeber betonen, dass über „keine andere Verfolgungsmaßnahme dieser Größenordnung so viele dokumentarische Belege vorliegen&#8220;, auch deswegen, weil über jeden Verfolgten eine Einzelakte angelegt wurde. Vom Befehl selbst erfuhr Russland 1992, der Großteil der Dokumente liegt nun in deutscher Sprache vor. Dabei wird jedem einzelnen Kapitel des Quellenbandes eine ausführliche Einleitung und Kommentierung vorangestellt.<br />
Zu den Zielgruppen des im NKWD-Jargon „ Kulakenoperation&#8220; genannten Massenterrors zählten zum einen aus der Verbannung nach Fristablauf zurückgekehrte oder geflohene ehemalige Kulaken und Mitglieder früherer Aufstandsorganisationen, zum anderen „sozial schädliche Elemente&#8220;, die als Obdachlose, „Arbeitsscheue&#8220; oder „Verbrecher&#8220; (zumeist kleine Diebe) aufgefallen waren.<br />
Im ganzen Land wurden sogenannte Troikas gebildet, die ihre Urteile in Schnellverfahren fällten. Ihnen gehörten in der Regel der Leiter des NKWD, der Parteisekretär und der Staatsanwalt des jeweiligen Gebiets an. Für jede der territorialen Einheiten bestimmte der Befehl genaue Opferquoten. Danach sollten zunächst 75.950 Personen als Angehörige<br />
der besonders belasteten „Kategorie 1&#8243; erschossen und weitere 193.000 „Elemente&#8220; der weniger belasteten „Kategorie 2&#8243; zu einer mindestens achtjährigen Lagerhaft verurteilt werden. Es gehört zu den verstörendsten Befunden der Dokumentation, dass sich diese vorgesehene Opferzahl mehr als verdreifachte weil die lokalen Partei- und NKWD-Führer die Moskauer Zentrale immer wieder um die Erhöhung der Quoten ersuchten.<br />
Ursachen und Motive für den Beginn des Großen Terrors sehen die Herausgeber in der Stärkung der persönlichen Machtstellung Stalins, dem Bestreben, angesichts der bestehenden Kriegsgefahr eine potentielle fünfte Kolonne präventiv zu vernichten, und der schnell gefundenen Antwort auf die Frage, wie mit ehemaligen aus den Verbannungsgebieten zurückgekehrten „Kulaken&#8220; zu verfahren sei. Letztlich aber, schreiben sie,  sei die Anwendung hemmungsloser Gewalt zum Selbstzweck geworden. Zudem habe der Machbarkeitswahn, die Idee von einer gewaltsamen Befreiung der Gesellschaft von sozialen Problemen und Konflikten, eine wichtige Rolle gespielt.<br />
Dieses Konglomerat an, zur Vernichtung führenden ideologischen und sozialen Sprengsätzen zeigen die Autoren anhand der Akte des zum Tod durch Erschießen verurteilten Schmieds Pavel Ivanovic C. aus dem Ort Paniklja im Kaliningrader Gebiet, der in seiner Kolchose eine lasche Arbeitshaltung an den Tag legte und unter Alkoholeinfluss Drohungen gegen die Sowjetführung ausstieß.<br />
Zunächst machte ein Gutachten des Dorfsowjets den Schmied zum „Kulaken&#8220;, da er früher Land besessen und zeitweilig Lohnarbeiter beschäftigt habe. Fünf Zeugen sagten gegen ihn aus. Der erste, ein örtlich leitendes Parteimitglied, behauptete die Gegnerschaft des Beschuldigten zur Sowjetmacht bestehe seit 1918 und dauere an.<br />
Der zweite, der Kolchosvorsitzende des. Schmieds, wollte einen ungeliebten Mitarbeiter loswerden: C. habe die Arbeitsdisziplin verletzt sowie systematisch und öffentlich auf die Sowjetmacht geschimpft. Der dritte, ein Lagerarbeiter und Kollege, wusste, zu berichten, C. sei eigentlich schon 1918 als Rädelsführer eines Aufstandes zur Erschießung vorgesehen gewesen. Der vierte, ebenfalls ein Arbeitskollege, führte aus, der Schmied habe die Reparatur von Traktoren sabotiert und danach getrachtet, die Ernte zu verhindern. Und der letzte Zeuge, der Priester von Paniklja, gab an, der Beschuldigte habe geäußert, eigenhändig Stalin erschießen zu wollen.<br />
So kam es, dass Pavel Ivanovic C. selbst erschossen wurde. Erst nach mehr als fünfzig Jahren wurde er formal rehabilitiert. Die Staatsanwaltschaft erklärte lapidar, sie habe „keine rechtskonformen Verurteilungsgründe“ finden können.	 WIGBERT BENZ</p>
<p>ROLF BINNER, BERND BONWETSCH, MARC JUNGE (Hrsg.): Massenmord und Lagerhaft. Die andere Geschichte des Großen Terrors. 821 S., 39,80 Euro. Und: Stalinismus in der sowjetischen Provinz 1937-1938. 729 S., 39,80 Euro. Akademie Verlag, Berlin 2009 und 2010.</p>
<p>Wigbert Benz’ Buch „Der Hungerplan im Unternehmen Barbarossa 1941“ erscheint im Mai beim Verlag wvb.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/wigbertbenz.wordpress.com/39/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/wigbertbenz.wordpress.com/39/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=wigbertbenz.wordpress.com&amp;blog=10104616&amp;post=39&amp;subd=wigbertbenz&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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